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Band XVI (1999)Spalten 1317-1329 Autor: Matthias Wolfes

REDEKER, Martin, evangelischer Theologe, * 21. Oktober 1900 in Bielefeld, † 14. Mai 1970 in Kiel. - R. wuchs als Sohn eines Schuldirektors in Bielefeld auf. Bereits als 16jähriger wurde er zum Kriegseinsatz eingezogen. 1918 legte er das sog. Notabitur ab und nahm 1919 das Theologiestudium in Bethel auf. Anschließend studierte er Theologie und Philosophie in Münster, Halle, Göttingen, Freiburg und Berlin. Er gehörte der Studentenverbindung »Wingolf« an. Im Frühjahr 1920 scheint R. den Putschisten um Wolfgang Kapp (1858-1922) nahegestanden zu haben. Zu seinen akademischen Lehrern gehörte u.a. Eduard Spranger (1882-1963). Während des 1928 absolvierten Vikariates war er zeitweise Assistent des Generalsuperintendenten der Kurmark und späteren Berliner Bischofs Otto Dibelius (1880-1967). 1926 wurde R. in Göttingen mit einer bei dem Systematischen Theologen Georg Wobbermin (1869-1943) verfaßten Dissertation über Wilhelm Herrmann zum Lic. theol. promoviert (Wilhelm Herrmann im Kampf um die positivistische Weltanschauung, Gotha 1928). Aufgrund einer Untersuchung zu Herders Pädagogik-Entwurf promovierte R. 1933 an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin auch zum Dr. phil. (Humanität, Volkstum, Christentum in der Erziehung. Ihr Wesen und gegenseitiges Verhältnis an der Gedankenwelt des jungen Herder für die Gegenwart dargestellt, Diss. Phil. Berlin 1933 [Teildruck]; Berlin 1934). Seit 1929 war R. Pfarrer und Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium in Templin. 1930 erhielt er eine Dozentur an der Pädagogischen Akademie (Hochschule für Lehrerausbildung) in Cottbus. Am 18. Februar 1933 erfolgte die Habilitation für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Münster (vgl. hierzu die Schilderung von Wilhelm Stählin: Via vitae. Erinnerungen, Kassel 1968, 289-290). Die Antrittsvorlesung hielt R. über »Nationale und christliche Erziehung«. Bis zum Sommersemester 1934 gehörte er der Münsteraner Fakultät als Privatdozent an. Zum 1. Oktober 1934 wurde ihm eine planmäßige außerordentliche Professur für Praktische Theologie an der Universität Münster übertragen. Er trat damit die Nachfolge von Otto Piper (1891-1982) an, der kurz vor Beginn des Wintersemesters 1933/34 unter Berufung auf das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 aus dem Hochschuldienst entlassen worden war. Zum Wintersemester 1935/36 wurde R. eine ordentliche Professur übertragen (siehe hierzu die durch Auswertung von Akten des Universitätskurators gestützten Angaben bei Wilhelm H. Neuser: Die Evangelisch-theologische Fakultät Münster im Dritten Reich, in: Die Evangelisch-Theologische Fakultät Münster 1914 bis 1989. Herausgegeben von Wilhelm H. Neuser, Bielefeld 1991, 72-94, hier: 82-83). Am 1. Januar 1935 verlieh die Theologische Fakultät der Universität Göttingen R. die theologische Ehrendoktorwürde. In der Promotionsurkunde wurden R.s Bemühungen um »die Grundlagen religiöser Erziehung sowie um die Erkenntnis des Zusammenhangs von Humanität, Volkstum und Christentum und damit zugleich um die Förderung der Herder-Forschung« als Grund für diese Auszeichnung genannt (vgl. Inge Mager: Göttinger theologische Promotionen 1933-1945, in: Leonore Siegele-Wenschkewitz / Carsten Nicolaisen (Hrsg.): Theologische Fakultäten im Nationalsozialismus, Göttingen 1993, 347-358, hier: 357-358). Im Sommersemester 1936 versah R. eine Lehrstuhlvertretung für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zum Wintersemester 1936/37 wurde er offiziell auf die Professur für Systematische Theologie berufen; der Münsteraner Lehrstuhl wurde an die Theologische Fakultät der Universität Berlin verlegt. Die Kieler Fakultät befand sich seit 1935 in einem tiefgreifenden personellen Umgestaltungssprozeß (vgl. Kurt Meier: Die Theologischen Fakultäten im Dritten Reich, Berlin / New York 1996, 374-382). R.s Vorgänger als Ordinarius für Systematische Theologie war der zum 31. Oktober 1935 aus politischen Gründen aus der Lehrtätigkeit ausgeschiedene liberale Theologe und Herausgeber der »Christlichen Welt« Hermann Mulert (1879-1950). Die Lehr- und Publikationstätigkeit von R. während der Jahre des Dritten Reiches ist bisher nicht näher untersucht worden. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang insbesondere eine 1939 erschienene Sammlung von Rundfunkpredigten, die ursprünglich in der Kieler Universitätskirche gehalten worden waren (Rundfunkpredigten an der Universitätskirche Kiel, Bremen 1939). Nachdem der Lehrbetrieb an der Kieler Fakultät mit Ablauf des Wintersemesters 1941/42 faktisch zum Erliegen gekommen war, übernahm R. im Sommer 1942 ein Militärpfarramt. Zeitweise wurde er in Paris, in Stralsund sowie im baltischen Libau eingesetzt. Nach Kriegsende nahm R. seine Lehrtätigkeit an der Kieler Universität wieder auf. Im Frühjahr 1945 wurde er kurzfristig zum Dekan der Theologischen Fakultät ernannt. Gemeinsam mit dem Praktischen Theologen Heinrich Rendtorff (1888-1960) beteiligte er sich in den Sommermonaten 1945 an der Durchführung von Kursen in den schleswig-holsteinischen Kriegsgefangenenlagern. Nach der Reorganisation der Universität im Herbst 1945 gehörte R. neben Rendtorff, Peter Meinhold (1907-1981) und Hans Wilhelm Hertzberg (1895-1965) zu den vier Ordinarien der Theologischen Fakultät. In den fünfziger und sechziger Jahren engagierte R. sich neben seiner Hochschultätigkeit auch im politischen Bereich. In den Legislaturperioden 1954 bis 1958, 1958 bis 1962 und 1962 bis 1967 (3. bis 5. Wahlperiode) hatte er für die CDU ein Mandat als Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtages inne. Während der vierten Wahlperiode vertrat er den Wahlkreis 26: Kiel-West. 1954 und 1962 erhielt er ein Mandat über die Landesliste. Als Landtagsabgeordneter widmete er sich vornehmlich der Kulturpolitik. R. gehörte zeitweise dem Bundesvorstand des evangelischen Arbeitskreises der CDU an. Den evangelischen Arbeitskreis der CDU Schleswig-Holstein leitete er mehrere Jahre als stellvertretender Vorsitzender. Zudem war R. stellvertretender Vorsitzender des Bundeskulturausschusses der CDU und stellvertretender Vorsitzender des kulturpolitischen Arbeitskreises der CDU-Landtagsfraktion. Das ihm 1964 in der Nachfolge Edo Osterlohs (1909-1964) durch den Ministerpräsidenten angebotene Amt des Kultusministers von Schleswig-Holstein lehnte er ab. Mit besonderer Intensität widmete R. sich nach 1945 dem Aufbau von Studentenwohnheimen. Den »Verein Evangelischer Studentenheime in Kiel e.V.« leitete er als geschäftsführender 1. Vorsitzender. In Anerkennung vor allem der in diesem Zusammenhang erworbenen Verdienste wurde R. am 24. April 1967 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Wegen der politischen Haltung R.s nach 1933 kam es 1967 und 1968 zu Auseinandersetzungen zwischen Studentengruppen und der Fakultät. R. selbst räumte zwar »politische Irrtümer« und »Fehler« ein, doch blieben seine diesbezüglichen Aussagen sehr unbestimmt. Gleichzeitig betonte er, daß es »gleichwohl eine Reihe von Äußerungen aus jener Zeit [gebe], die ich nicht nur bedaure, weil sie mir heute vorgehalten werden, sondern die ich grundsätzlich aufrecht erhalte« (Gegendarstellung, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 5 (1968). Nr. 24, 7-8, hier: 8). Die Kieler Auseinandersetzung blieb letztlich unentschieden. Zu einer quellengestützten Analyse der Haltung R.s im Dritten Reich gingen die anklagenden Studenten nicht über. - In theologischer Hinsicht knüpfte R. in den späteren Jahren insofern an seinen Lehrstuhlvorgänger an, als vor allem die Schleiermacher-Forschung im Mittelpunkt seiner Arbeit stand. 