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Band III (1992) Spalten 380-382 Autor: Manfred Hörner

JOHANNES Grünwalder, Bischof von Freising (1443/48-1452), * vermutlich nach Jan. 1392 im Jagdschloß Grünwald bei München als illegitimer Sohn Herzog Johanns II. von Bayern-München (1340-1397), † 2. 12. 1452 in Wien. - J.G. studierte 1411 in Wien, 1415-1418 in Padua, wo er Ende 1418 zum Doctor iuris canonici promoviert wurde. Seit 1411 Domherr zu Freising, erwarb er in den folgenden Jahren weitere Pfründen: die Propsteien der Kollegiatstifte zu Isen (1414-1421) und Innichen im Pustertal (1420-1446) sowie die Pfarrei St. Peter zu München (1416-1445). Nach dem Tod des Freisinger Bischofs Hermann von Cilli Ende 1421 postulierte ihn das Domkapitel im Jan. 1421 zum Bischof. Papst Martin V. verwarf die Wahl wegen mangelnden Alters des Postulierten und entschied sich im März 1422 für den von Herzog Heinrich XVI. dem Reichen von Bayern-Lands-hut unterstützten Nikodemus della Scala. J.G. verzichtete in der zweiten Jahreshälfte 1423 zugunsten des päpstlichen Kandidaten, der ihn am 14. 2. 1424 zu seinem ständigen Generalvikar bestellte. In dieser Eigenschaft wirkte J.G. von 1426 an maßgeblich an der Visitation verschiedener bayerischer Benediktinerklöster und Augustinerchorherrenstifte im Sinne der Melker Reform mit. Seit Anfang 1432 nahm er als Vertreter Freisings und Bayern-Münchens am Konzil zu Basel teil, wo er besonders im Ausschuß für Kirchenreform eine bedeutende Rolle spielte. Im Konflikt mit Papst Eugen IV. stellte er sich auf die Seite des Konzils. Am 12.10. 1440 ernannte ihn der Konzilspapst Felix V. zum Kardinal, was zum Bruch mit dem papsttreuen Bischof Nikodemus führte. Nach dessen Tod wählte das Domkapitel J.G. im Sept. 1443 einstimmig zum Bischof. Das Konzil bestätigte diese Wahl am 13.11. 1444, während Papst Eugen IV. und König Friedrich III. Heinrich Schlick, den Bruder des königlichen Kanzlers Kaspar Schlick, unterstützten, der sich jedoch in Freising nicht durchzusetzen vermochte. Am 23.5. 1448 belehnte der König J. G. mit den Regalien. Am 21.8. 1448 verzichtete Schlick auf seine Ansprüche. Am 15.1. 1449 erkannte Papst Nikolaus V. J.G. nach Aufgabe des Kardinalstitels als Bischof an. - J.G. machte sich um die Reform von Weltklerus und Klöstern in der Diözese Freising verdient. In seinen Schriften trat er als energischer - wenn auch nicht erstrangiger - Verteidiger des konziliaren Gedankens gegen den päpstlichen Primat auf.

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Werke: Tractatus de auctoritate generalium conciliorum, 1437 (BStB München Cod. lat. 6503, fol. 260r-307r); Tractatus contra neutralitatem, 1440/43 (BStB München Cod. lat. 6606, fol. 303r-332v); Sermo conceptus... ad pronendum in dieta Franfordiensi..., 1442 (UB Salamanca Hs. 188, fol. 141r-161r)

Lit.: Georg Voigt, Enea Silvio de' Piccolomini, als Papst Pius d. Zweite, und sein Zeitalter I, 1856, 310-320; - Ernest Geiß, Geschichte der Stadtpfarrei St. Peter in München 1868, 30-50; - Joseph Schlecht, Eine Dispensbulle Martins V für Dr. J.G., in: HJ 30, 1909, 806-809; - Otto Hufnagel, Caspar Schlick als Kanzler Friedrichs III., in: MIÖG Ergbd. 8, 1911, 253-460, bes. 334-348; - August Königer, J. III. G., Bischof von Freising, 1914 (= Progr. des K. Wittelsbacher-Gymnasiums in München für das Schuljahr 1913/14) (grundlegend); - Virgil Redlich, Tegernsee und die deutsche Geistesgeschichte im 15. Jh., 1931 (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 9); - Hubert Strzewitzek, Die Sippenbeziehungen der Freisinger Bischöfe im Mittelalter, 1938 (= Beitr. zur altbayerischen Kirchengeschichte 16), 170-173; - Romuald Bauerreiß, Kirchengeschichte Bayerns V, 1955; - Gerda Koller, Princeps in Ecclesia. Untersuchungen zur Kirchenpolitik Herzog Albrechts V. von Österreich, 1964 (= AÖG 124), 120-127; - Heinz Lieberich, Die gelehrten Räte. Staat und Juristen in Bayern in der Frühzeit der Rezeption, in: ZBlG 27, 1964, 120-189, bes. 171; - Klaus Frhr. von Andrian-Werburg, Urkundenwesen, Kanzlei, Rat und Regierungssystem der Herzoge Johann II., Ernst und Wilhelm III. von Bayern-München (1392-1438), 1971 (= Münchener Historische Studien. Abt. Geschichtl. Hilfswissenschaften 10), 113f.; - Helmut Rankl, Das vorreformatorische landesherrliche Kirchenregiment in Bayern (1378-1526), 1971 (= Miscellanea Bavarica Monacensia 34); - Heribert Roßmann, Der Magister Marquard Sprenger in München und seine Kontroversschriften zum Konzil von Basel und zur mystischen Theologie, in: Mysterium der Gnade. Festschr. für Johann Auer. Hrsg. v. Heribert Roßmann und Joseph Ratzinger, 1975, 350-411, bes. 356-365 (Anm. 18 mit weiteren Literaturangaben); - Erich Meuthen, Antonio Rosellis Gutachten für Heinrich Schlick im Freisinger Bistumsstreit (1444), in: Aus Kirche und Reich. Studien zu Theologie, Politik und Recht im Mittelalter. Festschr. für Friedrich Kempf. Hrsg. v. Hubert Mordek, 1983, 461-472; - Ders., J.G. Rede für den Frankfurter Reichstag 1442, in: Land und Reich - Stamm und Nation. Probleme und Perspektiven bayerischer Geschichte. Festg. für Max Spindler. Hrsg. v. Andreas Kraus I (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 78), 415-427; - Ders., Der Freisinger Bischof und Kardinal J.G. († 1452), in: Christenleben im Wandel der Zeit. Hrsg. v. Georg Schwaiger I, 1987, 92-102; - Josef Maß, Das Bistum Freising im Mitteialter, 1986 (= Geschichte des Erzbistums München und Freising I), 297-315; - Handbuch der bayerischen Geschichte. Hrsg. von Max Spindler II, 19882; - ADB X, 60; - NDB X, 485; - LThK1 IV, 724f.; - LThK2 V, 1039f.

Manfred Hörner

Letzte Änderung: 09.04.2011