HENNINGER, Joseph [Josef], Ordenspriester, * 12.5. 1906 in Wiesbaden, † 4.5. 1991 in Sankt Augustin bei Bonn. - Joseph Henninger wurde am 12. Mai 1906 in Wiesbaden geboren und besuchte in seiner Geburtsstadt zwischen 1912 und 1918 die Volksschule und dann bis zum Jahr 1926 ein staatliches Gymnasium. Am 11. Juni 1926 trat er in Sankt Augustin bei Bonn in den von Arnold Janssen [BBKL, Bd. II, 1990] 1875 gegründeten Orden "Gesellschaft des Göttlichen Wortes" ("Steyler Missionare") ein. Nach Abschluß des Philosophiestudiums (1929) studierte Henninger an der "Päpstlichen Universität Gregoriana" in Rom Theologie, wo er am 30. Oktober 1932 auch zum Priester geweiht wurde und 1934 sein Studium mit einer Dissertation über Augustinus erfolgreich abschloß. Noch im selben Jahr nahm Pater Henninger im ordenseigenen, 1931 von Pater Wilhelm Schmidt [BBKl, Bd. XVII, 2000] gegründeten, Anthropos-Institut seine Arbeit auf, die ihn bis zum Lebensende begleitete. Das mit dem Studium der Wissenschaften vom Menschen im Bereich der Ethnologie ("Völkerkunde") und verwandter Kulturwissenschaften (Religionswissenschaft, Linguistik, Geschichte, etc.) befaßten Institut befand sich damals noch in Sankt Gabriel in Mödling südlich von Wien. Henninger begann in Wien zu dieser Zeit auch Ethnologie, Prähistorie, physische Anthropologie, Orientalistik und Religionswissenschaft und zwischendurch auch am "Bibelinstitut" in Rom und an der Universität Fribourg (Schweiz) zu studieren. Mit der Doktorarbeit "Die Familie bei den heutigen Beduinen Arabiens und seiner Randgebiete" schloß er 1943 das Ethnologiestudium ab und habilitierte sich 1945 an der Universität Fribourg mit einer Schrift über "das Opfer bei den Arabern". Mit der Verlegung des Anthropos-Institutes war Henninger 1938 in die Schweiz gezogen, wo er die eidgenössische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. 1962 kehrte er schließlich mit der Übersiedelung des Institutes nach St. Augustin zurück. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bis 1954 war der Ordenspriester als Privatdozent und anschließend zwei Jahre lang als außerordentlicher Professor für Ethnologie an der Universität Fribourg und von 1964 bis 1974 als Lehrbeauftragter für Kulturgeschichte des Vorderen Orients an der Universität Bonn beschäftigt. 1967 war er auch an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der "Steyler Missionare" zum ordentlichen Professor für Ethnologie ernannt worden. - Pater Joseph Henninger kommt besonders in seiner Verbundenheit mit dem Anthropos-Institut der "Steyler Missionare" Bedeutung zu, dem er in verschiedenen Funktionen gedient hat: Zum einen war er zwischen 1936 und 1949 stellvertretender Schriftleiter und von 1977 bis 1979 Hauptschriftleiter der 1906 ins Leben gerufenen hauseigenen "Internationalen Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde", "Anthropos", und zum anderen betreute er die umfangreiche Bibliothek des Instituts. Zudem hat er mit wissenschaftlichen Beiträgen zur Kenntnis der Geschichte des Vorderen Orients und im besonderen zum Wissen über das vorislamische Arabien, beigetragen. Henninger war mit den hervorragendsten Spezialisten seines Forschungsgebietes in Verbindung, wie die Festschrift zu seinem 70. Geburtstag widerspiegelt. Der Missionar verstarb am 4. Mai 1991 nach langer Krankheit in Sankt Augustin bei Bonn.
Werke: S. Augustinus et doctrina de duplici justitia: inquisitio historico-critica (Diss.), Mödling 1935; Die Familie bei den heutigen Beduinen Arabiens und seiner Randgebiete: Ein Beitrag zur Frage der ursprünglichen Familienform der Semiten (Diss.), Leiden 1943; Das Opfer in den altsüdarabischen Hochkulturen, in: Anthropos, Sonderabdruck, Bd. 37/XL, 1942- 1945, 779-810; Spuren christlicher Glaubenswahrheiten im Koran, in: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Schöneck/Beckenried (Schweiz) 1951; P. Wilhelm Schmidt SVD (1868-1954): Eine biographische Skizze, Freiburg (Schweiz) 1956; Über Lebensraum und Lebensformen der Frühsemiten, Köln/Opladen 1968; Zum Erstgeborenenrecht bei den Semiten, in: Erwin Gräf (Hrsg.), Festschrift Werner Caskel zum 70. Geburtstag am 5. März 1966, Leiden 1968, 162-183; Zum frühsemitischen Nomadentum, in: László Földes (Hrsg.), Viehwirtschaft und Hirtenkultur: ethnographische Studien, Budapest 1969, 33-68; Les fêtes de printemps les Sémites et la Pâque israélite, Paris 1975; Fritz Gräbner und die kulturhistorische Methode der Ethnologie: Zum 100. Geburtstag von Fritz Gräbner, in: Ethnologica 1979; Arabica sacra: Aufsätze zur Religionsgeschichte Arabiens und seiner Randgebiete [Contributions a l'histoire religieuse de l'Arabie et de ses regions limitrophes], Freiburg, Göttingen 1981; Arabica varia: Aufsätze zur Kulturgeschichte Arabiens und seiner Randgebiete = Contributions à l'histoire culturelle de l'Arabie et de ses régions limitrophes. Freiburg (Schweiz) 1989.
Lit.: Al-Bahit: Festschrift Joseph Henninger zum 70. Geburtstag am 12. Mai 1976, St. Augustin bei Bonn 1976; - Todesanzeige (Parte), Sankt Augustin bei Bonn, 04.05. 1991; - Todesanzeige, in: Steyler Missionschronik 1992/93, 187; - Brief von P. Winfried Glade SVD an Clemens Gütl, Missionshaus St. Gabriel/Mödling, 27.04. 2006.