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Band XIV (1998) Spalten 437-441 Autor: Harriet Brinkmöller-Gandlau

ZICK, Künstlerfamilie

Lit.: Adolf Feulner, Die Zick. Dt. Maler des 18. Jhs., 1920; - Rezension, in: MfKw 15, 1922, 157 f.; - Karl Schnieringer - Norbert Lieb, Lebensgeschichtliche Beiträge zu Johann und Januarius Z., in: SchwL 3/12, 1936, 437-440; - Horst Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jhs., 1942, 316 ff., 324 ff.; - Johann und Januarius Z. Handzeichnungen. Kat. Ausst., hg. Ursula von Stumm u. Gerd Röbbig. München 1975; - Johannes und Januarius Z. Kat. Ausst., bearb. von Othmar Metzger und Kurt Diemer. Biberach a.d.Riß 1975; - H. Günter, Johannes und Januarius Z., in: WK 45, 1975, 1968; - Die Malerfamilie Z. Werke aus Koblenzer Privatbesitz. Kat. Ausst., bearb. von Kurt Eitelbach. Koblenz 1976; - Ina Keller, Studien zu den dt. Rembrandtnachahmungen des 18. Jhs., 1981, 185-193; - Johann und Januarius Z. Die Gemälde in den Bayer. Staatsgemäldeslgen, bearb. von Eva-Maria Marquart. Kat. Ausst. München 1982; - Johann und Januarius Zick. Eine Ausst. des Mittelrhein-Museums Koblenz und der Bayer. Staatsgemäldeslgen München, bearb. von Eva-Maria Marquart, Erich Schneider und Christian Lenz. Kat. Ausst. Koblenz 1983; - Othmar Metzger, Johann und Januarius Z. Die Gemälde in den Bayer. Staatsgemäldeslgen, in: Pantheon 41, 1983, 65 f.; - Reinhard Müller-Mehlis, Malerei des dt. Spätbarock, in: WK 53, 1983, 210 f.

Harriet Brinkmöller-Gandlau

ZICK, Januarius (Johann Rasso Januarius), Maler und Architekt, * 6.2. 1730 (getauft) München als Sohn des Johann Z., + 14.11. 1797 (Koblenz-) Ehrenbreitstein. - Nach der Ausbildung bei seinem Vater und einer Maurerlehre bei Jacob Emele in Schussenried 1745-48 setzte J.Z. seine Tätigkeit in der väterlichen Werkstatt fort. Im Zusammenhang mit der Ausstattung des Gartensaals in der Würzburger Residenz durch Johann Z. entstand 1750 das »Benediktwunder« als frühestes erhaltene Gemälde J. Z.s, dessen italienisierende Malweise die Abhängigkeit vom Freskostil seines Vaters deutlich macht. Erst in der »Auferweckung des Lazarus« von 1751 bediente er sich stilistischer Mittel Rembrandts, wie vereinheitlichender Lichtführung mit Hell-Dunkelkontrasten, Silhouettenfigur und gesteigerter Raumtiefe. Bis Mitte der 50er Jahre arbeitete er am Freskierungsauftrag Johann Z.s für das Schloß Bruchsal mit; ab 1756 begab sich der Künstler zur weiteren Ausbildung nach Paris, wo er 1757 für 6 Supraporten des kurtrierischen Schlosses Schönbornlust bei Koblenz bezahlt wurde. Das Kolorit, die Komposition und der Figurenstil in seinen derzeitigen Werken zeugen von einer Auseinandersetzung mit der französischen Malerei des Barock-Klassizismus und des Rokokos, die entscheidend für seine Stilbildung wurde. Dem berühmten, in Paris lebenden Kupferstecher und Verleger J.G. Wille verdankte er Beziehungen zum Kunstbetrieb nach Rom, Basel und Augsburg. Im Januar 1758 ist J.Z.s Name in Basel nachgewiesen, für das gleiche Jahr wird ein Aufenthalt in Rom angenommen, wo er unter Anleitung von A.R. Mengs nach antiken Reliefs und den originalen Fresken in der Galleria Farnese gezeichnet hat. Im Herbst 1758 wurde er Mitglied an der Kaiserl. Franziscischen Akademie in Augsburg und erwarb für das Gemälde »Merkur in der Bildhauerwerkstatt« den ersten Preis. 1759 erhielt J.Z. mit den Dekorationen des Watteau-Kabinetts im Schloß Bruchsal seinen ersten größeren Auftrag, in dem er die Anregungen aus italienischen, niederländischen und französischen Komponenten zu einem eigenen, persönlichen Stil verschmolz. Aufgrund der Freskierung von Schloß Engers bei Koblenz 1760 wurde er vermutlich zwischen 1761 und 1763 zum kurtrierischen Hofmaler ernannt. 1762 heiratete J.Z. in Ehrenbreitstein und ließ sich dort endgültig nieder. Ab 1774 entwarf er Intarsienbilder für den Kunsttischler David Roentgen. Seit den späten 70er Jahren führte der Künstler bedeutende Freskoaufträge sowie Altarbilder in oberschwäbischen Kloster- und Pfarrkirchen aus; von 1778 bis 1781 war er als Maler und Innenarchitekt für die Benediktinerklk. Wiblingen tätig, 1780 malte er die Fresken der Pfk. Zell bei Riedlingen, 1782 der Pfk. Dürrenwaldstetten, 1782/83 der Benediktinerklk. Oberelchingen bei Ulm, 1784 der Prämonstratenserklk. Rot an der Rot. Ab Mitte der 80er Jahre wandte sich J.Z. Aufträgen im Kurtrierer und Kurmainzer Gebiet zu: 1785 betätigte er sich als Freskant im Schloß zu Koblenz, 1786 in St. Ignaz und der Domprobstei in Mainz sowie in der Augustinerklk. in Triefenstein, 1787 im Akademiesaal des Schlosses zu Main, 1790 in der Hofkirche in Koblenz, für die er auch ein Altarblatt anfertigte. 1792/93 übernahm er in Frankfurt im Palais Schweitzer und im sog. Russischen Hof Dekorationsaufträge. - J.Z. zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern des späten Barock. Berühmt wurde er vor allem aufgrund der Freskierung und Ausstattung einiger oberschwäbischen Klosterkirchen, von denen die Klk. Wiblingen sein Hauptwerk darstellt. Die thematische Spannweite seiner Tafelbilder reicht von Darstellungen aus der Heilsgeschichte über Rokokoallegorien, Historienbilder, Genrestücke bis hin zum bürgerlichen Porträt. Während die Fresken in der Tradition des Spätbarock - Illusionismus verhaften blieben, spiegeln die späten Tafelbilder im hellen, kühlen Kolorit und plastischer Modellierung der Figuren rokokohaften Stil mit frühklassizistischen Tendenzen wider.

