Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band IV (1992) Spalten 840-842 Autor: Karl Schwarz

KUTSCHKER, Johann Baptist Rudolf, Erzbischof von Wien, Kardinal, * 11.4. 1810 Wiese, Österr. Schlesien, + 27.1. 1881 Wien. - Der aus kleinbäuerlichen Verhältnissen stammende K. besuchte das Gymnasium in Troppau, ehe er sich seit 1826 am Olmützer Lyceum und seit 1828 in Wien dem Studium der Theologie widmete. 1833 zum Priester geweiht und 1834 zum Dr. theol. promoviert, wurde K. zum Professor der Moraltheologie an der Universität Olmütz ernannt, er bekleidete zweimal das Amt des Dekans der Fakultät, 1843-44 das des Rektors der Universität; daneben fungierte er als erzbischöflicher Sekretär (1841), erzbischöflicher Kanzler (1842), Schuloberaufseher der Erzdiözese Olmütz und Ehrenkanoniker. 1849 nahm er als Berater seines Erzbischofs an der Wiener Bischofskonferenz teil, 1852 erfolgte seine Berufung zum Hof- und Burgpfarrer sowie zum Vorsteher des Frintaneums in Wien, 1853 wurde er mit der Würde eines Infulierten Abtes von Pagrany ausgezeichnet. 1857-1876 wirkte er als Ministerialbeamter im Ministerium für Cultus und Unterricht, 1858 wurde er zum Rektor magnificus der Wiener Universität gewählt, 1859 zum päpstlichen Hausprälaten, 1861 zum Propst des Metropolitankapitels bei St. Stephan und damit zum Kanzler der Universität ernannt, 1862 erfolgte die Ernennung zum Generalvikar, Titularbischof von Carrhae, 1876 zum Fürsterzbischof von Wien, 1877 zum Kardinal. - Als enger Mitarbeiter von Kardinal Rauscher hatte K. Anteil am Zustandekommen des österreichischen Konkordates von 1855, dessen schrittweise Aushöhlung in der liberalen Ära er als zuständiger Beamter im Cultusministerium kaum verhindern konnte. Als Verfechter eines harmonischen Verhältnisses von Staat und Kirche nach der Beseitigung des josefinistischen Staatskirchentums bemühte er sich um Ausgleich und kirchenpolitischen Frieden, sodaß dem österreichischen Kulturkampf jene Schärfe erspart blieb, die in Preußen und Baden zu beobachten war. 1863 ergriff er zugunsten des katholischen Stiftungscharakters der Wiener Universität das Wort und verhinderte die Inkorporierung der 1850 in den Rang einer theologischen Fakultät erhobenen protestantisch-theologischen Lehranstalt - Ehrenbürger in Olmütz (1852).

Werke: Die gemischten Ehen von dem kath.-kirchlichen Standpunkt aus betrachtet, 1838, 31842; Die heiligen Gebräuche der kath. Kirche von Septuagesimä bis Ostern, 2 Bde. 1842/43; Sammlung der Vorschriften, nach welchen sich die Curatsgeistlichkeit bezüglich der Verkündigung des Wortes Gottes, der Spendung der hll. Sakramente, der seelsorglichen Geschäftsführung, dann ihres klerikalen Wandels zu richten hat, 4 Bde. 1847-1850; Die Lehre vom Schadenersatz, 1851; Das Eherecht der kath. Kirche nach seiner Theorie und Praxis, 5 Bde. 1856-1859; Gesetzliche Bestimmungen über die Errichtung, Verwaltung und Verwendung der Religionsfonde der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, 1871; Erklärung des Kanzlers der Universität Wien über die Bitte der protestantisch-theol. Fakultät um Einverleibung in die genannte Hochschule, abgegeben in der Sitzung des venerabl. Consistoriums v. 12.5. 1863.

Lit.: Johann Friedrich von Schulte, Die Geschichte der Quellen und Literatur des canonischen Rechts III/ 1, Nachdr. 1956, 426; - August Eitler, Dr. J. R. K., Kardinal und Fürsterzbischof von Wien 1810-1881, Diss. Wien 1956; - Franz Loidl, J. R. K., ÖBL IV, 376 f.; - ders., J. R. K., NDB XIV, 348; - Maximilian Liebmann, J.R.K., in: Erwin Gatz (Hrsg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803 bis 1945, 1983, 422-425.

Karl Schwarz

Letzte Änderung: 09.06.1998