1968 erschien in der 'Sammlung Göschen' eine kurzgefaßte Gesamtdarstellung von Leben und Werk Schleiermachers, die erstmals seit einer ähnlich angelegten Darstellung Mulerts aus dem Jahr 1918 eine differenzierte Vorstellung von dem theologischen und philosophischen Lebenswerk Schleiermachers vermittelte. Ebenfalls von großer Bedeutung war die 1960 erfolgte, in Verbindung mit Hajo Gerdes erarbeiteten Neuausgabe des theologischen Hauptwerkes von Schleiermacher (Friedrich Schleiermacher: Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt. Siebente Auflage. Auf Grund der zweiten Auflage und kritischer Prüfung des Textes neu herausgegeben und mit Einleitung, Erläuterungen und Register versehen von Martin Redeker. Zwei Bände, Berlin 1960). R. griff mit dieser Edition eine Forderung auf, die aus Kreisen der älteren Schleiermacher-Forschung, und hier vor allem von dem Tübinger Theologen Georg Wehrung (1880-1959), immer wieder vorgebracht worden war. Erstmals hat R. mit seiner Edition Schleiermachers klassische Darstellung der christlichen Glaubenslehre in einer mit Quellennachweisen versehenen, durch den Abdruck handschriftlicher Eintragungen Schleiermachers in das Handexemplar (Erstpublikation: Schleiermacher's handschriftliche Anmerkungen zum ersten Theil der Glaubenslehre herausgegeben von Carl Thönes, Berlin 1873) ergänzten und durch wichtige editorische Beigaben erschlossenen kritischen Ausgabe vorgelegt. Die in den späten sechziger und den siebziger Jahren neu aufgenommene produktive Auseinandersetzung der evangelischen Theologie mit Schleiermachers Werk ging nicht zuletzt auf den durch diese Edition ausgelösten Impuls zurück. Mittelbar hat R. auf diese Weise auch das, erst nach seinem Tod in ein konkretes Arbeitsvorhaben überführte und ohne seine Beteiligung geplante Projekt einer Kritischen Gesamtausgabe der sämtlichen Werke Schleiermachers vorbereitet. Die im Dezember 1967 von R. gegründete Schleiermacher-Forschungsstelle an der Kieler Universität bildete später den institutionellen Rahmen für Teile des großen Editionsvorhabens. Ein für das Jubiläumsjahr 1968 von R. nach Kiel einberufener Schleiermacher-Kongreß fand aufgrund der als Durchführungshindernis empfundenen studentischen Protestbewegung nicht statt. Zum Ende des Wintersemesters 1968/69 wurde R. emeritiert, doch behielt er die Leitung der Schleiermacher-Forschungsstelle kommissarisch bis zu seinem Tod bei. Auf umfangreiche Vorarbeiten, die Hermann Mulert in den letzten Jahren seines Lebens erstellt hatte, konnte R. bei der Edition der Schleiermacher-Biographie Wilhelm Diltheys (1833-1911) und zahlreicher zugehöriger Materialien aus dem Dilthey-Nachlaß zurückgreifen. In zwei Bänden, die ihrerseits jeweils in zwei voluminöse Halbbände unterteilt waren, legte R. in den Jahren 1966 und 1970 die von Dilthey selbst 1870 publizierte, von Mulert 1922 erneut herausgegebene Teilbiographie Schleiermachers, dazu die hinterlassenen Texte zu einer geplanten, jedoch von Dilthey nicht mehr abgeschlossenen Fortsetzung des Werkes vor. In umfangreichen Einführungen zu diesen Bänden hat R. sein eigenes Schleiermacher-Bild, konzentriert auf die diversen Ansätze Schleiermachers zu einer philosophischen Kulturtheorie, niedergelegt. - R. zählt zu jenen jüngeren protestantischen Theologen, die in den späten zwanziger Jahren zum Schülerkreis Georg Wobbermins gehörten. Mit seinem Lehrer sah R. nach 1933 die Notwendigkeit zu einem umfassenden theologischen und kirchenpolitischen Neubeginn. Die Theologie sollte sich nicht aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen ausschließen, sondern selbst ihren Teil zu der anvisierten geistig-politischen Gesamterneuerung beitragen. Im besonderen bestand ihre Aufgabe nach R. darin, die aktuelle soziale und politische Entwicklung auf ihren weltanschaulich-religiösen Gehalt hin zu reflektieren. Protestantische Theologie und nationalsozialistische Weltanschauung hatten demnach in einem sich gegenseitig ergänzenden und vertiefenden Verhältnis zueinander zu stehen, wobei die Theologie allerdings, wie R. 1939 in einem Beitrag für die Wobbermin-Festschrift erklärte, zu erkennen habe, »daß unsere neue, völkisch-politische Weltanschauung den Boden und den Untergrund für die gesamte, deutsche wissenschaftliche Geistigkeit bildet« (Theologie