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Band XV (1999)Spalten 1166-1182 Autor: Klaus-Gunther Wesseling

PIRENNE, Henri, belgischer Historiker und Orientalist, * 22.12. 1862 in Verviers, † 24.10. 1935 in Uccle (Ukkel) bei Brüssel. - P., ältestes von acht Kindern des Textilindustriellen Lucien-Henri Pirenne und dessen Gattin Virginie Duesberg, absolvierte seine Schulzeit am Collège communal (später: Athénée royal) seiner Heimatstadt; herausragendes Ereignis seiner Schulzeit ist seine Ansprache an den belgischen Monarchen Leopold II. (9.4. 1835 - 17.12. 1909, reg. ab 1865) mit einem Huldigungsgedicht, als dieser 1878 in Verviers die Staustufe der Gileppe einweihte. Im Oktober 1879 bezieht P. die Universität von Lüttich (Liège) zum Studium der Rechtswissenschaften. Auf väterlichen Wunsch hätte P. Ingenieur werden sollen, doch scheiterte dieses Vorhaben an P.s mathematischen Fertigkeiten. Den entscheidenden Anstoß empfängt P. von Godefroid Kurth († 5.1. 1916), dem nachmaligen Leiter des Belgischen Historischen Instituts in Rom. Kurth hatte 1874 durch die am deutschen Universitätsvorbild orientierte Einführung des historischen Seminars das Geschichtsstudium reformiert. Kurth weckt P.s Interesse an mittelalterlicher Geschichte, und so wendet sich P. von der Jurisprudenz zur Fachhistorie. Am 6.7. 1883 wird P. in Lüttich mit seiner Arbeit über die mittelalterliche Verfassungsgeschichte Dinants promoviert; sie ist zugleich die mit einem Reisestipendium ausgezeichnete Arbeit, die P. an der Universität eingereicht hatte. Mit dieser Arbeit kündigt sich der historiographische Schwerpunkt der Forschungen P.s bereits an: das Problembewußtsein für mittelalterliches Städtewesen (vgl. Medieval Cities. Their origins and the revival of trade, Princeton 1925; revidierte frz. Fassung: Les villes du moyen âge. Essai d'histoire économique et sociale, Bruxelles 1927) dürfte Gustav Schmoller (s.d., s.u.) mit dem Hinweis geweckt haben, daß die zwei wichtigsten Geschichtsdaten nach dem Untergang des imperium Romanum die Stadtentwicklung im Mittelalter und die Eisenbahn im 19. Jahrhundert darstellen. - 1883/1884 setzte P. seine Studien in Leipzig beim Historiker und Paläographen Wilhelm Ferdinand Arndt (27.9. 1838 - 10.1. 1895) und in Berlin beim Diplomatiehistoriker Harry Breßlau (22.4. 1848 - 27.10. 1926) sowie dem Wirtschaftshistoriker Gustav Schmoller fort. Außerden begegnet P. wiederholt dem Leiter der »Monumenta Germaniae Historica« (MGH), Georg Waitz (9.10. 1813 - 24.5. 1886), sowie dessen Lehrer, dem Nester der Geschichtswissenschaften Leopold von Ranke (s.d.). Das akademische Jahr 1884/1885 verbringt P. in Paris an der École des Chartes und die École pratique des Hautes Études und läßt sich von Jean-Marie-Joseph Arthur Giry (29.2. 1848 - 13.11. 1899), Gabriel Monod (7.3. 1844 - 10.4. 1912) und Marcel Thévenin in der Diplomatik und historischen Methodologie fortbilden. Gastweise hört P. an der Sorbonne Numa-Denis Fustel de Coulanges (18.3. 1830 - 12.9. 1889). - Die für 1884 vorgesehene Lütticher Lehrbeauftragung P.s für Paläographie und Diplomatik scheitert am Widerstand des konservativ-katholischen Kabinetts Woeste-Jacobs, kann aber im darauffolgenden Jahr durchgesetzt werden. 1886 wechselt P. als Extraordinarius für mittelalterliche und belgische Geschichte sowie geschichtliche Landeskunde an die Universität Gent (Gand), und 1899 avanciert P. zum Lehrstuhlinhaber, hier bis zu seiner am 20.5. 1930 ausgesprochenen Emeritierung lehrend; sein Nachfolger wurde François L. Ganshof. Internationalen Protest rief P.s Verhaftung am 18.3. 