Verlag Traugott Bautz |
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
WILLIRAM von Ebersberg, * ?, † 1085 in Ebersberg. W., ein Verwandter des Erzbischofs Heribert von Köln und des Eichstätter Bischofs Heribert, stammte aus einem fränkischen Adelsgeschlecht aus der Gegend von Worms. Er erhielt seine schulische Ausbildung in Bamberg und trat anschließend in die Benediktinerabtei Fulda ein. Im Jahre 1040 wurde er Schulmeister in der Abtei Michelsberg (Bamberg). Kaiser Heinrich III. ernannte ihn 1048 zum Abt von Ebersberg in der Nähe von München. Hier brachte er mit Umsicht die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ordnung. Er verfasste eine Chronik der Abtei, legte Wirtschaftsbücher an und förderte nach Kräften die Schreibschule des Klosters. Sein ursprünglicher Plan, höhere Reichsämter zu bekleiden und im Alter wieder in seine Professabtei Fulda zurückzukehren, ging nicht in Erfüllung. So widmete sich der Abt einem intensiven Studium, was sein Werk »Expositio in Cantica Canticorum«, das aus den Jahren 1059/1063 stammt, deutlich macht. Dieses Werk ist, wie aus dem Prolog hervorgeht, Heinrich IV. gewidmet, der gebeten wird, der Abtei Ebersberg weiteres Wohlwollen zu schenken - eine Bitte, die nicht in Erfüllung ging. Für seinen Kommentar benutzt W. neben der Bibel Werke verschiedener Kirchenväter, Beda, Alkuin und Haimo von Halberstadt. Dieses Buch hat drei Spalten: Erklärung in leoninischen Hexametern/Vulgata-Text/deutsche Auslegung in einer lateinisch-deutschen Mischsprache. Obgleich W. von Notker Labeo beeinflusst ist, sind seine allegorische Paraphrase und der Kommentar zum Hohenlied theologisch ausgerichtet, nicht innerweltlich humanistisch. Er deutet das Verhältnis von Bräutigam und Braut auf Christus und die Kirche. Der Hauptakzent der Arbeit zielt auf die Verinnerlichung des Klerus hin, für den die Auslegung bestimmt war. Im MA wurde die »Expositio« oft abgeschrieben; es gibt noch an die 37 Hss. Die erste Drucklegung erfolgte 1528. Darüber hinaus stammen von W. noch einige Gedichte, seine Grabschrift und eine Vita des hl. Aurelius.
Lit.: W. Scherer, in: SAW 53 (1866), 197-303; - H. Reichau, Magdeburg 1877; - F. Junghans, Die Mischsprache Willirams, Berlin 1893; - E. Brodführer, Beiträge zur Syntax Willirams, Halle 106; - G. Ehrismann, Geschichte der deutschen Literatur, II/1, München 1922, 18-29; - J. Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur des MA, II, München 1923, 592-598; - F. Hohemann, Willirams von Ebersberg Auslegung des Hohen Liedes, Halle 1930; - F. Leimbach, Die Sprache Notkers und Willirams, Göttingen 1933; - M. L. Dittrich, Willirams von Ebersberg Bearbeitung der Cantica Canticorum, in: ZDA 82 (1948), 47-64; - R. Bauerreiß, Kirchengeschichte Bayerns, II, Nachdr. St. Ottilien 1973-1974, 67ff.; - Stammler-Langosch IV, 985-996; - H. Riedlinger, Die Makellosigkeit der Kirche in den lateinischen Hohenliedkommentaren des MA, Münster 1958; - ECatt XII, 1687; - LThK2 X, 1167; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C. 1979, 3488.
Johannes Madey
Literaturergänzung:
1992
Mielke, Andreas: Nigra Sum Et Formosa: Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters. Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart: helfant, 1992 [=Helfant Texte T 11]; -
2006
Niels Bohnert, Zur Textkritik von W.s Kommentar d. Hohen Liedes. Tübingen 2006; -
2008
Henrike Lähnemann, "Neniae meae, quas in Cantica Canticorum lusi". The poetic and aesthetic treatment of the Song of Songs by W. of E., in: Il Cantico dei Cantici nel Medioevo. Firenze 2008, S. 255-275.
Letzte Änderung: 09.04.2011