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Band XVI (1999)Spalten 1183-1185 Autor: Johannes Madey

PALEY, William, * 1743, † 1805, anglikanischer Geistlicher, Philosoph und Theologe. Seine akademische Ausbildung erhielt P. am Christ's College in Cambridge, wo er wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten bald auffiel. Bereits im Alter von 23 Jahren wurde er 1766 Fellow dieses Universitätskollegs. Im Jahre 1776 wurde er Rektor in Musgrave (Cumbria) und 1782 Archidiakon in Carlisle. Sein erstes Buch erschien 1785 unter dem Titel »The Principles of Moral and Political Philosophy«. Sein Erfolg war durchschlagend: Die Universität Cambridge nahm es unter ihre Lehrbücher auf. Es enthält ein System utilitaristischer Ethik, das zwar auf weite Strecken mit dem von J. Bentham identisch ist, jedoch unabhängig von diesem konzipiert ist. Der wesentliche Unterschied zwischen Bentham und P. liegt darin, daß letzterer den christlichen Glauben an ein Leben nach dem Tode nicht unberücksichtigt läßt. P.s einziges originelles Werk dürfte jedoch wohl das 1890 unter dem Titel »Horae Paulinae« veröffentlichte sein. Hier unternimmt der Verf. den Versuch, die Historizität der im NT berichteten Ereignisse durch einen Vergleich der Aussagen der Paulusbriefe und der Apg zu beweisen. Zu einem Klassiker wurde 1794 »A View of the Evidences of Christianity«. Obwohl es im wesentlichen nur etwas mehr als eine Zusammenstellung der im 18. Jahrh. gängigen Argumente ist, machten das Werk seine Aufmachung, die wirksame Darstellung der Tatsachen und der hervorragende literarische Stil äußerst popoulär. Das letzte Buch P.s. war »Natural Theology«; es erschien 1802. In diesem Buch unternimmt P. den Versuch, das Dasein und die Attribute Gottes aus den Erscheinungen der Natuer nachzuweisen. Wegen seiner literarischen Verdienste erhielt P. eine Reihe von Ehrungen. Alle seine bedeutenderen Veröffentlichungen haben das Ziel, verständliche und zwingende Argumente für die Verteidigung von Kirche und Staat zu liefern, die sich den Herausforderungen der beginnenden Aufklärungszeit und der französischen Revolution gegenübersahen.

Werke: A. Chalmers (Hrsg.), 5 Bde, London 1819 [enthält auch eine Lebensbeschreibung]; E. Paley [Sohn von W. P.] (Hrsg.), 7 Bde, London 1825; R. Lynam (Hrsg.), 4 Bde, 1825 [enthält auch Erinnerungen],

Lit.: G. W. Meadley, Memoirs of William Paley, 1809; - M. L. Clarke, Paley: Evidences for the Man, 1974; - D. L. LeMahieu, The Mind of William Paley, Lincoln, Nebr., 1976; - J. B. Schneewind, Sidgwick's Ethics and Victorian Moral Philosophy, Oxford 1977, bes. 122-151 und passim; - P. Addinall, Philosophy and Biblical Interpretation, Cambridge 1991, bes. 35-55; - A. M. C. Waterman, Revolution, Economics and Religion: Christian Political Economy, 1793-1833, Cambridge 1993, 133-136; - N. Stephen, in: DNB XLIII, 101-107; - F. L. Cross [+ 1968]-E. A. Livingstone (Hrsg.), The Oxford Dictionary of the Christian Church, Oxford 31997, 1210.

Johannes Madey

Literaturergänzung:

1995

Neil Hitchin, Probability and the word of God. W.P.'s Anglican method and the defense of the scriptures, in: AThR 77.1995, S. 392ff.; -

2007

Graham A. Cole, W.P.'s "Natural theology". An Agnlican classic?, in: JASt 5.2007, S. 209-225; -

2009

John F. Owens, P., Aristotle and the artefact analogy, in: Coll 41.2009, S. 204-215.

Letzte Änderung: 25.02.2010