und Weltanschauung, in: Luther, Kant, Schleiermacher in ihrer Bedeutung für den Protestantismus. Forschungen und Abhandlungen. Georg Wobbermin zum 70. Geburtstag, Berlin 1939, 394-413, hier: 395). Seit dem Zusammenbruch der idealistischen Universalsysteme habe es keinen Versuch mehr gegeben, »die allgemeine Weltanschauung des deutschen Geisteslebens und die Glaubenswahrheit des christlichen Glaubens« miteinander zu verbinden und auf eine ihnen zugrundeliegende weltanschaulich-religiöse Sichtweise des Wirklich-Geschichtlichen zurückzuführen. Eine Erklärung für die Ermangelung solcher Syntheseversuche sieht R. zum einen in dem »destruktiven« Charakter der materialistischen und naturalistischen Weltanschauungen, zum anderen darin, »daß es viele Jahrzehnte keine die Volksgemeinschaft wirklich tragende und das ganze Leben der Nation bestimmende Weltanschauung« gegeben habe. Die herrschenden weltanschaulichen Strömungen standen überdies »unter starkem Einfluß jüdischen Geistes« und betrachteten schon insofern »die Idee als etwas Wirklichkeitsfernes«. Einen »Sinn für den Prozeß der Konkretisierung des Geistes« entwickelten sie nicht (Ebd., 410). Die desolate Situation, in der sich Religion, Theologie und Weltanschauung unter diesen Umständen befunden haben, ist nach R. nunmehr, mit dem Umbruch von 1933, glücklich überwunden: »Das Problem Weltanschauung und Religion, Weltanschauung und Theologie bekommt aber ein ganz neues Gesicht, nachdem nun jetzt unter uns eine das Volksganze tragende Weltanschauung als Volksethos und Sinndeutung des völkischen Lebens entstanden ist.« Die Frage, wie sich das Christentum und die christliche Theologie »zu diesem allgemeinen völkisch-politischen Wahrheitsbewußtsein« verhalten, beantwortet R., indem er betont, daß, wolle die Theologie wirklich zu den Menschen ihrer Zeit sprechen, sie sich der »weltanschaulichen Denkformen ihrer Zeit als Instrumente« zu bedienen habe. Sie schließe sich sonst aus allen geisteswissenschaftlichen Diskussionen aus. Zwar könne es eine Identität des Wahrheitsgehaltes der christlichen Offenbarung mit einer Weltanschauung nie geben, doch folgten »viele Mißverständnisse und Fehldeutungen des Christentums in der antichristlichen Polemik« immer wieder aus einer mangelhaften theologischen Umsetzung dieses Gehaltes in die betreffenden weltanschaulichen Denkformen (Ebd., 410-411). - Im Zusammenhang mit solchen prinzipiellen Überlegungen stellt sich auch die Frage, in welcher Weise R.s theologische Position die Grundlage seiner politischen und kirchenpolitischen Haltung gebildet hat. Eine zulängliche Antwort auf diese Frage setzt eine differenzierte Auswertung der theologischen Publikationen R.s aus den Jahren des Dritten Reiches voraus. Überdies bedarf auch R.s Engagement im Bereich der offiziellen Kultur- und Wissenschaftspolitik während der späteren dreißiger Jahre zunächst noch der genaueren Erforschung. Bekannt geworden, wenngleich noch nicht näher spezifiziert, ist bisher die Mitwirkung an dem 1939 von Walter Grundmann (1906-1976) gegründeten Eisenacher Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben. Auch fakultätsgeschichtliche Zusammenhänge lassen sich bisher noch nicht mit hinreichender Klarheit rekonstruieren. - Von Bedeutung bleibt trotz allem der Umstand, daß R. sich nach 1945 einer die evangelische Theologie weithin prägenden Abwertung und Ausgrenzung der liberalprotestantischen Tradition und der von ihr formulierten methodisch-kritischen Anforderungen an die Theologie als Wissenschaft entgegengesetzt hat. Die Unverzichtbarkeit einer Orientierung theologischer Arbeit an den Standards kulturwissenschaftlicher Forschung stand für R. außer Frage. Indem er trotz aller Kritik auf diesem Standpunkt beharrte, hat er eine Entwicklung innerhalb der deutschsprachigen protestantischen Theologie vorweggenommen, die sich in den letzten zwanzig Jahren nicht zuletzt in einer erheblichen Expansion der theologischen und kirchlichen Zeitgeschichtsforschung niedergeschlagen hat.

