Das Programm einer neuen Schriftenreihe
L I B R I V I R I D E S
D A S J U N G E F O R U M
im Verlag Traugott Bautz
"Hans Rainer Sepp (Karls-Universität Prag) hat beim Verlag Traugott Bautz, ansässig in Nordhausen in Deutschland, zwei neue Buchreihen gegründet, die dieses Jahr an den Start gehen. Die Reihen zeichnen sich durch einige besondere und außergewöhnliche Eigenschaften aus, für die nicht zuletzt schon die Namen der Buchreihen Zeugnis ablegen. Die erste Buchreihe nennt sich "Libri nigri - Denken über Grenzen". Die dort publizierten "schwarzen Bücher" treffen sich an "Orten, an denen die Grenzen von Wirklichkeitsbereichen, Standpunkten, Fachrichtungen sowie Kultur- und Wissenstraditionen in den Blick geraten und ihre Voraussetzungen verhandelbar werden". Es sollen Bücher sein, die dem intellektuellen "Experiment" gerecht werden und daher nicht unbedingt den Zwängen eines Mainstream-Denkens Folge leisten. Es sind Bücher, denen es erlaubt ist, das Zentrum zu verlassen und von den Grenzen her zu denken. Vielleicht könnte man wagemutig, aber in einem dezidiert positiven Sinne auch von einem grenzgängerischen Denken sprechen. In dieser Reihe sind derzeit bereits 26 Buchpublikationen in Planung. Thematische Schwerpunkte umfassen die Phänomenologie, Hermeneutik und die interkulturelle Philosophie. Von Peter Schwankl ist beispielsweise eine Studie über die Phänomenologie des Diplomatischen in Vorbereitung. Von Tatiana Shchyttsova wird ein Tagungsband zur Intergenerativen Erfahrung veröffentlicht werden. Er verhandelt das auch in der Phänomenologie nach wie vor unterrepräsentierte Thema Alter bzw. das Verhältnis der Generationen zueinander. Gleichfalls mit einem ungewöhnlichen Thema befasst ist die Edition einer Vorlesung von Helmuth Vetter an der Universität Wien aus dem Jahr 1986 mit dem Titel Philosophie und/oder Wahnsinn. Von Suzi Adams The World between Ontology and Phenomenology darf ein Buch über Cornelius Castoriadis und Johann P. Arnason erwartet werden. Eröffnet wird die Reihe mit einer Studie vom Reihenherausgeber Hans Rainer Sepp selbst. Diese trägt den Titel confrontatio. Die Grenze denken und macht es sich zur Aufgabe, eine Neuinterpretation des Begriffs der Grenze in phänomenologischer Perspektive vorzustellen. Diese und andere Publikationen dürfen mit Spannung erwartet werden.
Die zweite Buchreihe heißt "libri virides", die "grünen Bücher", was auch mit "junge" oder "frische Bücher" wiedergegeben werden kann. Diese Buchreihe legt ihren Fokus gemäß ihrem Namen auf junge AutorInnen: "Die libri virides versammeln auf den Gebieten der Philosophie und der philosophisch inspirierten Wissenschaften herausragende Texte junger Autorinnen und Autoren. Mit ihnen soll ein Forum bereit stehen, das die Ideen und die Forschungsergebnisse einer neuen Generation vorstellt." Damit wird ein wichtiger Schritt in Sachen Förderung von JungwissenschaftlerInnen getan. In Zeiten eines immer schwieriger werdenden Publikationsmarktes ist eine solche wissenschaftliche Buchreihe von besonderem Wert für alle zukünftige Philosophie. Dass allerdings eine solche Initiative gerade von Hans Rainer Sepp ins Leben gerufen wurde, wundert wiederum weniger. Sepp hat sich Zeit seines wissenschaftlichen Arbeitens nicht nur um eine Öffnung der Phänomenologie in Richtung Interkulturalität bemüht und dort insbesondere den asiatischen Raum mit ihren neueren phänomenologischen Entwicklungen erschlossen, seine spezifische Leistung besteht auch in der fortdauernden und unermüdlichen Förderung junger Phänomenologinnen und Phänomenologen. Diese Reihe verleiht diesem Bemühen einmal mehr Ausdruck. Bis dato sind 10 Bände in dieser Reihe geplant. Sie wird mit zwei Sammelbänden von Matthias Flatscher und Iris Laner zum Thema Neue Stimmen der Phänomenologie eröffnet. Ein Buch von Johannes Preusker beschäftigt sich mit Marsilio Ficinos Studie Über die Liebe. Von Julia Schindler wird eine Interpretation der in Bochum lehrenden Phänomenologin Käte Meyer-Drawe über Maschinen und Menschen erscheinen - um auch hier nur eine Auswahl von Publikationen der "libri virides" zu nennen."
