ISO (Yso) von Wölpe, Bischof von Verden (1205-1231), * um 1170
als jüngerer Sohn des Grafen Bernhard I. v. W., + 5.8. 1231, begraben
in St. Andreas zu Verden. - Zunächst Domherr in Verden (bezeugt
1180/1188) und Propst v. Bardowick ist I. spätestens seit 1197 auch
Dompropst. Nach dem Tod Rudolfs (29.5. 1205) zum Bischof gewählt,
erhielt er von König Philipp die Regalien. Wie seine Amtsvorgänger,
die z. T. wie Rudolf auch Angehörige der königlichen Kanzlei waren,
hielt er sich im Thronstreit zur staufischen Seite, wurde aber durch
seinen Bruder Bernhard II. v. W. sowie den größten Machthaber der
Diözese, Wilhelm v. Lüneburg, bald zu Otto IV. gezogen. 1211/1212
nahm er wohl im Auftrag des Kaisers an einem Kreuzzug nach Livland
teil, wo er den dortigen Oberhirten Albert v. Bexhövede vertrat. Wohl
1213/1215 fand ein zweiter Zug statt. Nach dem Tod Ottos IV. (1218)
erwarb er die Stiftsvogtei von den welfischen Untervögten. Diese Besitzrechte
und der Kauf der Edelherrschaft Westen ermöglichten die Gründung von
St. Andreas (1220), dem ersten (und einzigen) Kollegiatstift in Verden.
Die Stadtwerdung Verdens wurde durch den Bau einer Stadtmauer und
die Aufnahme der Münzprägung beschleunigt. Unter I. nahm Verden Abschied
aus der Reichspolitik. Vorrang erhielt der Territorialausbau des Stifts
(Einschränkung des Stiftsadels; Kolonisation im alten Land). Die kulturelle
Blüte zur Zeit I.s wird durch Kunstdenkmäler (St. Andreas-Kirche;
Grabplatte I.s; Silberbrakteaten) und die Autoren Ludolf v. Lüchow
(Domherr in Verden) und Gervasius v. Tilbury (Propst v. Ebstorf; »Solacium
imperatoris«) dokumentiert. Am Hofe I.s erschienen sein Vetter, der
Hildesheimer Magister Johanns Marcus von Dorstadt, Adressat des Widmungsbriefes
des »Solacium imperatoris«, und Gervasius selbst.
Quellen: W. v. Hodenberg, Verdener Geschichtsquellen
2, 1859 (S. 64-98 Urkk. und Testament); - R. Drögereit, Materialien
zur Gesch. des ehemal. Bistums Verden, 1981 [Masch.] (S. 87-114 Urkk.)
Chronicon episcoporum Verdensium, ed. Leibniz, SS. rer. Brunsvic.
2 (S. 218 Via); - G. Röper, Urkunden, Regesten, Nachrr. über das
alte Land und Horneburg 1, 1985, Nr. 180 (Bronze-Grabplatte).
Lit.: Chr. g. Pfannkuche, Die aeltere Gesch. des vormaligen
Bisthumes Verden, 1830; - C. L. Grotefend, Der Streit zw. dem
Erzbischof Gerhard II. von Bremen und dem Bischof Iso von Verden wegen
der geistl. Gerichtsbarkeit über das Schloß Ottersberg im Jahre 1226,
in: Zs. d. Hist. Ver. f. Nieders. 1871, 3-45; - A. Siedel, Untersuchungen
über die Entwicklung der Landeshoheit und der Landesgrenze des ehemal.
Fürstbistums Verden, 1915; - W. Schäfer, Kl. Verdener Stiftsgesch.,
1970; - M. Nistahl, Die Anfänge des St. Andreasstifts zu Verden,
in: Stader Jb. 1987, 29-49; - Hucker, Kaiser Otto IV. (Schrr.
d. MGH 34, 1989), Kap. G Nr. 99; - ADB XIV, 636; - NDB X,
198.
Bernd Ulrich Hucker
Literaturergänzung:
2008
Thomas Vogtherr, I.v.W., Bischof von Verden (1205-1231). Reichsfürst, Bischof, Adliger. Eine Biographie. Stade 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011