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Band III (1992) Spalten 919-920 Autor: Johannes Madey

KABIR ist der Begründer einer indischen Reformbewegung. Er lebte im 15. Jahrhundert und strebte eine Synthese der beiden Hauptreligionen Indiens, des Hinduismus und des Islams, an. K. wurde 1440 in Benares in einer muslimischen Familie geboren. Er starb 1518. - Zu seiner Idee gelangte K. durch den Einfluß der hinduistischen Sekte der Rāmāvants (d.h. der Anhänger des Rāmānanda). Er verkündete, daß Islam und Hinduismus nur einen Gott verehrten, Allāh-Rāmā. Sie unterschieden sich nur in den äußeren Kultformen. Daher lehnte K. sowohl islamische Riten als auch hinduistische Bilderverehrung ab, ebenso sprach er Wallfahrten, Selbstkasteiungen usw. keinen Wert zu. Er bejahte allein die Lehren von Samsāra und Karman und ließ allein die Bhakti als Heilsweg gelten. Er gründete eine Art Mönchsgemeinschaft, die Kabirpanthis, die noch heute im nördlichen Mittelindien besteht. Ihre Heilige Schrift "Bijak" (= Rechnung) enthält Aussprüche K.s, die von seinen Jüngern gesammelt worden sind.

Lit.: G. H. Westcott, K. and Kabirpanthis, Cawnpore 1907; - R. Tagore, One Hundred Poems of K., London 1915; - F. König (Hrsg.), Christus und die Religionen der Erde, Wien 19562, III, 199 f.; - S. Lemaître, Der Hinduismus oder Sanātana Dharma (= Der Christ in der Welt XVII/5), Aschaffenburg 1958, 23; - J. A. Hardon, Gott in den Religionen der Welt, Luzern-München 1967, 250, 254.

Johannes Madey

Letzte Änderung: 18.12.2009