Silvia Stoller in "Journal Phänomenologie", Wien 2011
Herausgeber der Reihe:
Prof. Dr. Hans Rainer Sepp
Wissenschaftlicher Beirat:
- Suzi Adams - Adelaide
- Babette Babich - New York
- Kimberly Baltzer-Jaray - Waterloo, Ontario
- Damir Barbaric - Zagreb
- Marcus Brainard - London
- Martin Cajthaml - Olomouc
- Mauro Carbone - Lyon
- Chan Fai Cheung - Hong Kong
- Cristian Ciocan - Bucuresti
- Ion Copoeru - Cluj-Napoca
- Renato Cristin - Trieste
- Riccardo Dottori - Roma
- Eddo Evink - Groningen
- Matthias Flatscher - Wien
- Dimitri Ginev - Sofia
- Jean-Christophe Goddard - Toulouse
- Andrzej Gniazdowski - Warszawa
- Ludger Hagedorn - Wien - Praha
- Terri J. Hennings - Freiburg
- Seongha Hong - Jeollabukdo
- Edmundo Johnson - Santiago de Chile
- René Kaufmann - Dresden
- Vakhtang Kebuladze - Kyjiw
- Dean Komel - Ljubljana
- Pavlos Kontos - Patras
- Kwok-ying Lau - Hong Kong
- Mette Lebech - Maynooth
- Nam-In Lee - Seoul
- Balázs Mezei - Piliscsaba
- Rosemary R. P. Lerner - Lima
- Monika Malek - Wroclaw
- Viktor Molchanov - Moskwa
- Liangkang Ni - Guanghzou
- Cathrin Nielsen - Frankfurt am Main
- Ashraf Noor - Jerusalem
- Karel Novotný - Praha
- Julia Orlova - St. Petersburg
- Luis Román Rabanaque - Buenos Aires
- Gian Maria Raimondi - Pisa
- Kiyoshi Sakai - Tokyo
- Javier San Martín - Madrid
- Alexander Schnell - Paris
- Marcia Schuback - Stockholm
- Agustín Serrano de Haro - Madrid
- Tatiana Shchyttsova - Vilnius
- Olga Shparaga - Minsk
- Michael Staudigl - Wien
- Georg Stenger - Wien
- Silvia Stoller - Wien
- Toru Tani - Kyoto
- Detlef Thiel - Wiesbaden
- Lubica Ucnik - Perth
- Pol Vandevelde - Milwaukee
- Chung-Chi Yu - Kaohsiung
- Antonio Zirion - México City - Morelia
Lektorat:
Die libri virides werden am Mitteleuropäischen Institut für Philosophie Prag herausgegeben
www.sif-praha.cz
Die libri virides versammeln auf den Gebieten der Philosophie und der philosophisch inspirierten Wissenschaften herausragende Texte junger Autorinnen und Autoren. Mit ihnen soll ein Forum bereit stehen, das die Ideen und die Forschungsergebnisse einer neuen Generation vorstellt.
Libri virides brings together exciting texts by outstanding young authors working in the areas of philosophy and philosophical-inspired sciences. They offer a forum that presents the ideas and research of a new generation.
1.1 Matthias Flatscher, Iris Laner et al. (Hg.)
Neue Stimmen der Phänomenologie
Erster Band: Die Tradition / Das Selbst
broschiert ISBN 978-3-88309-635-3
gebunden ISBN 978-3-88309-636-0
1.2 Matthias Flatscher, Iris Laner et al. (Hg.)
Neue Stimmen der Phänomenologie
Zweiter Band: Das Andere / Aisthesis
broschiert ISBN 978-3-88309-637-7
gebunden ISBN 978-3-88309-638-4
Die beiden Bände spiegeln die Vielfalt neuer Perspektiven auf die phänomenologische Forschungslandschaft wider. Die unterschiedlichen Interessen der BeiträgerInnen macht einsichtig, wie innovativ und plural diese Zugänge junger PhilosophInnen sind. Die Vielfältigkeit zeigt sich nicht nur in der unterschiedlichen Herkunft der AutorInnen, sondern setzt sich auch in der bunten Palette der Themengebiete fort, die einen breiten Ausschnitt der gegenwärtigen Ausformungen dieser offenen Bewegung vermittelt. Neben den bewährten Kernbereichen der Phänomenologie werden Querverbindungen zu benachbarten Forschungsgebiete und Disziplinen - wie z. B. zum Poststrukturalismus, zur Psychoanalyse, zur Ethik bzw. Medizinethik, zur Philosophie des Geistes und zur Analytischen Philosophie, zur Philosophie des Politischen, zur Ästhetik, zur Medien- und Kulturphilosophie oder zur Theologie - herzustellen versucht.