1916 durch das deutsche Heer hervor; P.s Inhaftierung erfolgte infolge seiner Weigerung, pangermanischen Bestrebungen die Hochschule zu öffnen und die Kriegszielpolitik der Invasionsmacht zu unterstützen. P. wurde zunächst in das Internierungslager Krefeld gebracht, dann in Holzminden (12.6.), Jena (24.6.) und schließlich im thüringischen Kreuzburg (24.1. 1917) interniert, und kehrte erst im November 1918 nach Gent zurück. In Kreuzburg schreibt P., der hier nicht wie in Jena auf eine Bibliothek zurückgreifen konnte, seine »Histoire de l'Europe. Des invasions au XVIe siècle« nieder, die allerdings erst posthum publiziert wurde. P.s Geschichte Europas vom Ende der Römerzeit an reicht nur bis in die Frühneuzeit, da mit der Niederschrift dieses Abschnittes infolge der Kapitulation im Wald von Compiègne (11.11. 1918) P.s Internierungszeit endet. Ermöglicht wurde P.s gesamteuropäisches Geschichtsbild durch kriegsbedingte Begegnungen mit Russen (deren Sprache P. dann auch erlernte), die sein Blickfeld um den byzantinisch-levantinischen und slawischen Kulturraum erweiterten. - Vom Frühjahr 1919 bis Oktober 1922 amtiert P. als Nachfolger seines Historikerkollegen Paul Fredericq als Universitätsrektor. - Für seine am 18. 8. 1931 vollendete monumentale siebenbändige »Geschichte Belgiens« (Historie de Belgique, 1900-1932), an der P. dreieinhalb Jahrzehnte arbeitete und zu deren Skizzierung P. vom befreundeten Leipziger Kulturhistoriker Karl Lamprecht (s.d.) ermuntert worden war, der das Interesse P.s auf wirtschaftshistorische Fragen lenkte und ihm in der »Westdeutsche[n] Zeitschrift für Geschichte und Kunst« als Publikationsorgan der »Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde« früh Veröffentlichungsmöglichkeiten einräumte, erhielt P. 1901 den großen belgischen Königspreis. In ihr, die P. keineswegs letztgültig deuten wollte, skizziert P. nicht nur die politische Landesgeschichte im Spannungsfeld der europäischen Mächte über den Verfall des burgundischen Staates und seiner Territorien, die spanische, später habsburgische Dominanz der Niederlande bis hin zur Staatenwerdung der Flamen und Wallonen (1830) und der Geschichte Belgiens bis zum Ersten Weltkrieg, sondern bezieht Gesellschaft-, Kultur, Kunst, Religions- und Wissenschaftsgeschichte in den Interpretationshorizont ein. Einen deutlichen Akzent legt P. auf die Wirtschaftsgeschichte, in der P. auch in zahlreichen Einzelveröffentlichungen Glanz und Niedergang der flandrischen Textilindustrie paradigmatisch für frühkapitalistische Produktionsweise und -folgen illustriert, sowie auf die Prozesse der Stadtwerdung im 10. und 11. Jahrhundert und die urbane Verfassungsgeschichte. Handelsstädte sind nach P. nicht aufgrund von Marktprivilegien entstanden, sondern gehen primär auf Händlerkolonien zurück, wie sich überhaupt die Stadtentwicklung weniger den herrschaftlichen oder klösterlichen Gründungen verdankt, sondern wirtschaftsgeographischer Faktoren (Les villes du moyen âge. Essai d'histoire économique et sociale, 1927; Les villes et les institutions urbaines, 1939 [Sammelwerk]): in der karolingischen Zeit waren Städte, die aus den römischen civitates hervorgegangen waren, lediglich durch ihre Befestigung markant. Ihre Wirtschaftsstellung hatten sie allerdings an die Landwirtschaft abgetreten und konnten sie erst im 10. und 11. Jahrhundert mit dem Wiederaufleben der Handelsbeziehungen zurückgewinnen. Stadt- und Burgfrieden sieht P. anders als der Rechtshistoriker Siegfried Rietschel († 21.9. 