Archivalien: Der Nachlaß Redekers befindet sich in Privatbesitz. Die personenbezogenen Aktenbestände in universitären und kirchlichen Archiven sind zum Teil noch gesperrt. Zu Redekers Mitgliedschaft in der NSDAP (Eintrittsdatum: 1. Mai 1933) liegt eine entsprechende Karte im Bundesarchiv Berlin (früheres Berlin Document Center) vor. Weitere Unterlagen befinden sich im Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig sowie im Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel (Bestand: Repertorium des Archivs der Bekennenden Kirche Schleswig-Holsteins). Zu den relevanten Unterlagen des Universitätsarchivs der Universität Münster vgl. Wilhelm H. Neuser: Die Evangelisch-theologische Fakultät Münster im Dritten Reich, in: Die Evangelisch-Theologische Fakultät Münster 1914 bis 1989. Herausgegeben von Wilhelm H. Neuser, Bielefeld 1991, 72-94, hier: 82-83 und 131-133 (v.a.: UA Mstr Kurator Personalakte Redeker). - Für hilfreiche Unterstützung bei diesem Artikel danke ich Herrn Dr. Andreas-Martin Redeker, Dörverden-Wahnebergen, sowie Herrn Dr. Hasko von Bassi, Berlin.

Separate Veröffentlichungen: Wilhelm Herrmann im Kampf um die positivistische Weltanschauung, Gotha 1928; Humanität, Volkstum, Christentum in der Erziehung. Ihr Wesen und gegenseitiges Verhältnis an der Gedankenwelt des jungen Herder für die Gegenwart dargestellt (Neue Forschung. Band 23), Berlin 1934 [davon Teildruck: Phil. Diss. Berlin 1933]; Rundfunkpredigten an der Universitätskirche Kiel, Bremen 1939; Deutsches Volkstum und Glaube in der Geschichte Libaus. Zur 200-jährigen Gedenkfeier der Grundsteinlegung der Libauer deutsch-evang. Hl. Dreifaltigkeitskirche am Sonntag, d. 2. August 1942, Libau 1942; Die evangelische Verantwortung in der Demokratie [zusammen mit: Walter Künneth: Die evangelische Lehre vom Staat]. Referate gehalten auf der 3. Tagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU in Wuppertal am 12. Juni 1954. Herausgegeben vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU, Bonn o.J. [1954], 8-14; Das Kieler Kloster in der Geschichte Schleswig-Holsteins und seiner Landesuniversität. Zur 10-Jahresfeier des Theologischen Studentenheimes Kieler Kloster, Kiel 1960; Das Kieler Kloster und die Theologische Fakultät in der Geschichte Schleswig-Holsteins und seiner Landesuniversität, Kiel 1964; Friedrich Schleiermacher. Leben und Werk (1768 bis 1834) (Sammlung Göschen. Band 1177/1177a), Berlin 1968 [davon erschien eine englische Ausgabe: Schleiermacher: Life and Thought. Translated by John Wallhausser, Philadelphia 1973].