2 Maxim Asjoma
Ist japanischer Buddhismus wirklich Buddhismus?
Transformationen des Buddhismus in Japan
Der westliche Blick auf Japan ist oft von Faszination, Neugier und Bewunderung gefärbt. Wieso auch nicht? Schließlich bietet der Ferne Osten eine reichhaltige und fremde Kulturlandschaft, exotische Speisen und elaborierte Rituale selbst im Alltag. Auch in Hinsicht auf die religiöse Sphäre ist es nicht verwunderlich, von Fremdheit und Faszination zu sprechen, denn in Japan hat sich bis heute eine religiöse Kultur erhalten, die weltweit einzigartig bleibt. Sowohl die Geister des Shintoismus, die magischen Rituale des Shingon-Buddhismus, die eindrucksvolle Potenz der Mantras der Amida- und Nichiren-Sekten, wie auch die Ruhe und Gelassenheit des Zen legen Zeugnis über die Vielfalt religiöser Kultur im Land der aufgehenden Sonne ab.
Der Autor: Maxim Asjoma studierte an der Technischen Universität Dresden Philosophie und katholische sowie evangelische Theologie. Er absolvierte ein Jahr an der Keio-Gijuku-University in Tokio und erwarb sich dort ein umfangreiches Wissen der Landessprache sowie der religiösen Kultur Japans, auf deren Grundlage die vorliegende Arbeit entstand.
3 Wei Zhang
Prolegomena zu einer materialen Wertethik.
Schelers Bestimmung des Apriori in Abgrenzung zu Kant und Husserl
Dieser Band erforscht die Grundlagen der frühen phänomenologischen Ethik von Max Scheler und Edmund Husserl in ihrem Verhältnis zur philosophischen Tradition, vor allem zu Kant. Der Verfasser beschäftigt sich mit einer wichtigen Vorklärung von Schelers materialer Wertethik, nämlich einer Analyse des diese Ethik leitenden Begriffs des Apriori. Diese Begriffsklärung erfolgt in zwei Schritten: zum einen in der Bestimmung des Apriori als eines materialen Apriori und zum anderen des materialen Apriori als eines emotionalen Apriori. Dabei zeigt es sich, dass Schelers Ethik eine Antwort auf den seit Sokrates und Protagoras in der europäischen Philosophiegeschichte immer wieder neu ausgetragenen Streit zwischen einer intellektiven, einer Vernunftethik einerseits und einer emotionalen, einer Gefühlsethik andererseits bereithalten könnte, indem Scheler diesen Gegensatz im emotionalen materialen Apriori zu überspannen versucht.
Der Verfasser: Wei ZHANG studierte im Rahmen des Programms EuroPhilosophie - Erasmus Master Mundus von 2007 bis 2009 Phänomenologie in Luxemburg, Wuppertal, Prag sowie 2009/2010 als KAAD-Stipendiat in Erfurt. Jetzt lehrt er Philosophie und Phänomenologie an der Fakultät für Philosophie der Universität Sun Yatsen University in Guangzhou, VR China.
4 Johannes Preusker
Das Menschenbild in Marsilio Ficinos
"Über die Liebe"
Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 erwachte die europäische Rezeption platonischer Schriften zu neuem Leben. "Über die Liebe", 1484 von dem florentinischen Philosophen Marsilio Ficino (1433-1499) veröffentlicht, stellt einen Kommentar zu Platons Gastmahl dar. Das vorliegende Buch untersucht die metaphysische, erkenntnistheoretische und naturphilosophische Begründung einer Anthropologie, die weit über den platonischen Eros hinausgeht: Der Mensch ist ein zwischen Gott und Welt vermittelndes Wesen im Zentrum des Universums, durchdrungen von der Liebe als kosmisches Prinzip gegenseitiger Anziehung. Doch in ihrem Streben nach Freiheit stößt die Menschenseele zunächst auf zwei Widerstände: die paralysierende Materie und der fatalistische Bann der Gestirne. Es zeigt sich, dass Ficino diese Problematik ungelöst lässt und sie im Gegenzug - erstaunlicherweise - auf die menschliche Freiheit bezieht. So entpuppt sich "Über die Liebe" noch vor Pico della Mirandola (1463-1494) als eine Grundlage der Menschenwürde in unserem Grundgesetz.