1912), der ansonsten zu ähnlichen Resultaten in der Erforschung des mittelalterlichen Städtewesens gelangte (Die Civitas auf deutschem Boden, Leipzig 1894; Markt und Stadt in ihrem rechtlichen Verhältnis, Leipzig 1897), nicht als identisch an. So sehr P.s Detailtreue gewürdigt wurde, hielt ihm die Kritik jedoch auch vor, letztlich einen den belgischen Nationalstaat legitimierenden Standpunkt eingenommen, dabei den südlichen (flandrischen) größere Aufmerksamkeit als den nördlichen (wallonischen) Provinzen geschenkt zu haben. P. veröffentlichte mehrere Beiträge zur historischen Demographie und besorgte darüber hinaus zahlreiche Texteditionen wie den Bericht über die Ermordung des flandrischen Fürsten Karls des Guten (1127) von Galbert von Brügge oder das Polyptychon des Abtes Wilhelm von St. Trond (1259-1279). - P. trat mit einem neuen Zäsurvorschlag für die Bezeichnung der Grenze zwischen Antike und Mittelalter hervor, die er sowohl an einem Strukturwandel des mediterranen Handels und dem damit einhergehenden Verfall der Stadtkulturen ablesen zu können meinte als auch am Ende der abendländisch-lateinischen Kultureinheit durch das Vordringen des Islams; dessen Behinderung des Papyrusimports führt zum Niedergang der breiten Schriftbildung von Laien und Händlern der Merowingerzeit, so daß in der Karolingerzeit Schriftkundigkeit zunehmend zum klerikalen Standesprivileg wird. Kirchengeschichtlich führte der vordringende Einfluß der islamischen Welt zur Entfremdung von Rom und Byzanz, die sich theologisch immer weiter auseinander entwickelten, schließlich zur Isolierung Roms, das seinerseits durch die Päpste (s.d.) Zacharias und Stephan II. die Allianz mit dem Karolinger Pippin dem Jüngeren (* um 715, † 24.9. 768) gegen die Langobarden und somit auch gegen Byzanz einging. - Pointiert lautet die sog. P.-These, daß ohne (s.d.) Mohammed Karl der Große undenkbar wäre. Hatte der österreichische Kultur- und Wirtschaftshistoriker Alfons Dopsch (14.6. 1868 - 1.9. 1953) zuvor die These der kulturellen Kontinuität von Spätantike und Frühmittelalter vertreten, sich also gegen die katastrophenhistoriographische Sicht gewandt, daß das »finstere Mittelalter« (so jedenfalls die Perspektive seit Edward Gibbon [8.5. 1737 - 16.1. 1794], The History of the Decline and Fall of the Roman Empire, 1776-1778) als Folge der germanischen Völkerwanderung den Kulturverfall des Prinzipats besiegelt habe, so bestätigt P. zunächst die Kontinuität von Spätantike und Merowingerreich durch die Überlegung, daß die Fremdvölker im Rahmen ihrer Möglichkeiten um die kulturelle und infrastrukturelle Wahrung des ohnehin im Verfall begriffenen Erbes der griechisch-römischen Tradition bemüht waren. Erst die Expansion des Islams störte den wirtschaftsgeographischen Mittelmeerraum und ermöglichte so den Aufstieg der die Merowinger verdrängenden Karolinger. Die wirtschaftliche Abtrennung vom westlichen, nördlichen und östlichen Mittelmeerraum verlagerte das europäische Zentrum nördlich der Alpen und führte zur Binnenlandkonzentration. An die Stelle der noch von Goten und Germanen adaptierten und bewahrten Ordnungsrahmen tritt die einfache Form der Grundherrschaft als Kern des sich dann ausprägenden Feudalsystems. Erst mit dem ersten Kreuzzug (1076) sucht der Westen wieder Anschluß an die Welt des Ostens. Diese These, 1922 als Aufsatz publiziert (Mahomet et Charlemagne), 1923 in einem Folgebeitrag für den Sechsten Internationalen Historikerkongreß in Oslo untermauert (Un contraste économique. Mérovingiens et Carolingiens) und von P. als Monographiemanuskript hinterlassen (Mahomet et Charlemagne, 1937), stieß auf ein geteiltes Echo. Durch die Übertragung des Bonner Mediävisten und Neuzeithistorikers Paul Egon Hübinger (4.2. 