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Band VI (1993)Spalten 1316-1317 Autor: Martin Persch

OST, Johann, Kulturhistoriker, * 5.1. 1806 in Alsfassen (St. Wendel), + 5.6. 1871 (Sterbeort bleibt unbekannt). - O. entstammte einer bäuerlichen Familie und wurde nach dem Studium der katholischen Theologie am 18.9. 1830 in Trier zum Priester geweiht. In den Folgejahren bekleidete er Kaplanstellen in Neunkirchen sowie Bitburg und amtierte ab 1834 als Pfarrer in Limbach, ab 1847 in gleicher Funktion in Kelberg und seit dem 1.12. 1851 als Pastor von Demerath. Dieses Eifeldörfchen, in dem er bis zur Emeritierung 1869 wirkte, war der eigentliche Ort seiner kulturhistorischen und sonstigen Aktivitäten. Nicht weniger als 118 vorzeitliche Grabhügel, 30 befestigte Plätze, Landgräben, Burgen, Römerstraßen, Wüstungen und Höfe hat er erforscht und beschrieben. O. war korrespondierendes Mitglied der bedeutenden Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen, gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten Eifelforscher des 19. Jahrhunderts und hat sich auch als Musiker einen Namen gemacht. Bei der Erstellung des weit über die Grenzen des Bistums hinaus bedeutsamen ersten Trierer Diözesangesangbuchs hat er sich energisch für die Beibehaltung bzw. Wiederbelebung des lateinischen Chorals engagiert, ohne jedoch bei den zeitgenössischen restaurativen Tendenzen die seelsorgerlichen Belange aus dem Auge zu verlieren und etwa das gesamte muttersprachliche Liedgut aus dem Gottesdienst zu eliminieren. Treffend hat O. die Misere in den Kirchen geschildert: der Choral werde nicht gut vorgetragen, sondern »bis zu einem wilden Jagdgeschrei intoniert, zu hastig, lückenhaft etc. ohne Zusammenhang und holpericht« gesungen. Dies liege vor allem darin begründet, daß zu wenig ausgebildete Kirchenchöre bestünden; in aller Regel sei zu beobachten, daß »da ein schmächtiges Schulmeisterlein ganz allein in der Kirche an dem schweren Choral sich abmüht.« O. hat für seinen Kirchenchor mehrstimmige Messen und einige Motetten geschrieben. Seine Kompositionen sowie seine »Antiquarische Beschreibung des Kreises Daun« sind verschollen, weil zur Zeit des Dritten Reiches sein Nachlaß im Geburtshaus zu Alsfassen unverständigerweise einer »Entrümpelung« zum Opfer gefallen ist.

Werke: Über den Steinring bei Gerolstein, die Dezenlei genannt, in: Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier vom Jahre 1854 (Trier 1855) 12-13; Geschichte der ehemaligen Herrschaft und des Hochgerichtes zu Wollmerath, in: Jahresbericht a.a.O. 1856 (Trier 1857) 27-41, 1858 (Trier 1859) 35-43 und 1859 /60 (Trier 1861) 30-34; Die Wallfahrt nach Jerusalem, oder Ludwig von Deudesfeld, Kreuzfahrer, Pilger und Priester. Eine Erzählung aus den Jahren 1187-1250. Aus: Dauner Kreis-Blatt 1861; Die Entersburg bei Bertrich, in: Jahresbericht a.a.O. 1858 (Trier 1859) 34-35; Die Grabmäler in der Kirche zu St. Wendel: a.a.O. 35; Weitere archäologische Berichte in: Jahresbericht a.a.O. 1852 (Trier 1853) 7-9, 1853 (Trier 1854) 11 und 1855 (Trier 1856) 54.

Lit.: Josef Steinhausen, Archäologische Siedlungskunde des Trierer Landes, Trier 1936, 18, 25, 42 und 324; - Der Weltklerus der Diözese Trier seit 1800, hrsg. vom Diözesanarchiv, Trier 1941, 254 und 427; - Alois Thomas, Archivalische und historische Arbeiten im Bistum Trier unter Bischof Josef von Hommer (1824- 1836), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 1 (1949) 183-208, 206 f.; - Klaus Jung, Pfarrer Johann Ost, der Eifeler Kulturhistoriker aus dem St. Wendeler Land, in: Saarländische Volkszeitung vom 19.10.1950; - Klaus Mark, Eifelforscher Pfarrer Johannes Ost, in: Trierische Landeszeitung 81 Jg. Nr. 222 vom 24./25.9.1955. Beilage: Die Porta; - Ders., Einem Eifelforscher zum Gedächtnis, in: Die Eifel 56 (1961) 201; - H.-Kl. Schmitt, Artikel Ost, in: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, Trier 1967- 1975, 180; - Katharina M. Reidel, Geschichte der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier (1801- 1900). Wissenschaftliches Streben der bürgerlichen Gesellschaft im Trierer Raum während des 19. Jahrhunderts, Trier 1975, 83 und 161; - Anton Sartoris, Eiflia non cantat, in: Die Eifel 73 (1978) 86 f.; - Ders., Hab oft im Kreise der Lieben... Betrachtung zur Geschichte des Chorgesangs, in: Heimatjahrbuch des Kreises Daun 1990, 196-199; - Martin Persch, Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Forschungen Bd. 44) Trier 1987, 134-136; - Ders., Eiflia non cantat?, in: Heimatjahrbuch des Landkreises Daun 1989, 227-232.

Martin Persch

Letzte Änderung: 18.07.1998