Der Verfasser: Johannes Preusker (geb. 1984) studierte von 2004 bis 2010 Philosophie an der Technischen Universität Dresden. Unter der Betreuung von Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz schloss er mit der vorliegenden Magisterarbeit sein Studium ab. Das Ziel einer Promotion unter Prof. Dr. Thomas Rentsch verfolgend, arbeitet er derzeit an seinem Exposé zum Thema Leibphänomenologie und Alter(n)sethik.
5 José Antonio Errázuriz
Die ethische Dimension des Verstehens
Über den Zugang zu einer ethischen Dimension des Verstehens
Auf die Frage, was es heißt, "etwas zu verstehen", gibt man häufig eine Antwort, die an die Geschichte des Ödipus' erinnert. Erst Ödipus vermochte es, die Fragen der Sphinx, die Theben im Griff hielt und alle verschlang, die ihre Rätsel nicht lösen konnten, richtig zu beantworten, so dass die Sphinx vernichtet und er selbst König wurde. Verstehen wäre so gesehen nichts anderes als die Überwindung rätselhafter Hindernisse. Demjenigen, der nicht versteht, steht ein Schaden bevor; und wer verstanden hat, ist nicht nur außer Gefahr, sondern hat auch einen Gewinn erzielt. Demnach ginge es also darum, die Tätigkeit der Rätsellösung methodisch zu sichern.
In seiner Zurückweisung einer instrumentalistischen Auslegung des Verstehens wird Hans-Georg Gadamer zwar von einer ethischen Haltung motiviert, die ungefähr folgender Reflexion entspringt: Wenn Verstehen im sprachlichen Medium erfolgt und das Gespräch die Instanz der Sprache par excellence ist, bedeutet dann Verstehen nicht primär "sich mit jemandem verstehen" - und nicht "ein Rätsel lösen"? Indem Gadamer aber Heideggers Auffassung folgt, die sich auf die Hermeneutik menschlicher Faktizität als eines ontologischen Problems konzentriert, gibt er diese ethische Perspektive zugunsten eines ontologischen Interesses preis.
Die vorliegende Arbeit will zur Eröffnung einer ethischen Dimension des Verstehens hinleiten und zeigen, dass die Preisgabe dieser Dimension auf Seiten Gadamers notwendig einen Rückfall in das "Sphinxparadigma" mit sich bringt.
Der Autor: José Antonio Errázuriz ist Doktorand an der Université Catholique de Louvain und Stipendiat des belgischen Fond de la Recherche Scientifique.
6 Sophia Kattelmann
Liebe als Kommunikationsmedium und als Affektion
Ein Theorienvergleich zwischen der Systemtheorie von Niklas Luhmann
und der Lebensphänomenologie von Michel Henry
Dieses Buch ist nur in zweiter Linie ein Buch über die Liebe. In erster Linie ist es ein Vergleich zwischen der Systemtheorie von Niklas Luhmann (1927-1998) und der Lebensphänomenologie von Michel Henry (1922-2002). Die Erkenntnisse über die Liebe entsprechen den Analysen der beiden Autoren zu diesem Thema.
In der Debatte zwischen Phänomenologie und Systemtheorie, zu der dieses Buch beitragen möchte, kann es im Hinblick auf den Begriff der Intentionalität zu Missverständnissen kommen. Wenn der Systemtheoretiker Luhmann Intentionalität als "Setzen einer Differenz" versteht, kann er den Leistungen Husserls nicht entsprechen. Denn damit trennt Luhmann das Erkennen eines Phänomens vom erkennenden Bewusstsein. Es können jedoch auch die Autopoiesis oder die Operativität innerhalb der Systemtheorie als Analoga für die Intentionalität innerhalb der Phänomenologie in Betracht gezogen werden.
Dieses Buch vergleicht die Phänomenologie Henrys, welche Intentionalität selbstbezüglich konzipiert, mit der Systemtheorie Luhmanns. Mit diesem Vergleich soll gezeigt werden, was die Denkfigur der Autopoiesis bzw. der Selbstbezüglichkeit im Zusammenhang mit Intentionalität erreichen kann.
