OST, Johann, Kulturhistoriker, * 5.1. 1806 in Alsfassen (St. Wendel),
+ 5.6. 1871 (Sterbeort bleibt unbekannt). - O. entstammte
einer bäuerlichen Familie und wurde nach dem Studium der katholischen
Theologie am 18.9. 1830 in Trier zum Priester geweiht. In den Folgejahren
bekleidete er Kaplanstellen in Neunkirchen sowie Bitburg und amtierte
ab 1834 als Pfarrer in Limbach, ab 1847 in gleicher Funktion in Kelberg
und seit dem 1.12. 1851 als Pastor von Demerath. Dieses Eifeldörfchen,
in dem er bis zur Emeritierung 1869 wirkte, war der eigentliche Ort
seiner kulturhistorischen und sonstigen Aktivitäten. Nicht weniger
als 118 vorzeitliche Grabhügel, 30 befestigte Plätze, Landgräben,
Burgen, Römerstraßen, Wüstungen und Höfe hat er erforscht und beschrieben.
O. war korrespondierendes Mitglied der bedeutenden Trierer Gesellschaft
für nützliche Forschungen, gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten
Eifelforscher des 19. Jahrhunderts und hat sich auch als Musiker einen
Namen gemacht. Bei der Erstellung des weit über die Grenzen des Bistums
hinaus bedeutsamen ersten Trierer Diözesangesangbuchs hat er sich
energisch für die Beibehaltung bzw. Wiederbelebung des lateinischen
Chorals engagiert, ohne jedoch bei den zeitgenössischen restaurativen
Tendenzen die seelsorgerlichen Belange aus dem Auge zu verlieren und
etwa das gesamte muttersprachliche Liedgut aus dem Gottesdienst zu
eliminieren. Treffend hat O. die Misere in den Kirchen geschildert:
der Choral werde nicht gut vorgetragen, sondern »bis zu einem wilden
Jagdgeschrei intoniert, zu hastig, lückenhaft etc. ohne Zusammenhang
und holpericht« gesungen. Dies liege vor allem darin begründet, daß
zu wenig ausgebildete Kirchenchöre bestünden; in aller Regel sei zu
beobachten, daß »da ein schmächtiges Schulmeisterlein ganz allein
in der Kirche an dem schweren Choral sich abmüht.« O. hat für seinen
Kirchenchor mehrstimmige Messen und einige Motetten geschrieben. Seine
Kompositionen sowie seine »Antiquarische Beschreibung des Kreises
Daun« sind verschollen, weil zur Zeit des Dritten Reiches sein Nachlaß
im Geburtshaus zu Alsfassen unverständigerweise einer »Entrümpelung«
zum Opfer gefallen ist.
Werke: Über den Steinring bei Gerolstein, die Dezenlei
genannt, in: Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen
zu Trier vom Jahre 1854 (Trier 1855) 12-13; Geschichte der ehemaligen
Herrschaft und des Hochgerichtes zu Wollmerath, in: Jahresbericht
a.a.O. 1856 (Trier 1857) 27-41, 1858 (Trier 1859) 35-43 und 1859 /60
(Trier 1861) 30-34; Die Wallfahrt nach Jerusalem, oder Ludwig von
Deudesfeld, Kreuzfahrer, Pilger und Priester. Eine Erzählung aus den
Jahren 1187-1250. Aus: Dauner Kreis-Blatt 1861; Die Entersburg bei
Bertrich, in: Jahresbericht a.a.O. 1858 (Trier 1859) 34-35; Die Grabmäler
in der Kirche zu St. Wendel: a.a.O. 35; Weitere archäologische Berichte
in: Jahresbericht a.a.O. 1852 (Trier 1853) 7-9, 1853 (Trier 1854)
11 und 1855 (Trier 1856) 54.
Lit.: Josef Steinhausen, Archäologische Siedlungskunde
des Trierer Landes, Trier 1936, 18, 25, 42 und 324; - Der Weltklerus
der Diözese Trier seit 1800, hrsg. vom Diözesanarchiv, Trier 1941,
254 und 427; - Alois Thomas, Archivalische und historische Arbeiten
im Bistum Trier unter Bischof Josef von Hommer (1824- 1836), in: Archiv
für mittelrheinische Kirchengeschichte 1 (1949) 183-208, 206 f.;
- Klaus Jung, Pfarrer Johann Ost, der Eifeler Kulturhistoriker
aus dem St. Wendeler Land, in: Saarländische Volkszeitung vom 19.10.1950;
- Klaus Mark, Eifelforscher Pfarrer Johannes Ost, in: Trierische
Landeszeitung 81 Jg. Nr. 222 vom 24./25.9.1955. Beilage: Die Porta;
- Ders., Einem Eifelforscher zum Gedächtnis, in: Die Eifel 56
(1961) 201; - H.-Kl. Schmitt, Artikel Ost, in: Kurzbiographien
vom Mittelrhein und Moselland, Trier 1967- 1975, 180; - Katharina
M. Reidel, Geschichte der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu
Trier (1801- 1900). Wissenschaftliches Streben der bürgerlichen Gesellschaft
im Trierer Raum während des 19. Jahrhunderts, Trier 1975, 83 und 161;
- Anton Sartoris, Eiflia non cantat, in: Die Eifel 73 (1978) 86 f.;
- Ders., Hab oft im Kreise der Lieben... Betrachtung zur Geschichte
des Chorgesangs, in: Heimatjahrbuch des Kreises Daun 1990, 196-199;
- Martin Persch, Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975.
Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer
theologische Forschungen Bd. 44) Trier 1987, 134-136; - Ders.,
Eiflia non cantat?, in: Heimatjahrbuch des Landkreises Daun 1989, 227-232.