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Band III (1992) Spalte 1219 Autor: Karl Rennstich

KATHARINA VON BORA, Ehefrau des Reformators Martin Luther (1483-1546), * 29.1. 1499 in Hirschfeld b. Deutschenbora in Sachsen, aus sächsischem Adelsgeschlecht stammend, † am 20.12. 1552 in Torgau. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter kam sie als junges Mädchen 1504 zur Erziehung in das Benediktinerinnenkloster in Brehna und später ins Kloster Nimbschen bei Grimma. Sie wurde sechzehnjährig Nonne in diesem Kloster, floh jedoch Ostern 1523 zusammen mit anderen Nonnen und mit Zustimmung Luthers nach Wittenberg, wo sie auf Fürsprache Luthers in Wittenberger Familien untergebracht wurden. Dort wurde sie, nach Ablehnung einer anderen Ehe, ihrem Lebenswunsch entsprechend am 13.6. 1525 Luthers Frau. Sie gebar Luther drei Töchter und drei Söhne, von denen vier die Eltern überlebten. Aufgrund ihrer Tüchtigkeit entwickelte sich das Augustinerkloster in Wittenberg zum gastfreien »Lutherhaus«, in dem sich Gäste aus allen Teilen Deutschlands und aus allen Ständen der Gesellschaft trafen. Wie sehr K. an den beruflichen Arbeiten und Sorgen ihres Mannes Anteil nahm und als seine Beraterin tätig war, wird aus vielen Briefen und den Tischgesprächen Luthers deutlich, der K. oft »seinen Herrn Katharina« nannte. Nach Luthers Tod 1546 geriet sie zeitweilig in Not und starb 1552 auf der Flucht aus Wittenberg in Torgau an der Pest. Ihr Grab ist in der Stadtkirche zu Wittenberg. Durch verschiedene Cranach-Bilder ist ihr Äußeres bekannt. Sie steht im Mittelpunkt des Romanfragments »Das ewige Haus«, über dem Jochen Klepper gestorben ist; Fiktive »Tischreden der Katharina Luther, geborene von Bora« beschreibt 1983 die hessische Pfarrerstochter Christine Brückner, »Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen«.

Lit.: Thom, A: Katharina von Bora, 1900; - Kroker, E.: Katharina von Bora (1906), 1939 4. Aufl.; - Deuder, C. L.: Katherine Luther of the Wittenberg Personage, Philadelphia 1924; - Boehmer, Luthers Ehe (Jahrbuch der Luthergesellschaft 7, 1925, 4076); - Bainton, R.: Here I Stand. A Life of Martin Luther (1950) 1980 2. Aufl.; - Klepper, J.: Das ewige Haus, 1951; - Brückner, Christine, Wenn du geredet hättest, Desdemona (1983) 1987 13. Aufl.

Karl Rennstich

Textanmerkungen:

Der Kurfürst bestätigte formal das Testament Luthers, aber dann seine Juristen gewähren ließ, die Substanz auszuhöhlen. Heraus kam ein Kompromiss: Katharina blieb im Lutherhaus und führte die Burse weiter, aber unter Vormundschaft. Die wenigen erhaltenen Zeugnisse deuten einerseits auf wirtschaftliche Konflikte mit ihren Nachbarn, andererseits auf eine mangelhafte Versorgung, so daß der dänische König Christian III. ihr weiterhin eine Rente von 100 Thalern pro Jahr gewährte. Durch den Schmalkaldischen Krieg und die damit verbundene zweimalige Flucht verschlechterte sich ihre Lage zusätzlich.
Das Grab und der Grabstein der Katharina von Bora befinden sich in der Stadtkirche St. Marien in Torgau/Elbe.

Literaturergänzung:

2007

Barbara Hofmann, Luthers Frau - K.v.B. Ein Unterrichtsentwurf zu Ev 8.3 "Reformation". Erlangen 2007; - Wolfgang Liebehenschel, Der langsame Aufgang des Morgensterns zu Wittenberg, Oschersleben.

Letzte Änderung: 29.12.2009