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Band IV (1992) Spalten 907-912 Autor: Klaus Grünwaldt

LABAN. Das hebräische Wort bedeutet »weiß«. Herleitungen von hebr. »Mond« und damit verbundene Deutungen auf eine Mondgottheit sind weniger wahrscheinlich. - Nach der biblischen Überlieferung ist L. sowohl der Sohn Betuels (1.Mose 24,29.50; 25,20; 28,2.5) als auch der Sohn Nachors (29,5). Letzteres dürfte sich aber auf den Großvater Nachor (11,26 ff.) beziehen (oder gar auf den in 1.Mose 11,22-24 genannten Urahn gleichen Namens?), einen Bruder Abrahams, von dem auch die Heimatstadt L.s ihren Namen hat (24,10). L. ist der Bruder Rebekkas, der Frau Isaaks (24,29 u.ö.), und wird der Schwiegervater Jakobs (29-31). - Die biblische Überlieferung zu L., die sich v.a. in 1.Mose 29-32,1 findet, zeichnet ein vielfältiges Bild dieser Figur: Jakob hatte sich in Rahel, die jüngere Tochter Labans, verliebt und sieben Jahre um sie bei L. gedient, doch in der Hochzeitsnacht fand er L.s ältere Schwester Lea im Brautgemach, so daß Jakob um Rahel weitere sieben Jahre dienen mußte. L. erklärt sein Verhalten mit der Landessitte. Nachdem Jakob im Hause L.s von dessen Töchtern sowie deren Mägden 11 Söhne und eine Tochter geboren wurden (1.Mose 29,31-30,24), will Jakob in sein Heimatland ziehen. L. vermag ihn aber mit dem Angebot einer Beteiligung an den Herden noch einige Zeit zu halten. Hier manipuliert Jakob bei den Begattungen der Tiere derart, daß er die starken Tiere erhält, L. aber die schwachen (30,42). Aufgrund eines Gotteswortes (31,3) zieht J. fluchtartig mit der Hilfe und der Solidarität seiner Frauen, die ihrem Vater nicht wohlgesonnen sind, fort, ohne es L. zu sagen. Rahel stahl dabei die Hausgötter ihres Vaters, ohne daß Jakob davon wußte. L. vermag diese Flucht nicht zu akzeptieren; so, ohne Abschied, will er seine Töchter und Enkelkinder nicht ziehen lassen. Er verfolgte Jakob und seine Familie und stellte sie. Es kommt noch einmal zu einem dramatischen Höhepunkt, als L. nach seinen verschwundenen Hausgöttern suchte und Jakob demjenigen die Todessanktion androhte, bei dem sie gefunden würden. Da Rahel auf diesen Göttern saß, wurden sie aber nicht gefunden, woraufhin Jakob L. eine heftige Scheltrede hielt. Die Geschichte von Jakob und Laban endet schließlich mit einem Bundesschluß, worin v.a. die Grenzen ihrer Wohngebiete festgeschrieben wurden (31,43 ff.; hier ist dem griechischen Text der Septuaginta der Vorzug gegenüber dem hebräischen Text zu geben, so Seebass 1986). »Am Morgen machte L. sich früh auf, küßte seine Söhne und Töchter, segnete sie und ging. So kehrte L. an seinen Ort zurück« (32,1). Die Inhaltsangabe der biblischen Überlieferung macht den Eindruck großer Geschlossenheit. Trotzdem bleibt eine Verteilung des Bestandes der Erzählung auf den Jahwisten und den Elohisten nicht sinnlos (zur Einzelzuweisung vgl. die Kommentare, v.a. zuletzt H. Seebass). Daß L. sowohl im Elohisten als auch im Jahwisten (und auch in der Priesterschrift: 25,20; 28,2.5) belegt ist, rechtfertigt die traditionsgeschichtliche Rückfrage nach älterer Überlieferung. Aus 31,22 ff., v.a. dem Grenzvertrag zwischen Jakob und L., kann man mit einiger Sicherheit erheben, daß L. ursprünglich ein ostjordanischer Nachbar Israels gewesen ist. Hierzu fügt sich die fest in der Überlieferung verankerte Angabe, daß L. ein Aramäer war. Da allerdings das in 1.Mose 31 beschriebene Siedlungsgebiet nach der Konsolidierung der Ammoniter zu deren Siedlungsgebiet gehörte, dürfte die Tradition noch ins 12.Jh. v.Chr. zu datieren sein. Mit der jahwistischen Rezeption der Tradition von L. hängt die Lokalisierung in Charan 29,4 zusammen; die Bezeichnung »Land der Ostleute« (29,1) dürfte ein Zusatz sein. Wie Jakob, so ist auch L. in den Jakob-Laban-Erzählungen noch nicht der Repräsentant eines späteren Volkes (Aramäer/Israel), sondern beide repräsentieren Vaterhäuser, da die individuellen Züge beider die kollektiven Züge überwiegen. So steht der Konflikt zwischen Jakob und L. nicht stellvertretend für den Konflikt der Aramäer mit Israel im 10./9. Jh. v.Chr., sondern die Tradition bewegt sich noch ganz im Familienmilieu. Hier, im Familienmilieu, haben die Erzählungen von der »untergeschobenen Braut«, den geraubten Familiengöttern und dem Gebietsvertrag ihren ursprünglichen Sinn. Das Motiv vom Brunnen (29,1 ff.) und auch die Erzählung von der Manipulation an der Herde weisen genauer noch in das Milieu von Hirten. Eine Bestätigung der angenommenen Lebensnähe der Jakob-L.-Erzählungen ergibt sich aus dem Vergleich dieser Erzählungen mit keilschriftlichen Vertragstexten aus der östlich von Ninive liegenden Stadt Nuzi: Hirtenverträge, Texte zur Bedeutung der Hausgötter und vor allem alles, was im Umfeld der Ehe von Bedeutung ist, weist erstaunliche Parallelen zu 1.Mose 29-31 auf. Zu den traditionellen Motiven in den Erzählungen von L. gehört in jedem Fall auch eine Beziehung L.s zum Grenzheiligtum von Mizpe-Gilead. Bei aller Geschlossenheit der Tradition empfiehlt es sich dennoch nicht, etwa mit H. Gunkel von einem Jakob-Laban-Sagenkranz zu reden. Zum einen machen Erzählungen wie 1.Mose 29,1-30; 30,25-43 einen relativ eigenständigen Eindruck; zum anderen finden sich Erzählungen, die gleichfalls von familiären Konflikten handeln, auch in 1.Mose 32,4-22; 33,1-16 (Konflikt mit Esau). Vielmehr hat man die Traditionen, die Jakob mit L. verbinden, zum Grundstock einer alten Jakob-Tradition zu rechnen. Theologisch ist von Belang, daß das Bild von L. dem Betrüger (29,1-30) nicht das letzte Wort bleibt, das die Bibel von dem Großvater der Israel-Söhne zu erzählen weiß. Auf dem Höhepunkt der Überlieferung, in 1.Mose 31, stellt sich L. unter den Gott Jakobs V. 24.29, und die Erzählung kann in Frieden enden, weil die Götter von Laban und Jakob als Zeugen des Bundesschlusses dienen.

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Klaus Grünwaldt

Literaturergänzung:

David Instone-Brewer, Balaam-L. as the key to the Old Testament quotations in Matthew 2, in: Built upon the rock. Grand Rapids, Mich. 2008, S. 207-227.

Letzte Änderung: 09.04.2011