1911 - 26.6. 1987) von P.s erst posthum veröffentlichter Monographie, der das Brüsseler öffentliche Kollegium vom Winter 1931 zugrundeliegt und deren Titel evtl. auf eine Bemerkung Leopold von Rankes (1884, vgl. Hübinger, Einl. [s.u.], VIII), wurde die P.-These in Deutschland propagiert und wirkte zunächst insofern irritierend, als unter dem Eindruck der einsetzenden völkischen Geschichtsideologie die Fachhistorie um die Klärung des Germanisch-Deutschen an Karl dem Großen gegenüber der eher universalen Sicht Charlemagnes bemüht war, zerstörte P. doch die Ansicht, daß es eben nicht die Germanen waren, deren Eindringen in den römischen Raum die Formation der Welt des Mittelalters initiierte, sondern die muslimische Kulturwelt entscheidende Impulse vermittelte. Trotz der Schwierigkeiten, sie im Ganzen am urkundlichen Material überprüfen zu können (Alfons Dopschs Schülerin Erna Patzelt hat entsprechende Nachweislücken moniert), ist sie dennoch reizvoll, da sie ein Interpretationsmodell für strukturelle Verschiebungen im frühmittelalterlichen Handelssystem, gerade auch im Hinblick auf den Warenverkehr mit Luxusgütern, bietet. Modifiziert wurde die P.-These durch die an P.s Arbeiten anknüpfende Theorie, daß die Wirtschaftsgeschichte Westeuropas insgesamt vom 8. bis 11. Jahrhundert durch die Geldpolitik der islamischen Welt beherrscht wurde, wie das schwankende Münzgewicht belegt. Erwiesen sich nach und nach die Argumente P.s als revisionsbedürftig, so liegt der bleibende, heuristische Wert der P.-These in der Erfordernis, die Frage nach Kontinuität und Traditionsabbruch im Übergang von antiker zu frühmittelalterlicher Welt erneut zu stellen, die gängigen Annahmen zu hinterfragen und die Interpretation verfügbarer Geschichtsquellen bei veränderten Fragestellungen zu revidieren. - Zu P.s direkten Schülern zählen u.a. Ganshof, Guillaume Des Marez (15.8. 1870 - 2.11. 1931), Henri Laurent, Fritz Quicke, Etienne Sabbe, Fernand Vercauteren (3.8. 1903 - 12.2. 1979) und Charles Verlinden (* 3.2. 1907). P. wurde 1898 zum korrespondierenden, 1903 zum ordentlichen Mitglied der Académie royale de Belgique gewählt. Der Commission royale d'Histoire gehörte P. seit 1891 an, deren Leitung als Sekretär er 1907 übernahm. Unter seiner Federführung entstand die neue Publikationsreihe der »Actes des princes belges«. Ferner stand P., der sich im Nachkriegsbelgien um die Wissenschaftsorganisation, Forschungsförderung und die internationalen Wissenschaftsbeziehungen verdient machte, von 1982 bis 1935 der historischen Kommission des Nationalen Wissenschaftsfonds (Fonds National de la Recherche Scientifique) vor. 1923 leitete P., der 1926 zu den Gründungsmitgliedern des Internationalen Kommitees der Geschichtswissenschaften gehören wird, den Fünften Internationalen Historikerkongreß in Brüssel, den der mit einem programmatischen Vortrag über vergleichende Methoden und Objektivität in der Geschichtsforschung eröffnete. 1902 und 1921 wurde P., der großen Wert auf sprachliche Eleganz der Historiographie legte, mit dem »Prix quinquennal d'histoire nationale« ausgezeichnet; 1923 war P. Preisträger des erstmals verliehenen »Prix Francqui«. - P. heiratete am 19.12. 1887 Jenny Vanderhaegen († 19.3. 1948); aus der Ehe gingen vier Söhne hervor (Henri-Édouard Pirenne, Philosoph [18.10. 1888 - 28.5. 1938]; Jacques Pirenne, Jurist [* 26.6. 1891]; Pierre [19.1. 1895 - 3.11. 1914]; Robert Pirenne, Hofbeamter [28.12. 1900 - 22.4. 1931]).

