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Band XIII (1998) Spalten 1268-1270 Autor: Helmut Feld

WILHELM von Rubruk, Franziskaner; * zwischen 1215 und 1220 in Rubruk bei Cassel (heute Nordfrankreich); † um 1270. - W., von Geburt Flame, trat als junger Mann in den Minoritenorden ein und machte seine Studien in Paris. 1248 reiste er im Gefolge des Königs Ludwig IX. von Frankreich (1226-1270) ins Heilige Land (Outremer). Bis 1252 blieb er in Akkon. Ludwig IX., der an diplomatischen Kontakten mit den Mongolenherrschern interessiert war, sandte ihn an den Hof des Großkhans nach Ostasien. W. begab sich zunächst nach Konstantinopel. Von dort brach er am 7.5. 1253 mit vier Begleitern auf: seinem Ordensbruder Bartholomäus von Cremona, einem weiteren Kleriker, einem Dolmetscher und einem Diener. Nach abenteuerlicher Reise durch Zentralasien gelangte die kleine Gesellschaft am 27.12. 1253 an den Hof des damaligen Großkhans Mangu (Möngkä) bei Karakorum, wo sie sich ein halbes Jahr lang aufhalten durften, bevor sie die Rückreise antraten. In politischer und diplomatischer Hinsicht war W.s Reise ein Fiasko: entgegen den Erwartungen Ludwigs IX. hatte der Großkhan, der W. am 4.1.1254 in Audienz empfing, keinerlei Interesse daran, die westliche Christenheit im Kampf gegen den Islam und bei dem Versuch einer Wiedereroberung des Heiligen Landes zu unterstützen. Doch fand W. Gelegenheit, zu predigen und zu taufen. Er lernte zahlreiche Christen kennen, die sich im Machtbereich der Mongolen aufhielten und führte kontroverse Glaubensgespräche mit Nestorianern, Muselmanen und Buddhisten. Am 15.8. 1255 kam W. in Tripoli bei Beirut an. Anstatt ihn zu seinem Auftraggeber nach Frankreich weiterreisen zu lassen, betrauten ihn seine zuständigen Ordensoberen mit der Aufgabe eines Lektors der Theologie in Akkon. Den dortigen unfreiwilligen Aufenthalt benutzte er zur Niederschrift seines informativen, detailgetreuen Reiseberichts. Durch ein Eingreifen Ludwigs IX. gelangte W. doch noch an den französischen Hof. Von da an gibt es keine Nachrichten mehr über ihn. - W. ist, nach Johannes von Pian del Carpine, der 1245-1246 im Auftrag des Papstes Innocenz IV. an den Hof des damaligen Großkhans Kuyuk gereist war, der zweite Franziskaner, der sich im 13. Jahrhundert in offizieller Mission zu den Mongolen begab und darüber einen ausführlichen Reisebericht verfaßte. Die beiden genannten Werke sind die ersten zuverlässigen Informationen über die Verhältnisse im Fernen Osten, die im Mittelalter nach Europa gelangten. Sie sind so etwas wie der Anfang der religiösen und kulturellen Begegnung des Westens mit Ostasien.

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Werke: Itinerarium Willelmi de Rubruc, ed. A. van den Wyngaert, in: Sinica Franciscana I, Quaracchi 1929, 164-332; deutsche Übers.: Wilhelm von Rubruk, Reise zum Großkhan der Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum 1253-1255. Neu bearb. u. hrsg. von H.D. Leicht, Stuttgart 1984.

Lit.: A. Batton, Wilhelm von Rubruk, ein Weltreisender aus dem Franziskanerorden und seine Sendung in das Land der Tataren. Franz. Stud. Beih. 6, 1921; - C. Schollmeyer, Die missionarische Sendung des Frater Wilhelm von Rubruk. Ostkirchl. Stud. 4 (1955), 138-146; - ders., Die Missionsfahrt Bruder Wilhelms von Rubruk zu den Mongolen. Zeitschr. f. Missionskunde u. Religionswiss. 40 (1956), 200-205; - J. Dauvillier, Guillaume de Rubrouk et les communautés chaldéennes d'Asie Centrale au Moyen Age. L'Orient Syrien 2 (1957), 223-242; - T. Jansma, Oost-Westelijke verkenningen in de dertiende eeuw. De reizen van de Franciscan Willem van Rubroek naar Mongolië in de jaren 1253-1255 en van de Nestoriaanse Prelaat Barsauma naar Europa in de jaren 1287-1288, 1959; - J. de Rachewiltz, Papal Envoys to the Great Khans, 1971; - A.D. van den Brincken, Eine christliche Weltchronik von Qara Qorum. Wilhelm von Rubruck O.F.M. und der Nestorianismus. AKG 53 (1971), 1-19; - G.A. Bezzola, Die Mongolen in abendländischer Sicht [1220-1270], 1974; - B. de Troeyer, Bio-Bibliographia Franciscana Neerlandica ante saeculum XVI, I. Pars Biographica, 1974, 5-14 (Literatur!); - J. Richard, La papauté et les Missions d'Orient au Moyen Age (XIIIe-XVe s.), 1977; - L. Petech, I Francescani nell'Asia Centrale e Orientale nel XIII-XIV sec., in: Espansione del Francescanesimo tra Occidente e Oriente nel secolo XIII, 1979, 215-240; - T. Lombardi, Storia del Francescanesimo, 1980; - G. Fedalto, La Chiesa latina in Oriente I, 1981, 504-507; - Repertorium fontium historiae Medii Aevi V, 1984, 317-319; - C. und R. Kappler, Guillaume de Rubrouck envoyé de St. Louis. »Voyage dans l'empire mongol« (1253-55), 1985; - H. Feld, Franziskus von Assisi und seine Bewegung, 1994; - De Katholieke Enc. 21 (1954), 83; - Catholicisme 5 (1962), 405 f.; - LThK2 9 (1964), 83 f.; - New Cath. Enc. 14 (1967), 936; - DHGE 22 (1988), 1001-1003.

Helmut Feld

Literaturergänzung:

2007

Maria Rita LoForte Scirpo, Guglielmo di R. il demistificatore, in: I Francescani e la politica ; 1. Palermo 2007, S. 617-630.

Letzte Änderung: 09.04.2011