Werke: Gemälde: Der hl. Benedikt erweckt einen jungen Mönch vom Tode, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 1750; Unbek. Heiligenlegende, Ljubljana, Narodni Muzej, 1751; Auferweckung des Lazarus, Neumeister Auktion 218, Nr. 574, 1751; Der hl. Apostel Paulus predigt in Athen, Wien, Kunsthist. Museum, 1752; Saul spricht mit Samuels Geist bei der Hexe von Endor, Würzburg, Mainfränk. Museum, 1752; David und Abisai im Zelt des schlafenden Saul, a.a.O., 1752; Die büßende Magdalena, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 1753; Maria Magdalena erscheint Christus am Kreuz, Hamburg, Kunsthalle, 1753; Das Opfer Gideons, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 1754; Tanz vor der Schenke, Stuttgart, Württ. Landesmuseum, 1755; Anbetung der Könige, Würzburg, Mainfränk. Museum. 1757; Anbetung der Hirten, a.a.O., 1757; Enthauptung des hl. Jakobus, Ulm, Museum, 1758; Merkur in der Werkstatt des Bildhauers, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 1758; Hl. Ursula in der Glorie, Hamburg, Kunsthalle, 1766; Raufende Bauern, München, Bayer. Staatsgemäldeslgen, 1767; Bildnis des Gottfried von Requilé mit zwei Söhnen und Merkur, Bonn, Rhein. Landesmuseum, 1771; Bildnis der Frau von Requilé mit zwei Töchtern, a.a.O., 1771; Israelit. König mit einem Propheten, Donaueschingen, Fürstlich-Fürstenbergische Slgen, 1774; Die Königin Saba vor Salomo, Bonn, Rheinisches Landesmuseum, 1776; Bildnis der Familie Rémy aus Bendorf, Nürnberg, Germ. Nat. Museum, 1776; Maria fleht um Aufnahme in den Himmel, a.a.O., 1778; Kreuzigung Christi, Klk. Wiblingen, 1781; Maria Immaculata, Ulm, Museum, 1784; Aurora, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 1785; Predigt des hl. Paulus in Athen, München, Bayer. Nat. Mus., 1786; Bekehrung des hl. Paulus, a.a.O., 1786; Hl. Karl Borromäus reicht einem Pestkranken die hl. Kommunion, Berlin, Staatl. Museen, 1787; 14 Kreuzwegstationen, Augsburg, Pfk. St. Ulrich und Afra, 1788; Coriolan und die römischen Frauen, Ulm, Museum, 1791; Sokrates nimmt Abschied im Gefängnis, Düsseldorf Kunstmuseum, 1794; Amor mit dem Finger drohend, Frankfurt, Hist. Museum, 1795; Gemälde der Gattin Anna Maria Zick, geb. Gruber, Worms, Slg F. Januarius Mäurer, 1797. - Fresken: Schloß Engers bei Koblenz: Deckenbilder, u.a. Apotheose der Diana und des Bacchus, 1760; Klk. Wiblingen bei Ulm: Abendmahl; Auffindung des hl. Kreuzes durch die hl. Helena; Kaiser Heraklius bringt das zurückeroberte hl. Kreuz nach Jerusalem; Christus als Weltenrichter, 1778-1780; Pfk. Zell: Auferstehung Christi; Pfingstwunder; Taufe des Petrus; 12 Apostel, 1780; Pfk. Dürrenwaldstetten: 3 große Deckenrundbilder: Verkündigung an die Hirten; Anbetung der Hirten; Anbetung der Weisen, 1782; Klk. Oberelchingen: Szenen aus dem Marienleben und dem Leben des hl. Benedikt, 1782/83; Klk. Rot an der Rot: 12jähriger Jesus im Tempel; Abendmahl; Himmelfahrt Mariä, 1784; Koblenzer Schloß: Audienzsaal, Deckenbild »Allegorie der strafenden Gerechtigkeit«; Schlafzimmer, Deckenbild »Aurora«, 1785/86; Klk. Triefenstein: Szenen aus dem Leben der Hll. Petrus und Paulus, 1786; Residenz Main, Akademiesaal, Deckenfresko »Apotheose Apollos«, 1787; Residenz Koblenz, Hofkirche, Kuppelfresko »Anbetung der Dreifaltigkeit«, 1789-91.