Werke: Sedulius de Liège (Mémoires couronnés et autres mémoires publiés par l'Académie royale de Belgique. Collection in-8o, XXXIII,4), Bruxelles 1882; La Politique de Gérard de Groesbeck, prince-évêque de Liège, pendant le gouvernement de Don Juan d'Autriche dans les Pays-Bas (4 novembre 1576-1er octobre 1578), Gand 1884; De l'organisation des études d'hist. provinciale et locale en Belgique: Westdt. Zschr. f. Gesch. u. Kunst 4 (1885), 113-138; Hist. de la constitution de la ville de Dinant au moyen-âge (Université de Gand. Recueil de travaux publiés par la Faculté de philos. et lettres, 2), Gand 1889; Galbert de Bruges, hist. du meurtre du comte de Flandre, Charles le Bon (1127-1128), suivie de poésies contemporaines sur cet événement, publ. avec introduction et notes (Collection de textes pour servir à l'étude et à l'enseignement de l'hist. [Collection Picard] 10), Paris 1891; Bibliogr. de l'hist. de Belgique. Catalogue méthodique et chronologique des sources et des ouvrages principaux rélatifs à l'hist. de tous les Pays-Bas jusqu'en 1598 et à l'hist. de Belgique jusqu'en 1830, Gand 1893, Bruxelles/Gand 19022. Bibliogr. de l'hist. de Belgique. Catalogue méthodique et chronologique des sources et des ouvrages principaux relatifs à l'hist. de tous les Pays-Bas jusqu'en 1598 et à l'hist. de Belgique jusqu'en 1914. 3ème édition revue et complétée avec la collaboration de Henri Nowé et Henri Obreen, Bruxelles 1931 (1932); L'origine des constitutions urbaines au moyen-âge: RevHist 53 (1893), 52-83; 57 (1895), 57-98. 293-327; La chancellerie et les notaires des comtes de Flandre avant le XIIIe siècle, in: Mélanges Jules Havet. Recueil de travaux d'érudition dédiés à la mémoire de Julien Havet 1853-93 (Paris 1895), 733-748; De l'organisation des études d'hist. provinciale et locale en Belgique: Westdt. Zschr. f. Gesch. u. Kunst 4 (1885), 113-138; Le livre de l'abbé Guillaume de Ryckel. Polyptyque et comptes de l'abbaye de Saint-Trond au milieu du XIIIe siècle. Publiés par H. P., Bruxelles 1896; Les sources de la cronique de Flandre jusqu'en 1342, in: Études d'hist. du moyen-âge dédiées à Gabriel Monod (Paris 1896), 361-371 (auch separat Paris 1896); Une polémique historique en Allemagne: RevHist 64 (1897), 50-57 (auch separat Nogent-le-Rotrou 1897); Documents relatifs à l'hist. de la Flandre pendant la première moitié du 14ème siècle. Note supplément: Compte rendu des séances de la commission royale d'hist. de l'académie de Belgique 7 (1897), 477-493; L'Ancienne Chronique de Flandre et la Chronographia regum Francorum' (Bull. de la Commission royale d'hist. de Belgique, 5ème Sér., T. VIII,3), Bruxelles 1898; L'ancienne chronique de Flandre et la Chronographia regum Francorum': Compte rendu des séances de la commission royale d'hist. de l'académie de Belgique 8 (1898), 199-208; Villes, marchés et marchands au moyen-âge: RevHist 67 (1898), 59-70 (auch separat Nogent-le-Rotrou 1898); La Hanse flamande de Londres (Bull. de l'Académie royale de Belgique, 3e sér. XXXVII,2,1), Bruxelles 1899; La Hanse flamande de Londres (Supplément à la Rv. de l'instruction publique en Belgique, 1899,1), Bruxelles 1899; La Nation belge. Discours. 