LACHMANN, Johann, Reformator, * 1491 in Heilbronn, + zw. 26.11.
1538 und 27.1. 1539 in Heilbronn. - L. stammte aus einem angesehenen
Heilbronner Elternhaus, der Vater war Glockengießer und zeitweilig
Ratsmitglied. L. studierte nach dem Besuch der Heilbronner Lateinschule
ab 1505 in Heidelberg, wo er 1507 den Grad eines Bakkalaureus der
Künste erlangte, 1508 den Magister und ein Jahr darauf den Bakkalaureus
beider Rechte. 1511 wurde L. Vorsteher der Heidelberger Dionysiusburse.
Drei Jahre später empfing er in Würzburg die Weihen und wurde Pfarrverweser
an St. Kilian in Heilbronn. 1521 erhielt L. das Lizentiat und Doktorat
beider Rechte und wechselte auf das Predigeramt an St. Kilian. Dort
predigte er spätestens seit 1524 lutherisch. 1525 faßte die Reformation
in Heilbronn Fuß, doch verhinderte der Bauernkrieg vorerst die weitere
Verbreitung. L. versuchte, Luthers »Zwei-Reiche-Lehre« folgend, in
seinen »Ermahnungen« beschwichtigend auf die Bauern einzuwirken. Nach
deren Niederlage erreichte er die Aussetzung mehrerer Hinrichtungen.
Durch seine überzeugte Glaubenshaltung verfügte L. über beträchtliches
Ansehen bei Stadt- und Landbevölkerung und konnte im Mai 1526 eine
Zitation durch den Würzburger Bischof wegen vermeintlicher aufrührerischer
Reden mit Hilfe des Rates zurückweisen. In Wort und Tat trieb L. in
den folgenden Jahren die Reformation voran. Im November 1526 heiratete
er, im Mai 1528 teilte er erstmals das Abendmahl aus. Die Ablösung
des altgläubigen Heilbronner Bürgermeisters (1528) durch einen Anhänger
Luthers erleichterte die Durchsetzung der religiösen Neuordnung. 1529
trat Heilbronn der Speyerer Protestation bei. 1530 bekannten sich
Rat und Bürgerschaft zur Augsburger Konfession, nachdem L. auf dem
Augsburger Reichstag Karl V. eine eigene Heilbronner Bekenntnisschrift
vorgelegt hatte, die »Confessio Heilbronnensis«. Daraufhin wurden
von L. ausgearbeitete neue Tauf-, Ehe- und Gottesdienstordnungen eingeführt
und das Armen-, Schul- und Krankenwesen neu organisiert. Bis zu seinem
nicht genau datierbaren Tod wirkte L. weiter im Sinne der Reformation.
Der in der »Confessio Heilbronnensis« festgelegte Predigtgottesdienst
wurde Vorbild für die erste württembergische Gottesdienstordnung von
1536, die in ihren Grundzügen noch heute besteht. Ebenso bedeutsam
war die von L. zusammen mit seinem Schulmeister Kaspar Gretter verfaßte
Kinderlehre, der sog. »Heilbronner Katechismus« ist der zweitälteste
der ev. Kirche.
Werke: Drei christliche Ermahnungen an die Bauernschaft,
bevor sie vor Weinsberg gezogen, von ihrem Vorhaben abzusehen, Speyer
1525, Nachdr. in: Otto Clemen (Hrsg.), Flugschriften aus den ersten
Jahren der Reformation, Bd. II, H. 4, hrsg. von Gustav Bossert, Leipzig
1908, 77-117; zus. mit Kaspar Gretter: Catechesis oder Unterricht
der Kinder, wie er zu Heilbronn gelehrt und gehalten wird, Augsburg
1528, Nachdr. in: J. Hartmann (Hrsg.), Älteste katechetische Denkmale
der ev. Kirche, Stuttgart 1844; versch. Schr. in: Urkundenbuch der
Stadt Heilbronn III/IV, Heilbronn 1916/22; versch. Schr. (u.a. »Confessio
Heilbronnensis«) und Biogr. in: Helmut Schmolz/Hubert Weckbach, 450
Jahre Reformation in Heilbronn. Ursachen, Anfänge, Verlauf, Heilbronn
1980. - Briefe: Gustav Bossert, Der Heilbronner Reformator L.
als Patriot im Bauernkrieg nach seinen Briefen, in: Württembergisches
Jb. für Statistik und Landeskunde 1908 (1909), 44-76.
Lit.: W. Gußmann, Qu. und Forsch. zur Gesch. des Augsburger
Bekenntnisses 1,2, Leipzig 1911, 355 f.; - Moritz v. Rauch, L.,
der Reformator Heilbronns, Heilbronn 1923, Neudr. hrsg. vom Hist.
Verein Heilbronn, ebd. 1991; - O. Matthes, Die Gesch. der Heilbronner
Reformation, ebd. 1928; - Heribert Hummel (Bearb.), Katalog der
Inkunabeln des Stadtarchivs Heilbronn mit einer Liste der Handschriften
und einem Abriß der Heilbronner Buch- und Bibliotheksgesch., hrsg.
von Helmut Schmolz, ebd. 1981; - Robert Stupperich, Reformatorenlexikon,
Gütersloh 1984, 125; - Jöcher 31810, 1023; - ADB XVII,
469-471; - NDB XIII, 370 f.; - RE 3XI, 197-201; -
RGG 3IV, Sp. 195.
Hartmut Lohmann
Letzte Änderung: 09.04.2011