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Band XXXI (2010) Spalten 1597-1600 Autor: Michael Knüppel

ZWICK, Heinrich August, * 20. März 1796 in Gnadenberg, † 31. Januar 1855 in Niesky, der Herrnhuter Missionar und Pionier der Mongolistik wurde als Sohn eines Kaufmannes, welcher in Gnadenberg ein Zwirngeschäft betrieb, geboren. Er hatte zunächst das Handwerk eines Seifensieders erlernt. Aus seiner Kindheit und Jugend ist wenig bekannt, außer daß seine Eltern nahezu ihr gesamtes Vermögen infolge der napoleonischen Kriege verloren und er selbst an den Befreiungskriegen teilnahm. Er diente hier zeitweilig als "Führer versprengter Truppeneinheiten" und war im Krieg bisweilen in den Diensten eines ungarischen Adeligen. Im Jahre 1809 wurde Zwick in die Brüdergemeinde aufgenommen und schließlich im Jahre 1818 als Mitpfleger und Mitvorsteher der Gemeinde der ledigen Brüder nach Sarepta entsandt. Die Gemeinde in Südrußland war im Zuge der Emigrationsmanifeste Katharinas II. im Jahre 1765 gegründet worden. Am 6.12. 1818 erreichte er Sarepta, wo er seine Tätigkeit aufnahm und sich schon bald auch mit missionarischen Aufgaben konfrontiert sah. Zwar war den Herrnhutern in Rußland Glaubensfreiheit zugestanden worden, die Mission allerdings wurde nur unter Angehörigen solcher Gruppen toleriert, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche zugehörig waren. Die Herrnhuter hatten daher die "Heidenmission" unter den Kalmücken der südrussischen Steppe ins Auge gefaßt. Im Zuge einer ersten Reise zu den Kalmücken im Jahre 1819 entstand Zwicks "Diarium" (1822). Es folgten weitere Reisen zu verschiedenen "kalmückischen Horden" in den Jahren 1820-1823. Diese waren strenggenommen Geschäftsreisen, wenngleich auch hier der missionarische Gedanke eine Rolle spielte und sich später noch in allen Publikationen Zwicks widerspiegelte. Im Jahre 1825 wurde Zwick zum Gemeindevorsteher in Sarepta berufen und war daneben als Verwalter des Gemeindeladens tätig - in beiden Funktionen unterhielt er enge Verbindungen mit den Kalmücken der südrussischen Steppe. 1836 wurde er schließlich als Gemeindevorsteher nach Ebersdorf berufen und verließ Sarepta am 23.7. 1836. Im Jahre 1847 erfolgte seine Versetzung nach Königsfeld im Schwarzwald und 1854 die Berufung nach Niesky, wo er im folgenden Jahr verstarb. In seiner Zeit als Gemeindevorsteher in Königsfeld entstanden auch seine beiden Arbeiten zum Kalmückischen ("Grammatik der West-Mongolischen das ist Oirad oder Kalmückischen Sprache", 1851 und "Handbuch der Westmongolischen Sprache", 1852), die der Vorbereitung für künftige Missionsarbeit unter den Kalmücken in Südrußland sowie in der Mongolei dienen sollten. Waren die Resultate der "Heidenmission" auch recht dürftig, so war die ethnographische und religionshistorische Ausbeute der Herrnhuter "Missionare" - unter ihnen H. J. Zwick - doch äußerst bemerkenswert, auch wenn seine "Grammatik der West-Mongolischen das ist Oirad oder Kalmückischen Sprache" lediglich als eine Adaption der Grammatik von (s.d.) I. A. Schmidt anzusehen ist. Zwicks Sammeltätigkeit - aus der mehrere in ihrer Form in Europa einzigartige Sammlungen hervorgingen - war hingegen von beachtlicher Bedeutung und machen ihn zum Pionier zugleich mehrerer Forschungsrichtungen. Neben einer umfangreichen entomologischen Sammlung, die heute als verloren gelten muß, legte er eine umfangreiche numismatische Sammlung an, die vor allem Münzen aus dem Kaukasus sowie islamisch geprägten Regionen umfaßte (und den Grundstock für das orientalische Münzkabinett der Universität Jena bildete) und erwarb eine bedeutende Sammlung mongolischer Handschriften. Diese ging später in den Besitz der Königlich-Sächsischen Bibliothek zu Dresden über und bildet bis heute den Kern der Sammlung mong. Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek. Zu den Sammlungen Zwicks, dessen Publikationen von großer Bedeutung für die Kenntnis der Ethnographie der Kalmücken sowie des lamaist. Buddhismus im 19. Jh. waren, gehört auch eine buddhist. Tempeleinrichtung, die er (wohl um 1825) erworben hatte und welche noch heute rund 105 Objekte umfaßt. Zwicks Beitrag zur Begründung der Mongolistik und Buddhologie war bedeutend, wurde später aber weithin unterschätzt.

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Werke: Diarium meiner Reise von Sarepta nach Astrachan und in die Moschuter Kalmücken-Horde des Fürsten Serbedschab vom 30. November bis 22. December neuen Styls 1819. Nebst einem Kärtchen und 7 illuminierten Abbildungen auf einer Steintafel. In: Neues Lausitzisches Magazin. Unter Mitwirkung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften herausgegeben und verlegt von Johann Gotthelf Neumann. Bd. 1. Görlitz 1822, 207-251; Reise von Sarepta in verschiedene Kalmücken-Horden des Astrachanischen Gouvernements im Jahr 1813 vom 26ten May bis 21ten August neuen Stils in Angelegenheiten der Russischen Bibel-Gesellschaft. Unternommen von Heinrich August Zwick und Joh. Gottfr. Schill und von ersterem beschrieben. Leipzig 1827; Grammatik der West-Mongolischen das ist Oirad oder Kalmückischen Sprache. Könisfeld 1851; Handbuch der Westmongolischen Sprache. Gesammelt und verdeutscht durch H. A. Zwick. Hüfingen 1852.

Lit.: Augustin, Stephan: Kalmyken - Mongolen in Europa. In: Ethnographie und Herrnhuter Mission. Völkerkundemuseum Herrnhut. Katalog zur ständigen Ausstellung im Völkerkundemuseum Herrnhut. Außenstelle des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden. Hrsg. v. Annegret Nippa. Herrnhut 2003, 57-71, hier 58-59; - Augustin, Stephan: Zur Geschichte ethnographischer Erkundungen bei den Kalmyken im Missionsgebiet der Evangelischen Brüder-Unität (Herrnhuter Mission) an der unteren Wolga. In: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden 50. Berlin 1999, 217-240; - Doerfer, Gerhard: Ältere westeuropäische Quellen zur kalmückischen Sprachgeschichte (Witsen 1692 bis Zwick 1827). Wiesbaden 1965 (Asiatische Forschungen 18), 16 u. 253; - Heissig, Walther: Mongolistik an deutschen Universitäten. Wiesbaden 1968, 4, 7 und 10; - Teigeler, Otto: Die Herrnhuter in Russland: Ziel, Umfang und Ertrag ihrer Aktivitäten. Göttingen 2006 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus 51), 414, 421, 430 f., 436, 446, 449, 461, bes. Anm. 9, 494, 506 u. 688.

Michael Knüppel

Letzte Änderung: 09.04.2011