4ème édition, Bruxelles 1899; Note sur un passage de Van Velthem relatif à la bataille de Courtrai: Compte rendu des séances de la commission royale d'hist. de l'académie de Belgique 5ème Sér. 9 (1899), 202-222; Georges Espinas/H. P., Les coutumes de la gilde de marchande de Saint-Omer: MA 2.Ser 5 [14] (1901), 189-196 (auch separat Paris 1900); Hist. de Belgique. I: Des Origines au commencement du 14ème siècle, Bruxelles 1900. 2ème éd., revue et corrigée, Bruxelles 1902, 19295. II: Du Commencement du 14ème siècle à la mort de Charles le Téméraire avec une carte des Pays-Bas à la fin du 14ème siècle, Bruxelles 1902. III: De la Mort de Charles le Téméraire à l'arrivée du duc d'Albe dans les Pays-Bas (1567), Bruxelles 1907. IV: La Révolution politique et religieuse. Le Régne d'Albert et d'Isabelle. Le Régime espagnol jusqu'à la paix de Munster (1648), Bruxelles 1911. V: La Fin du régime espagnol. Le Régime autrichien. La Révolution brabançonne et la révolution liégeoise, Bruxelles 1921. VI: La Conquête française. Le Consulat et l'empire. Le Royaume des Pays-Bas. La Révolution belge, Bruxelles 1926. VII: De la Révolution de 1830 à la guerre de 1914, Bruxelles 1932 (dt.: Gesch. Belgiens. Übers. des frz. Ms. v. Fritz Arnheim. Bd. 1: Bis z. Anfang des 14. Jhdt., Gotha 1899 [Gesch. der europäischen Staaten, hrsg. v. A. B. C. Heeren, F. A. Ukert, Wilhelm v. Giesebrecht u. Karl Lamprecht].- Bd. 2: Bis z. Tode Karls des Kühnen [1477], Gotha 1902. Bd. 3: Vom Tode Karls des Kühnen [1477] bis z. Ankunft des Hzg. v. Alba [1567], Gotha 1907. Bd. 4: Von der Ankunft des Hzg. v. Alba [1567] bis z. Frieden v. Münster, Gotha 1915 [Allgemeine Staatengesch., hrsg. v. Karl Lamprecht, XIII,1-3]; holl.: Geschiedenis van België, 7 Bde., Gent 1902-1933); Le soulèvement de la Flandre maritime de 1323-1328. Documents inédits, publiées avec une introduction par H. P., Bruxelles 1900; Chronique rimée de troubles de Flandre en 1379-1380, publiée, avec une introduction et des notes, par H. P. (Publiction extraordinaire de la Soc. d'hist. et d'archéologie de Gand, 1), Gand 1902; La bulle fausse de Nicolas I. pour le monastère de St. Pierre à Gand: Compte rendu des séances de la commission royale d'hist. de l'académie de Belgique 71 (1902), 156-172; Les dénombrements de la population d'Ypers au 15e siècle 1412-1506; contribution à la statistique sociale du moyen-âge: Vjschr. f. Soz.- u. Wirtschaftsgesch. 1 (1903), 1-32; Les documents d'archives comme source de la démographie historique, in: Actes du XIe Congrès internat. d'Hygiène et de Démographie (Bruxelles 1903); Le rôle constitutionel des États généraux des Pays-Pas en 1477 et en 1488, Bruxelles 1904; Dinant dans la Hanse teutonique, Naumr 1904; Les marchands-batteurs de Dinant au 14ème et au 15ème siècle. Contributions à l'hist. du commerce en gros au moyen-âge: Vjschr. f. Soz.- u. Wirtschaftsgesch. 