Verlag Traugott Bautz |
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ZIGLIARA, Tommaso Maria, OP, Kardinal, Thomist * 29. Oktober 1833 als Francesco Z. in Bonifacio auf Korsika, † 10. Mai 1893 in Rom. - Mit 19 Jahren trat Z. 1852 in den Dominikanerorden ein. Seine Studienzeit verbrachte er in Rom und Perugia. Dort lernte er Erzbischof Pecci, den späteren Papst Leo XIII., kennen; dieser weihte ihn 1856 zum Priester. Die Studien schloß Z. am Collegium S. Thomae zu Rom ab. An den Ordensschulen von Corbara (Korsika) und Viterbo lehrte er anschließend als Professor Philosophie und Theologie. Seit 1870 war er Regens und Professor am Konvent S. Maria sopra Minerva in Rom, danach von 1873 bis 1879 Regens am Thomaskollegium. Im ersten Konsistorium Leos XIII. wurde Z. 1879 zum Kardinal ernannt und übernahm als erster Leiter die Herausgabe der leoninischen Textausgabe der Werke des hl. Thomas. Zudem war er zweiter Präsident der Thomasakademie, sowie ab 1888 Präfekt der Studienkongregation. In seinen Studien widmete sich Z. insbesondere den verschiedenen gegenwärtigen philosophischen Strömungen (z.B. Saggio sui principii del tradizionalismo, 1865; Della luce intellettuale e dell'ontologismo, 1874). Leo XIII. erhoffte sich von ihm Unterstützung beim Versuch, die Philosophie des Thomas von Aquin zur Grundlage des theologischen wie philosophischen Denkens der Zeit zu machen. Zur angekündigten Kardinalsernennung formulierte der französische Botschafter am 8. April: »Der Titel für die Auszeichnung, die ihm übertragen werden wird, ist die Konformität seiner Ansichten bezüglich der scholastischen Fragen gemäß der Methode des hl. Thomas von Aquin mit denen des Hl. Vaters. Der Papst hat den starken Wunsch, dieser Lehre einen großen Anstoß zu geben, und er beabsichtigt, der neuen Bekräftigung der thomistischen Lehre eine eigene Enzyklika zu widmen« (vgl. Archives du Ministre des Affaires Étrangères de Paris, Correspondance diplomatique, Rome, Bd. 1065). Mit Sertillanges ist Z. zwar als guter Logiker einzuschätzen, dem jedoch eine tiefere Verwurzelung in der modernen Kultur abgeht (vgl. A.D. Sertillanges, Le christianisme et les philosophes, Bd. II, Paris 1941, 553). - Besondere Bedeutung kam Z. im Zusammenhang der Entstehung der ersten päpstlichen Sozialenzyklika zu. Leo XIII. zog ihn zur redaktionellen Uberarbeitung des Entwurfs von Matteo Liberatore SJ heran, der die Vorarbeiten zu »Rerum novarum« übernommen hatte. Die Überarbeitung Z.s wurde ihrerseits nochmals von Jesuiten gegengelesen. Seine Aufgabe war die Prüfung der philosophischen Hintergründe des Textes. Z.s Entwurf lehnte sich an Liberatore an, setzte jedoch neue Akzente. Die theoretisch-abstrakt gehaltenen Formulierungen waren eng an scholastische Überlegungen geknüpft; wenn die Endredaktoren nicht wiederum Änderungen vorgenommen hätten, wäre der Enzyklika wohl der Einfluß auf die praktische Politik versagt geblieben. Erhalten blieb, wenngleich gekürzt, Z.s Verteidigung der Rechte des Individuums und der Familie gegenüber dem Staat.
Lit.: A. Walz, I cardinali domenicani, Florenz - Rom 1940, 50; - L'encicica »Rerum novarum«. Testo autentico e redazioni preparatorie dai documenti originali. A cura di G. Antonazzi. Prefazione di D. Tardini, Rom 1957; - A. Walz, Sguardo sul movimento tomista nel secolo XIX fino all'Encicica Aeterni Patris, in: Aquinas 8 (1965), 351-379; - H. Sorgenfrei, Die geistesgeschichtlichen Hintergründe der Sozialenzyklika »Rerum novarum«, Heidelberg -Löwen 1970; - Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jahrhunderts, hrsg. von E. Coreth u.a., Bd. 2: Rückgriff auf scholastisches Erbe, Graz - Wien - Köln 1988; - Analecta Sacri Ordinis Praedicatorum (Rom) 1 (1893) 258-263; - DThC XV, 3692-3694; - ECatt XII, 1797 f.; - Memorie domenicane (Florenz) 78 (1961) 86-100.
Bernd Kettern
Literaturergänzung:
1988
Giacomo Grasso, Il card. T.M.Z., O.P. L'uomo, il domenicano, il cardinale, in: Angelicum 65.1988, S. 224-239;- Abelardo Lobato, Z., filosofo tomista, in. ebd. S. 240-270; -
1990
Alfred Wilder, Cardinal Z. and traditionalism, in: Angelicum 66.1989, S. 517-562;- Maria Adelaide Raschini, Z. e Rosmini, in: Dass. 67.1990, S. 555-577.
Letzte Änderung: 09.04.2011