Die Autorin: Sophia Kattelmann diplomierte im Fach Betriebswirtschaftslehre an der TU Dresden, bevor sie dort ihren Magister im Hauptfach Philosophie und in den Nebenfächern Soziologie und Evangelische Theologie ablegte. Derzeit promoviert sie an der Karls-Universität Prag im Fach Philosophie.
7 Georgy Chernavin
Transzendentale Archäologie - Ontologie - Metaphysik
Methodologische Alternativen in der phänomenologischen Philosophie Husserls
Der Verfasser vertritt die These, dass die Perspektiven des phänomenologischen Projekts in einer Weiterentwicklung der phänomenologischen Methodenlehre bestehen. Die vorliegende Studie behandelt daher drei methodologische Strategien der Spätphilosophie Edmund Husserls. Als Projekte bilden sie drei methodologische Alternativen innerhalb der Husserlschen Phänomenologie und umschreiben drei Perspektiven: die "transzendentale Archäologie des Bewusstseins" (Rekonstruktion der Urstiftungen und Abbau-Analyse der Bewusstseinsgenese), die "mundane Ontologie" (Auslegung der Einstimmigkeit und der Vorgegebenheit der Erfahrung) und die "Metaphysik der Ur-Faktizität" (Modalisierung der Faktizität der Welthabe). Vor diesem Hintergrund werden die methodischen Probleme, die inhaltlichen Probleme und die Probleme der Systematik der Phänomenologie Husserls untersucht.
Der Autor: Georgy Chernavin studierte von 2004 bis 2008 in Sankt Petersburg sowie von 2008 bis 2010 im Rahmen des Programms EuroPhilosophie - Erasmus Master Mundus in Toulouse, Wuppertal und Prag. Zurzeit arbeitet er in Toulouse und Wuppertal an einer Dissertation zu den Problemen der phänomenologischen Architektonik, Einstellungs- und Methodenlehre.
8 Maria Schörgenhumer
Wie bewohnt man virtuelle Räume?
Mit der Philosophie des Wohnens zu einer Phänomenologie des virtuellen Raums
"Außerdem hatte ich von Gesprächen mit Leuten über Computer her den Verdacht, dass jeder auf irgendeiner Ebene, ohne es je wirklich zu sagen, das Gefühl zu haben schien, dass hinter dem Bildschirm ein Raum war." (William Gibson) - Was hat es mit diesem Raum hinter dem Bildschirm auf sich? Mit welcher Art von Raum haben wir es hier zu tun? Wie ist zu verstehen, wenn manche behaupten, dass man in ihm bauen, siedeln, leben, wohnen, sich in ihm zuhause fühlen könne?
Dieses Buch nimmt den virtuellen Raum beim Wort und befragt ihn auf seine Bewohnbarkeit. Anhand der Theorien des Wohnens von Martin Heidegger, Gaston Bachelard, Otto F. Bollnow, Peter Sloterdijk, Dieter Funke und Peter King wird eine Phänomenologie des virtuellen Raums ausgearbeitet, die diesen als vielfältig in sich gegliederten, bearbeitbaren, bedeutungsvollen Lebens-Raum des Menschen verständlich werden lässt. Somit bietet diese Arbeit eine eingehende Auseinandersetzung mit der Philosophie des Wohnens und entwickelt aus ihrem zentral vom Menschen aus gedachten Raumkonzept eine neue, philosophische Perspektive auf den Cyberspace - auf der Suche nach Orten und Innenräumen eines möglichen Wohnens im virtuellen Raum.
Die Autorin: Maria Schörgenhumer studierte Deutsch, Psychologie und Philosophie an der Universität Wien und arbeitet derzeit an einer Dissertation zur Philosophie des Gartens.
9 Alexandra Grüttner-Wilke
Autorenbild - Autorenbildung - Autorenausbildung
Der Frage, wer oder was ein Autor ist, liegen je verschiedene Denkungsarten des Schöpferischen zugrunde, die bis in die Gegenwart hinein Gegenstand einer lebendig und kontrovers geführten Diskussion sind. Indem das Buch der Auseinandersetzung nachgeht, auf welche Weise der literarische Autor in seiner Wesenheit gedacht werden kann, umreißt es die wirkungsmächtigsten Modelle von Autorschaft in ihren sowohl konkurrierenden als auch miteinander verschränkten Typologien. Als wesentlich erweist sich dabei das herausgestellte Verhältnis des jeweiligen Modells zum Moment der Bildung.
