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Verlag Traugott Bautz
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MALHERBE, François de, * 1555 in Caen als Sohn eines protestantischen Beamten, † 16.10. 1628 in Paris. - M. studierte in Paris und Heidelberg, konvertierte und wurde 1576 zum Sekretär des Herzogs von Angoulême. 1581 heiratete er Madelaine de Coriolis, die Tochter eines Parlamentspräsidenten. Ab 1595 lebte er in Aix en Provence, 1605 kam er an den Hof Heinrich IV. und wurde dort 1609 zum offiziellen Hofpoeten und, unter Protektion durch Richelieu, Schatzmeister. Er blieb bis zu seinem Tode in Paris. - M.s poetisches Werk besteht aus verschiedenen Gelegenheits- und Auftragsdichtungen, vor allem Oden, Sonetten und Stanzen, religiöser Lyrik (»Les Larmes de Saint Pierres«) und Liebeslyrik, die sich u.a. an die Vicomtesse d'Auchy richtet, aber auch in Auftrag gegebenen Liebesgedichten. Bedeutender war jedoch M.s Rolle als Sprachpurist. Ausdruck dieser Haltung sind z.B. die reglementierenden Glossen zu der Dichtung von François Desportes (1546-1606), die sein Zeitgenosse Racan im »Commentaire sur Desportes« (1606) zusammenfaßte. M. kritisiert die starke Ausschmückung, die das Französische im 16. Jh. erfahren hat als ausufernden Wildwuchs, den es einzudämmen gilt. Dabei wendet er sich vor allem gegen Archaismen, Dialektismen, Latinismen und Neologismen, aber auch im poetischen Bereich gegen den Gebrauch von Hiatus, Enjambement, sogenannten Flickwörtern (chevilles) sowie unreinen Reimen. Er verlangt eine Herrschaft der Vernunft und Ordnung im Sprachgebrauch und bezieht sich dabei auf eine ähnliche Forderung des antiken Rhetorikers Quintilian (1. Jh.) für das Lateinische. Seine sogenannte »Doctrine de Malherbe« bildet die Grundlage für die Dichterschule um Racan und Mainard und ist wegbereitend für die französische Klassik.
Werke: Œuvres, Paris 1930; Œuvres poétiques, Hrsg. M. Simon, Paris 1972; Poésies, Hrsg. A. Adam, Paris 1982.
Lit.: C. Abraham, Enfin M. The Influence of M. on French Lyric Prosody, 1605-1674, Lexington 1971; - G. Allais, M. et la poésie française a la fin du XVIe siècle, Paris 1891; - F. Brunot, La doctrine de M. d'après son commentaire sur Desportes, Paris 1891, 1969; - A. Chénier, Le commentaire de M., Paris 1842; - A. Counson, M. et ses sources, Lüttich 1904; - T. Eastridge, Stoic Doctrine and M. on Ode, Diss., Chapel Hill 1985; - R. Fromilhague, La vie de M., apprentissage et luttes (1555-1610), Paris 1954; - ders., M. Technique et créacion poétique, Paris 1955; - ders., M. et son temps. IVe centenaire de naissance (1555-1955), in Dix-septième siècle, 31, 1956; - E.M. Guild, the Problem of the Image in Late Renaissance french Poetry with Particular Reference to Desportes and M., Diss., Cambridge 1983; - D. Janik, Geschichte der Ode und der »Stances« von Ronsard bis Boileau, Bad Homburg, Berlin, Zürich, 1968; - F. Ponge, Pour un M., Paris 1965; - A. Rothe, Französische Lyrik im Zeitalter des Barock, Berlin 1974; - D.L. Rubin, Higher, Hidden Order: Design and Meaning in the Odes of M., Chapel Hill, 1972; - ders. Hrsg., La poésie du premier 17e siècle, Tübingen 1986; - N. Ruwet, M.: Hermogène ou Cratyle?, in Poétique, 42, 1980; - L. Spitzer, F. de M.: Consolation à Monsieur du Périer, in L.S., Interpretationen zur Geschichte der französischen Lyrik, Heidelberg 1961.
Birthe Koch
Werkeergänzung:
Paradigmen in Mathematik, Physik u. Biologie u. ihre philos. Wurzeln. Ins Dt. übertr. von Martin J. Jandl. Frankfurt a.M. 2005.
Letzte Änderung: 31.08.2006