KUTSCHKER, Johann Baptist Rudolf, Erzbischof von Wien, Kardinal, *
11.4. 1810 Wiese, Österr. Schlesien, + 27.1. 1881 Wien. -
Der aus kleinbäuerlichen Verhältnissen stammende K. besuchte das Gymnasium
in Troppau, ehe er sich seit 1826 am Olmützer Lyceum und seit 1828
in Wien dem Studium der Theologie widmete. 1833 zum Priester geweiht
und 1834 zum Dr. theol. promoviert, wurde K. zum Professor der Moraltheologie
an der Universität Olmütz ernannt, er bekleidete zweimal das Amt des
Dekans der Fakultät, 1843-44 das des Rektors der Universität; daneben
fungierte er als erzbischöflicher Sekretär (1841), erzbischöflicher
Kanzler (1842), Schuloberaufseher der Erzdiözese Olmütz und Ehrenkanoniker.
1849 nahm er als Berater seines Erzbischofs an der Wiener Bischofskonferenz
teil, 1852 erfolgte seine Berufung zum Hof- und Burgpfarrer sowie
zum Vorsteher des Frintaneums in Wien, 1853 wurde er mit der Würde
eines Infulierten Abtes von Pagrany ausgezeichnet. 1857-1876 wirkte
er als Ministerialbeamter im Ministerium für Cultus und Unterricht,
1858 wurde er zum Rektor magnificus der Wiener Universität gewählt,
1859 zum päpstlichen Hausprälaten, 1861 zum Propst des Metropolitankapitels
bei St. Stephan und damit zum Kanzler der Universität ernannt, 1862
erfolgte die Ernennung zum Generalvikar, Titularbischof von Carrhae,
1876 zum Fürsterzbischof von Wien, 1877 zum Kardinal. - Als enger
Mitarbeiter von Kardinal Rauscher hatte K. Anteil am Zustandekommen
des österreichischen Konkordates von 1855, dessen schrittweise Aushöhlung
in der liberalen Ära er als zuständiger Beamter im Cultusministerium
kaum verhindern konnte. Als Verfechter eines harmonischen Verhältnisses
von Staat und Kirche nach der Beseitigung des josefinistischen Staatskirchentums
bemühte er sich um Ausgleich und kirchenpolitischen Frieden, sodaß
dem österreichischen Kulturkampf jene Schärfe erspart blieb, die in
Preußen und Baden zu beobachten war. 1863 ergriff er zugunsten des
katholischen Stiftungscharakters der Wiener Universität das Wort und
verhinderte die Inkorporierung der 1850 in den Rang einer theologischen
Fakultät erhobenen protestantisch-theologischen Lehranstalt - Ehrenbürger
in Olmütz (1852).
Werke: Die gemischten Ehen von dem kath.-kirchlichen Standpunkt
aus betrachtet, 1838, 31842; Die heiligen Gebräuche der kath.
Kirche von Septuagesimä bis Ostern, 2 Bde. 1842/43; Sammlung der Vorschriften,
nach welchen sich die Curatsgeistlichkeit bezüglich der Verkündigung
des Wortes Gottes, der Spendung der hll. Sakramente, der seelsorglichen
Geschäftsführung, dann ihres klerikalen Wandels zu richten hat, 4
Bde. 1847-1850; Die Lehre vom Schadenersatz, 1851; Das Eherecht der
kath. Kirche nach seiner Theorie und Praxis, 5 Bde. 1856-1859; Gesetzliche
Bestimmungen über die Errichtung, Verwaltung und Verwendung der Religionsfonde
der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, 1871; Erklärung
des Kanzlers der Universität Wien über die Bitte der protestantisch-theol.
Fakultät um Einverleibung in die genannte Hochschule, abgegeben in
der Sitzung des venerabl. Consistoriums v. 12.5. 1863.
Lit.: Johann Friedrich von Schulte, Die Geschichte der
Quellen und Literatur des canonischen Rechts III/ 1, Nachdr. 1956,
426; - August Eitler, Dr. J. R. K., Kardinal und Fürsterzbischof
von Wien 1810-1881, Diss. Wien 1956; - Franz Loidl, J. R. K.,
ÖBL IV, 376 f.; - ders., J. R. K., NDB XIV, 348; - Maximilian
Liebmann, J.R.K., in: Erwin Gatz (Hrsg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen
Länder 1785/1803 bis 1945, 1983, 422-425.