Provoziert durch die Frage "Ist literarisches Schreiben lehrbar?", wird der Bogen hin zu den modularisierten Studiengängen einer akademischen Autorenausbildung gespannt, wie sie etwa am Deutschen Literaturinstitut Leipzig angeboten wird. Eine zu verzeichnende Rationalisierung in Bezug auf literarische Schaffensprozesse sowie die "Säkularisierung" des Kreativen konnten dabei als die institutionelle Autorenausbildung befördernde Tendenzen herausgearbeitet werden. Indem u. a. George Steiner ebendies als Verlust an Verantwortung begreift, zeigt sich, dass die gegenwärtige Diskussion mit einer ethischen Dimension unterlegt wie auch das Moment der Uneinholbarkeit des Schöpferischen formuliert und anerkannt wird.
Die Autorin: Alexandra Grüttner-Wilke studierte Germanistische Literaturwissenschaft, Philosophie und Erziehungswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Als Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung verbrachte sie 2008 einen Lehraufenthalt in Swidnik / Polen und arbeitete anschließend als Lehrkraft des theoretischen Unterrichts an der HOGA Schloss Albrechtsburg. Sie ist Mitglied in der "Arbeitsgemeinschaft Religions-philosophie Dresden e.V.".
10 Thomas Macher
Vollkommene Freundschaft
Charakterfreundschaft und ihre Bedeutung für ein glückliches Leben bei Aristoteles
Die Freundschaft (philia) nimmt in den unter Aristoteles' Namen überlieferten ethischen Schriften eine zentrale Stellung ein: Etwa jeweils ein Fünftel der Nikomachischen Ethik und der Magna Moralia sowie eines der vier Bücher der Eudemischen Ethik, die spezifisch diesem Werk angehören, sind der Auseinandersetzung mit dieser besonderen zwischenmenschlichen Beziehung gewidmet. Dennoch wurde diesen Ausführungen im Vergleich zu anderen Themen der aristotelischen Ethik bis vor kurzem kaum Beachtung geschenkt.
Diese Arbeit versucht einen Beitrag zur Analyse und Interpretation dieses in der Literatur traditionell vernach-lässigten Bereichs zu liefern, indem sie die Charakterfreundschaft in den Blick nimmt. Zunächst wird die Grund-struktur dieser Form der Freundschaft herausgearbeitet, wobei der Eigenschaft der Vollkommenheit besondere Beachtung zukommt. Danach werden diejenigen Argumente dargestellt und kritisch hinterfragt, die die Charak-terfreundschaft als für das Glück (eudaimonia), den normativen Leitbegriff der aristotelischen Ethik, notwendig bestimmen.
Der Autor: Thomas Macher, geb. 1987, studierte von 2007 bis 2012 Philosophie und Theater-, Film- und Me-dienwissenschaft in Frankfurt am Main, Wien, Prag und Halifax/Kanada. Mit der vorliegenden Arbeit schloss er sein Studium ab.
11 Lasma Pirktina
Ereignis, Phänomen und Sprache
Die Philosophie des Ereignisses bei Martin Heidegger und Jean-Luc Marion
In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts erhob Martin Heidegger das Wort "Ereignis" zu einem Grund-begriff der Philosophie. Dabei bildet das Ereignisdenken einen wesentlichen Teil seiner Metaphysikkritik: Das vorstellende Denken der Metaphysik ist nicht in der Lage, das Ereignishafte zu denken, weil es alles, was es zu denken sucht, in einen Denk-Gegenstand verwandelt, der von einem allmächtigen Subjekt beherrscht wird. Es gibt aber das Ereignishafte, das auf dieses Subjekt auf eine nicht vorhersehbare Weise trifft, es überrascht und überwältigt; es gibt das Ereignishafte, das sich nicht vom begrifflichen und logischen Denken bändigen lässt. Die neuere französische Philosophie - etwa bei Emmanuel Levinas, Jacques Derrida, Jean-Luc Marion oder Michel Henry - bestätigte die Relevanz des Ereignisses wie die Unmöglichkeit, es begrifflich zu denken. Die vorliegen-de Arbeit behandelt den Ereignisbegriff bei Martin Heidegger und Jean-Luc Marion und gibt mit dieser verglei-chenden Studie einen Einblick in einige zentrale Strukturen des Ereignishaften überhaupt.
Die Autorin: Lasma Pirktina, geb. 1983, studierte Philosophie in Riga und Dresden. Zurzeit promoviert sie in Eichstätt über das Thema "Ereignis".