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Band V (1993)Spalten 376-377 Autor: Klaus Herbers

LUDWIG DER JÜNGERE, ostfränkischer König (865, 876-882). Der wohl um 835 als Sohn König Ludwigs des Deutschen und seiner Frau Hemma geborene L. wird erstmals 847 erwähnt. L. wurde von seinem Vater mehrmals mit militärischen Operationen beauftragt. - L. erhielt 865 von seinem Vater Franken, Thüringen und Sachsen zugesprochen; andere Teile des ostfränkischen Reiches waren für seine Brüder Karlmann (Bayern und östliche Marken) und Karl III. (Alemannien mit Churrätien) vorgesehen. Mehrfache Auflehnungen gegen den Vater wurden stets wieder beigelegt. Nach dem Tod Ludwigs des Deutschen am 28. 8. 876 nutzte Karl der Kahle von Westfranken die Chance, seinen Einflußbereich weiter nach Osten auszudehnen, jedoch schlug L. ihn am 8. 10. 876 entscheidend bei Andernach und behielt damit auch die Osthälfte des ehemaligen Mittelreiches Lothars II. Aufgrund der Krankheit seines Bruders Karlmann übernahm L. 878 und 879 dessen Anteil an Lotharingien sowie Bayern unter seine Herrschaft. Der zu vielen Adelsfamilien gute Beziehungen unterhaltende L. konnte seine Herrschaft im Inneren festigen und stärken, und dehnte diese sogar auf das gesamte westliche Lotharingien aus (Verträge von Verdun und Ribémont, 879 und 880). Gegen die das Reich vor allem im Norden bedrohenden Normannen konnte L. nur partielle Erfolge erzielen. In Frankfurt urkundete der im letzten Regierungsjahr kränkliche Herrscher noch am 19. Januar 882 und starb dort am 20. Januar. Da sein legitimer Sohn Ludwig aus seiner Ehe mit der sächsischen Liutgart (+ 885) schon 879 umkam, hinterließ L. keine Erben, so daß das Ostfrankenreich wieder in einer Hand (Karl III.) vereinigt wurde.

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Lit.: J. F. Böhmer, E. Mühlbacher, Regesta Imperii I. Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern, 751-918, 2. Aufl. Innsbruck 1908 (Nachdr. Hildesheim 1966), 669-725; - Die Urkunden der deutschen Karolinger I: Die Urkunden Ludwigs des Deutschen, Karlmanns und Ludwigs des Jüngeren, ed. P. Kehr, (MGH Diplomata regum Germaniae ex stirpe Karolinorum 1), Berlin 1932-34; - Briefe der Päpste Johannes' VIII. und Stephans V.: E. Caspar/G. Laehr (ed.), Epistolae. Karolini aevi Bd. 5 (MGH Epistolae Bd. 7), Berlin 1912-1928, Nachdr. München 1978; - weitere Quellen bei Wattenbach-Levison, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter, 6. Heft bearb. von H. Löwe: Das ostfränkische Reich, Weimar 1990, 652-655 und passim; - E. Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reiches Bd. 2 und 3, Leipzig 21887 f. (Nachdr. Hildesheim 1960); - W. Vogel, Die Normannen und das Fränkische Reich bis zur Gründung der Normandie (799-911), Heidelberg 1906; - G. Eiten, Das Unterkönigtum im Reiche der Merovinger und Karolinger, Heidelberg 1907; - P. Kehr, Die Kanzlei Karlmanns und Ludwigs des Jüngeren, Berlin 1933; - A. d'Haenens, Les invasions normandes en Belgique au IXe siècle. Le phénomène et sa répercussion dans l'historiographie médiévale (Recueil de travaux d'histoire et de philologie, 4e série, fascicule 38) Louvain 1967; - E. Hlawitschka, Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte (Schriften der MGH, Bd. 21) Stuttgart 1968; - H. Zettel, Das Bild der Normannen und der Normanneneinfälle in westfränkischen, ostfränkischen und angelsächsischen Quellen des 8.-11. Jahrhunderts, München 1977; - H.-W. Goetz, Zur Landnahmepolitik der Normannen im Fränkischen Reich, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 183, 1980, 9-17; - J. Fried, König Ludwig der Jüngere in seiner Zeit. Zum 1100. Todesjahr des Königs, in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 16, 1983, 5-26; - C. Brühl, Deutschland-Frankreich. Die Geburt zweier Völker, Köln-Wien 1990; - NDB XV, 328 f.(Th. Schieffer); - Lexikon des Mittelalters V, 2174 f. (B. Schneidmüller).

Klaus Herbers

Letzte Änderung: 09.04.2011