Verlag Traugott Bautz |
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WILHELM von Alnwick, engl. Franziskaner, Theologe, Philosoph und Bischof, * um 1270 in Alnwick (Diözese Durham), Northumbria; † im März 1333 in Avignon. - Er studierte in Oxford und in Paris unter Duns Scotus. Er wurde akadem. Mitarbeiter des berühmten schott. Franziskaners Scotus und redigierte nach dessen Tod Teile seiner umfangreichen theolog. Schriften (darunter »Ordinatio«). 1316/17 lehrte W. v. A. als der 42. Lektor in Oxford Theologie und Philosophie. Um 1319 dozierte er in Montpellier, danach lehrte er in Bologna (um 1321/23), anschließend in Neapel. 1322 nahm er am Generalkapitel des Franziskanerordens in Perugia teil, wo er mit Ordensbrüdern ein rigoristisches Dokument über die evangelische Armut verfaßte (»De paupertate Christi«), das gegen Papst Johannes XXII gerichtet war (Armutsstreit). Als Folge befahl der Papst den Bischöfen von Bo-logna und Ferrara gegen »William den Engländer« vorzugehen. Am 1.12. 1323 wurde er wegen seiner herausfordernden Haltung im Armutsstreit von Johannes XXII nach Avignon beordert, entzog sich jedoch dem kirchl. Tribunal durch Flucht nach Neapel (Königreich Sizilien). Er lehrte danach in Neapel und wurde ein Freund und Vertrauter von Robert II, dem König von Sizilien. 1329/30 wurde er zum Bischof von Giovinazzo ernannt. Am 7.3. 1333 predigte er in Avignon, wo er vermutl. noch im gleichen Monat verstarb. - W. v. A.s Bedeutung liegt vor allem in der zusammenfassenden, kritischen Vermittlung der scholast. Philosophie von Duns Scotus (in »Abbreviatio Libri I Reportationum Parisiensiae Scoti«). Er war ein Meister der aristotel. Logik. Obwohl er Scotus bewunderte, stand er einigen Kernpositionen seines Lehrers (u.a. der Konzeption der »haecceitas« und der Unsterblichkeit der Seele) kritisch gegenüber. Einige der philos. Positionen von W. v. A. wurden (ebenso wie jene von Duns Scotus) vom engl. Franziskaner und Nominalisten W. v. Ockham heftig angegriffen.
Lit.: A. G. Little, The Franciscan School at Oxford, in: A.F.H. 19, 1926, 872-873; - M. Schmaus, Guilelmi de Alnwick doctrina de medio quo Deus cognoscit futura contingentia, in: Bogoslovni Vestnik (Laibach) 12, 1932, 201-225; - A. Maier, Das Problem des Kontinuums in der Philosophie des 13. und 14. Jhdts., in: Antonianum 20, 1945, 331-368; - T. Käppeli, Predigten am Päpstlichen Hof von Avignon, in: ArchFrPraed 19, 1949, 388-393; - F. A. Prezioso, L'eternita aristotelica del mondo in una Quaestio inedita di Guglielmo Alnwick, Padua 1962; - M. Dijkmans, Le dernier sermon de Guillaume d'Alnwick, in: A.F.H. 63, 1970, 259-279; - J. D'Souza, W. of A. and the Problem of Faith and Reason, in: Salesianum 35, 1973, 425-488; - A. B. Emden, Hrsg., A Biographical Register of the University of Oxford to A. D. 1500, Bd. I, Oxford 1957, 27; - LThK X, 1125 f.; - NCE XIV, 920; - DHGE II, 662; XXII, 835; - CDP, 854.
Franz Wöhrer
Literaturergänzung:
1999
Guido Alliney, "Quaestiones de tempore" o "Il Sent., d. 2, qq. 1-3"? Chiarimenti sulla tradizione manoscritta di Guglielmo di Alnwick, in: AFrH 92.1999, S. 117-142.
Letzte Änderung: 09.04.2011