Lit.: Adolf Feulner, J. Z.s Frühwerke, in: Staedel Jb 2, 1922, 87-92; - Ders., Nachträge zum Werk des J.Z., in: WRJ 9, 1936, 169-180; - Otto H. Förster, J.Z., in: Pantheon 18, 1936, 223-229; - Max H. v. Freeden, Aus den Neuerwerbungen des Mainfränkischen Museums 1945-1950, in: MJb 2, 1950, 286-300; - A. Herrmann, Josef Dossenberger und J.Z. in Elchingen, in: Schwäbische Heimat 11, 1960, 215-224; - H. May, »Das Martyrium des Hl. Sebastian« von J.Z. im Wallraf-Richartz-Museum, eine Ölskizze aus dem Fresko im Kloster Wiblingen, in: WRJ 22, 1960, 195 f.; - Othmar Metzger, Arbeiten von J. Z. für oberschwäbische Klosterkirchen im Mittelrhein-Museum, Koblenz, in: ZfKG 23, 1960, 211-226; - Ders., Die Darstellung der Kreuzigung bei J.Z., in: Neusser Jahrbuch, 1966, 18-23; - Ders., Neue Forschungen zum Werk von J.Z., in: WRJ 28, 1966, 283-308; - Ders., Die Bilder von J.Z. im Suermondt-Museum, in: Aa Kbll 35, 1968, 106-123; - Ders., J.Z. (1730-1797), 1970; - Ders., Eine unbekannte Signatur von J.Z. und einige Beweinungen unterm Kreuz, in: WK 41, 1971, 1604; - Ders., Eine Kreuzanheftung von J.Z. im Münchener Privatbesitz, in: WK 41, 1971, 960; - Ders., J.Z., Gemälde und Zeichnungen, in: Kataloghefte des Mittelrhein-Museums Koblenz, 1972; - Ders., »Merkur in der Bildhauerwerkstatt« von J.Z., in: WK 42, 1972, 1825; - Ders., J.Z. als Zeichner, in: WK 47, 1977, 32 f.; - Ders., War J.Z. in Rom?, in: WK 48, 1978, 1176; - Ders., J.Z. Datierte und datierbare Gemälde, 1981; - Ders., J.Z.s Entwürfe für Intarsien David Roentgens, in: Pantheon 39, 1981, 176-179; - Ders., Kreuzigungs- und Immaculatadarstellungen von J.Z., in: Ldkdl Vj Bl 27, 1981, 3-16; - Ders., Zwei bemerkenswerte Gemälde von J.Z. (1730-1791) aus dem Narodni Muzej in Ljubljana, in: Zbornik N.F. 21, 1985, 45-51; - Ders., Ein Anachronismus bei J.Z. (1730-1797), in: Jb des Zentralinstituts für Kunstgeschichte 3, 1987, 273 ff.; - Alois Harbeck, Die Fresken von J.Z. in Wiblingen und die Problematik illusionistischer Deckengestaltung (Diss. München), 1966; - Julius Schoettl, Ein Brief des J.Z. vom Jahre 1780, in: Weißenhorner Hefte 1, 1967, Bl. 1 f.; - Bruno Bushart, J.Z., in: Personen und Wirkungen. Biographische Essays, 1979, 72-80; - Ders., Bespr. zu O. Metzger, J.Z., in: KChr 35/11, 1982, 451 f.; - Martin Royalton Kisch, A Painting by J.Z., in: Burl M 124, 1982, 756-759; - Josef Strasser, J.Z. Studien zum Frühwerk, 1987; - J. Z. und sein Wirken in Oberschwaben. Kat Ausst., hg. M. Roth. Kloster Wiblingen 1993; - TB XXXVI, 478 f; - LThK X, 1364 f.; - Kindlers Malerei Lex. V, 826 ff.

Harriet Brinkmöller-Gandlau

Werkeergänzung:

Januaris Zick. Gemälde und Zeichnungen, 2001.

Literaturergänzung:

Strasser, Josef: Januarius Zick. 1730 München - 1979 Ehrenbreitstein, Gemälde, Graphik, Fresken, 1994.

Letzte Änderung: 01.07.2006