2 (1904), 442-449; Une crise industrielle au XVIe siècle. La draperie urbaine et la »nouvelle draperie« en Flandre, Bruxelles 1905; [Vorwort z.:] Entretiens sur la Belgique d'autrefois, Bruxelles 1905; Les villes flamandes avant le XIIème siècle: Annales de l'Est et du Nord 1 (1905), 9-32 (auch separat Paris 1905); Cartulaire de la ville de Gand publié sous la direction de V.Van der Haaghen et H. P. 2e sér., Gand 1906; Georges Espinas/H. P., Recueil de documents relatifs à l'hist. de l'industrie drapière en Flandre. Première partie: Des origines à l'époque bourguignonne, T. 1-4 (Publications de l'Académie royale de Belgique. Commission royale XXXIV,1-4). I. Aire-sur-la-Lys. Courtrai, Bruxelles 1906. II. Deynze-Hulst, Bruxelles 1909. III. La Gorgues-Ypres, Bruxelles 1920. IV. Suppléments et tables, Bruxelles 1924. Additions au Recueil de documents relatifs à l'hist. de l'industrie drapière en Flandre (Bull. de la Commission royale d'hist. XCIII), Dison 1929; Note sur la fabrication des tapisseries en Flandre au 16ème siècle: Vjschr. f. Soz.- u. Wirtschaftsgesch. 4 (1906), 325-339; The formation and constitution of the Burgundian state, 15th and 16th centuries: AHR 13 (1907/1908), 477-502; Album belge de diplomatique. Recueil de facsimilés pour servir à l'étude de la diplomatique des provinces belges au moyen âge, Bruxelles 1908; Draps de Frise ou draps de Flandre? Un petit problème d'hist. économique à l'époque carolingienne: Vjschr. f. Soz.- u. Wirtschaftsgesch. 7 (1909), 308-315; Les anciennes démocraties des Pays-Bas (Bibliothèque de philos. scientifique), Paris 1910 (engl.: Belgian Democracy, its early hist. Translated by J. V. Saunders [Publications of the Manchester Victoria University, Historical Ser., 27], Manchester 1915); Les étapes de l'hist. sociale du capitalisme, in: Bull. de l'Académie royale de Belgique, Classe de Lettres, 1914 (engl.: The stages in the social hist. of capitalism: AHR 19 [1913/1914], 494-515); [Vorwort z.:] Camille Buffin, La jeunesse de Léopold Ier, Bruxelles 1914; Le Pangermanisme et la Belgique, Bruxelles 1919; Souvenirs de captivité en Allemagne (mars 1916-novembre 1918) (Collection du »Flambeau«), Bruxelles 1920; [Vorwort z.:] Albert Henry, Études sur l'occupation allemande en Belgique, Bruxelles 1920; [Vorwort z.:] Joseph Cuvelier, L'Invasion allemande, Bruxelles 1921; Mahomet et Charlemagne: Rv. Belge de philologie et d'hist. 1 (1922), 77-86 (Wiederabdr. in: Paul Egon Hübinger [Hrsg.], Bedeutung u. Rolle des Islam beim Übergang v. Altertum z. MA [Wege der Forsch. 202] [Darmstadt 1968], 1-9); Notice sur Godefroid Kurth, Bruxelles 1923; De la méthode comparative en hist., in: Guillaume Des Marez/François L. Ganshof, Compte rendu du Ve Congrès internat. des Sciences historiques (Bruxelles 1923); Un contraste économique. Mérovingiens et Carolingiens: Rv. Belge de philologie et d'hist. 2 (1923), 223-235 (Wiederabdr. in: Paul Egon Hübinger [Hrsg.], Bedeutung u. Rolle des Islam beim Übergang v. Altertum z. MA [Wege der Forsch. 