WITHERSPOON John, schottischer presbyterianischer Theol. u. amer. Politiker, * 1723 in Gifford, Schottland, † 1794 in Princeton, New Jersey. - Als Sohn eines Pastors in East Lothian geboren, stammte W. in direkter Linie v. John Knox (s.d.) ab. Er studierte an der Univ. v. Edinburgh, erhielt im Jahr 1739 den Titel eines Magister der Philosophie, u. wandte sich danach d. Theol. zu. W. nahm geg. d. jakobitischen Aufstand v. 1745-46 Partei, in d. der Kronprätendent Charles Edward Stuart ("Bonnie Prince Charlie") einen Versuch unternahm, die Macht v. den Engländern z. übernehmen. Nach einer kurzen Haft auf Doune Castle wurde W. Pastor der Church of Scotland in Beith, Ayrshire (1745-1758), wo er Elizabeth Montgomery ehelichte. Sie hatten zehn Kinder, v. denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. 1758-1768 war W. Pastor der Low Church (Laigh kirk) in Paisley u. trat in der presbyteranischen Kirche zunehmend als evangelischer Gegner der Moderaten auf. In drei theol. Abhh., darunter der Satire Ecclesiastical Characteristics (1753), wandte er sich geg. den philos. Einfluß v. Francis Hutcheson (s.d.). W. erlangte den akademischen Grad eines Divinitatis Doctor (D.D.) der Univ. St. Andrews. Auf Einladung v. Benjamin Rush u. Richard Stockton nahm W. das Amt des Präs. d. College of New Jersey der amer. Presbyterianer an, aus dem später Princeton University hervorgehen wird. 1768 emigrierte d. Familie nach New Jersey. W. hielt auch Vorlesungen über Rhetorik, Gesch., Theol.u. Moralphilos. Er reformierte den Studienplan nach dem Vorbild d. Univ. St. Andrews. W. unterstützte die Sezessionsbewegung, wurde als Vertreter v. New Jersey in den Kontinentalkongreß gewählt, u. war 1776 einer der Unterzeichner d. Unabhängigkeitserklärung. Er war bis 1782 ein politisch sehr aktiver Kongreßabgeordneter u. saß 1783-1789 im Abgeordnetenhaus v. New Jersey. Nach Ende des Unabhängigkeitskriegs u. Annahme der Verfassung ging er 1787 wieder als Präs. nach Princeton, um den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude zu leiten. 1789 eröffnete er die erste Generalversammlung der Presbyterian Church of the United States. Im Jahr 1792 erblindete er u. zog sich auf sein Landgut zurück. - W. war ein bedeutender Prediger u. kalvinistischer Theol. u. gilt als einer der Gründer des Presbyterianismus in den Vereinigten Staaten. Seine theol. Ansichten waren kaum originell u. stark an der Prädestinationslehre u. am moralischen Rigorismus v. John Knox (s.d.) orientiert. In Schottland stand er auf dem Boden des Bekenntnisses von Westminster. Er sah rel. Freiheit als Grdl. polit. Freiheit u. rel. Gesinnung als unverzichtbare Grdl. einer guten Regierung an. Philos. stand W. unter d. Einfluß der engl. u. bes. der schottischen Aufklärung. Er vertrat den Standpunkt John Lockes (s.d.) zur Rolle der Sinnesdaten u. neigte z. Realismus der Common Sense Philosophy v. Thomas Reid (s.d.) u. Dugald Stewart. Er sah keinen Konflikt zw. Vernunft u. Glauben u. unterzog theol. Propositionen oft dem Test d. allgemeinen Menschenverstands. Die Wahrheit der Hl. Schrift steht nicht im Widerspruch z. einer rationalen Weltsicht, was W. nicht als einen Fideisten ausweist. Seine Ansichten z. Ges. u. Politik orientierten sich nicht an Jean Calvin (s.d.) u. beruhten nicht auf Offenbarung sondern auf moralischen Gefühlen geleitet v. Vernunft u. Erfahrung. Hat W. in Schottland noch die Orthodoxie geg. d. Aufklärungsdenken v. David Hume (s.d.) u. Francis Hutcheson (s.d.) verteidigt, versuchte er in Amerika, d. Christentum mit der Aufklärung z. verbinden. - Der Einfluß W.s ergibt sich aus seinem Beitrag z. Gründung der Vereinigten Staaten u. der Presbyterianischen Kirche sowie v.a. aus seinen zahlr. Schülern, z. denen Präsident James Madison, Vizepräsident Aaron Burr, 10 Kabinettsmitglieder, 61 Parlamentsabgeordnete, 28 Senatoren u. zahlr. Richter zählten.
Werke: The Works of the Rev. John Witherspoon, Hrsg. Ashbel Green, 4 Bde., Philadelphia 1802 (Neudruck mit einer Einl. v. L. Gordon Tait, Hinton, VA, 2003).
Lit. (Auswahl): David Walker Woods, John Witherspoon, New York 1906; - Varnum L. Collins, President Witherspoon: A Biography, 2 Bde., Princeton 1925 (Neudruck 1969); - Martha Lou Lemmon Stohlman, John Witherspoon: Parson, Politician, Patriot, Louisville 1989; - Mark A. Noll, Nathan O. Hatch u. George M. Marsden, The Search for Christian America, Colorado Springs, CO, 1989; - L. Gordon Tait, The Piety of John Witherspoon: Pew, Pulpit, and Public Forum, Louisville 2001; - Jeffry H. Morrison, John Witherspoon and the Founding of the American Republic, Notre Dame, IN, 2007.