DAVID JORIS (auch: Joriszoon = David Georgssohn), Vertreter der Täuferbewegung, 1501 oder 1502 in Brügge, † 25.8. 1556 in Basel. - D. J. lebte als Glasmaler in Delft (Holland). Er wurde bei der Himmelfahrtsprozession 1528 wegen Verspottung der Monstranz mit Durchstechung der Zunge bestraft und verbannt. D. J. schloß sich dem Täufertum an und war bemüht, die revolutionären Strömungen zurückzudrängen und die Gegensätze zu überwinden. Er hatte Visionen und erklärte, er sei der wiedergekehrte Messias. D. J. sammelte seit 1536 in Oldenburg, Ostfriesland und Holland Anhänger um sich als Stifter der Sekte der Davidisten oder David-Joristen oder Joristen, die trotz Verfolgungen noch im 17. Jahrhundert in Holland verbreitet war. Seit 1544 lebte er in Basel als Johann von Brügge oder Johann von Binningen, weil er sich in Binningen bei Basel angekauft hatte. D. J. galt als strenger Zwinglianer und wurde allgemein geachtet. Während dieser Zeit schrieb er eine Menge von Traktaten zur Ausbreitung des enthusiastischen Täuferturns. Drei Jahre nach seinem Tod kam es infolge Streitigkeiten in der Familie heraus, daß Johann von Brügge der Erzketzer D. J. war, so daß man ihm den Prozeß machte. Seine Lehre wurde verdammt, seine Leiche am 13.5. 1559 ausgegraben und mit seinen Büchern verbrannt.
Werke: t' Wonderboeck, 1542 (1551
2). - Antonius van der Linde, D. J. Bibliogr., 's Gravenhage 1867.
Lit.: Friedrich Nippold, D. J. v. Delft. Sein Leben, seine Lehre, seine Sekte, in: ZHTh 33, 1863, 3 ff.; 34, 1864, 483 ff.; 38, 1868, 475 ff.; - Paul Burckhardt, D. J., in: Basler Biogr. 1, Basel 1900, 91 ff. - Ders., D. J. u. seine Gemeinde in Basel, in: Basler Zscbr. f. Gesch. u. Altertumskunde 48, 1949, 5 ff.; - Johannes Lindeboom, Stiefkinderen van het Christendom, 's Gravenhage 1929, 209 ff.; - Hans Koegler, Einiges über D. J. als Künstler, Basel 1931; - Roland Herbert Bainton, D. J., Wiedertäufer u. Kämpfer f. Toleranz im 16. Jh., 1937 (Rez. v. Karl Bauer, in: HZ 159, 1939, 126 ff.); - Ders., The Travail of Religions Liberty. Nine biographical studies, London 1953; - George Huntston Williams, The Radical Reformation, ebd. 1962; - Schottenloher I, Nr. 9465-9474; V. Nr. 47089-47099; VII, Nr. 55334; - BWGN IV, 575 ff.; - ADB XIV, 532 f.; - NNBW VII, 684 ff.; - MennLex II, 433 ff. 560; - RE IX, 349 ff.; - RGG III, 857 f.; - LThK V, 1122; - NCE VII, 1105; - DE II, 525.
Letzte Änderung: 09.04.2011