202] [Darmstadt 1968], 10-21); Medieval Cities: their origins and the revival of trade. Translated by Frank D. Halsey, Princeton 1925, Repr.: Garden City 1956, 1969; Le fisc royal de Tournai, in: Mélanges d'hist. du moyen âge offerts à M. Ferdinand Lot par ses amis et ses élèves (Paris 1925), 641-648; Les villes du moyen âge. Essai d'hist. économique et sociale, Bruxelles 1927 (tschech. Prag 1932); Tanchelin et le projet de démembrement du diocèse d'Utrecht vers 1100 (Bull. de l'Academie Royale de Belgique, Classe des Lettres, 5ème sér. 13), Bruxelles 1927; La Belgique et la Guerre mondiale (Hist. économique et sociale de la Guerre mondiale, sér. belge), Paris/New Haven 1928; La duchesse Aleyde de Brabant et le »De regimine Indaeorum« de saint Thomas d'Aquin: Rv. néoscolastique de philos. 30 (1928), 193-205; Le commerce de papyrus dans la Gaule mérovingienne: Comptes rendus de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (Paris 1928), 178-191; La Belgique et la Guerre Mondiale, Oxford 1929; Northern Towns and Their Commerce, 1929; L'instruction des marchands au moyen-âge: Annales d'Hist. économique et sociale 1 (1929), 13-28; The Place of the Netherlands in the Economic Hist. of Medieval Europe: The Economic Hist. 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Leipzig e.V., Jg. 1992, H. 1) (Leipzig 1992), 54-63; - Ders., »Hist. nouvelle« u. dt. Geschichtswiss. Der Einfluß dt. Historiker auf die Herausbildung der Geschichtskonzeption v. Marc Bloch, in: Gerald Diesener (Hrsg.), Karl Lamprecht weiterdenken. Universal- u. Kulturgesch. heute (Btrr. z. Universalgesch. u. vergleichenden Gesellschaftsforsch. 3) (Leipzig 1993), 258-271; - Rudolf Vierhaus, Vom Nutzen u. Nachteil des Begriffs »Frühe Neuzeit«. Fragen u. Thesen, in: Frühe Neuzeit - Frühe Moderne? Forsch. z. Vielschichtigkeit v. Übergangsprozessen. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus u. Mitarbeitern des Max-Planck-Inst. f. Gesch. (Veröff. des Max-Planck-Inst. f. Gesch. 104) (Göttingen 1992), 13-25; - G. Della Pergola, La »fortuna« di H. P.: La critica sociologica. Rivista trimestrale 106 (1993), 112-114; - J. Tollebeek, De ijkmeesters. Opstellen over de geschiedeschrijving in Nederland en België, Amsterdam 1994.- Bibliogr., in: Mohammed u. Karl der Große. Die Geburt des Abendlandes. Mit Btrr. v. Francesco Gabrieli, André Guillou, Bryce Lyon, Jacques Henri Pirenne, Heiko Steuer (Stuttgart/Zürich 1987 = 19932), 301-304.- BNatBelge XXX (Supplément t. II, fasc. 1) (Bruxelles 1958), 671-719 [François L. Ganshof].

Klaus-Gunther Wesseling

Werkeergänzung:

2009

Europa im Mittelalter. Von d. Völkerwanderung bis zur Reformation. Köln 2009.

Literaturergänzung:

2003

Bryce Lyon. Henri Pirenne: Connu ou inconnu? in Revue belge de philologie d'histoire, 81 (2003), 1231-1241; -

2004

Hervé Hasquin. Henri Pirenne: un historien engagé, in Bulletin de la Classe des Lettres et des Sciences Morales et Politiques (Académie royale de Belgique), 14 (2004), 85-109; -

2006

Marc Boone. Henri Pirenne (1862-1935), Godfather van de Gentse historische school? in Handelingen der Maatschappij voor Geschiedenis en Oudheidkunde te Gent, Nieuwe reeks - LX, 2006, p. 3-19; -

2009

Jan Dumolyn. Henri Pirenne en het particularisme van de laatmiddeleeuwse Vlaamse steden: een deconstructie. In Revue Belge de Philologie et d'histoire, 86 (2008), p. 709-733.

Letzte Änderung: 19.12.2009