Aufsätze und Artikel: [Rezension zu:] Herbert Schönebaum: Der junge Pestalozzi 1746-1782, Leipzig 1927, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte XLVII. Band / Neue Folge X (1928), 137-138; Wort Gottes und Sprache. Im Anschluß an die Sprachphilosophie des jungen Herder, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche. Neue Folge 9 (1929), 348-356; Germanische Religion und der Religionsunterricht in der Schule, in: DSch. Sonderheft 1935; Luthers Deutsche Gottesschau. Vortrag auf der Tagung des religionspädagogischen Arbeitsringes der Universität Kiel in Neumünster, 6. Mai 1938, in: Volk und Kirche. Nr. 40/41, November 1938; Theologie und Weltanschauung. Mit besonderer Berücksichtigung des Hegelschülers Marheineke, in: Luther, Kant, Schleiermacher in ihrer Bedeutung für den Protestantismus. Forschungen und Abhandlungen. Georg Wobbermin zum 70. Geburtstag (27. Oktober 1939) dargebracht von Kollegen, Schülern und Freunden. Herausgeber: Friedrich Wilhelm Schmidt, Berlin / Robert Winkler, Breslau / Wilhelm Meyer, Schwerin i. M., Berlin 1939, 394-413; Der britische Cant. Politische Weltanschauung und englische Religiosität, in: Kieler Blätter 3 (1940). Heft 3/4, 257-265 [nach einem Referat vor der Arbeitsgemeinschaft »Die Kriegs- und Greuelpropaganda unserer Feinde im Weltkrieg und heute«]; Der evangelische Religionsunterricht in der Schule (Gutachten der Theologischen Fakultät Kiel September 1950) [Herausgegeben von Martin Redeker], in: Die Sammlung. Zeitschrift für Kultur und Erziehung 6 (1951), 52-61; Kirche und Kultur [Vortrag bei dem Festakt der Landesregierung Schleswig-Holsteins anläßlich der kirchenmusikalischen Woche in Flensburg], in: Monatschrift für Pastoraltheologie. Zur Vertiefung des gesamten pfarramtlichen Wirkens 42 (1953), 165-172; Das Naturrecht im Lichte der lutherischen Ethik, in: Theologische Literaturzeitung 81 (1956), 369-370; Die Christlichkeit in der Schule der Gegenwart, in: Sammlung und Sendung. Vom Auftrag der Kirche in der Welt. Festgabe für D. Heinrich Rendtorff zu seinem 70. Geburtstag am 7. April 1958. Herausgegeben von Joachim Heubach und Heinrich-Hermann Ulrich, Berlin 1958, 311-320; Herder, Johann Gottfried, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Dritte Auflage. Band 3, Tübingen 1959, 235-239; Der moderne Fortschrittsglaube im Lichte christlicher Geschichtsdeutung, in: Die Idee des Fortschritts. Neun Vorträge über Wesen und Grenzen des Fortschrittsglaubens. Herausgegeben von Erich Burck, München 1963, 41-58; Flesh and spirit, in: The Encyclopedia of the Lutheran Church 1965; Myth, in: The Encyclopedia of the Lutheran Church 1965; [gemeinsam mit den Professoren Meinhold, Hoffmann, Kraft, Göbell und Heubach:] Persönliche Stellungnahme der Professoren Redeker und andere vom 2.6.1967 [zu dem Streit um die »Flensburger Thesen«], in: Flensburg '67. Eine Dokumentation zu den Flensburger Thesen und zu deren innerkirchlichem Echo. Als Manuskript vervielfältigt. Als Dokumentation herausgegeben und zusammengestellt von der Presse- und Informationsstelle der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins, Kiel 1967, 21-22; Schleiermacher und seine schlesische Heimat, in: Schlesischer Gottesfreund 19. Nr. 10/11 (Oktober / November) 1968, 2665-2666; Gegendarstellung, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 5 (1968). Nr. 24, 7-8; Schleiermacher ist wieder im Gespräch, in: Deutsches Pfarrerblatt 68 (1968), 801-804; »Glaube ist der Geschmack für das Unendliche«. Christ im Zeitalter der Wissenschaft - Zum 200. Geburtstag Friedrich Schleiermachers am 21. November [1968], in: Die Welt vom 16. November 1968; Schleiermacher-Kongreß [Ankündigung], in: Theologische Literaturzeitung 93 (1968), 555-556; [Antwort auf Heinz Kimmerles Rezension von: Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Zweiter Band: Schleiermachers System als Philosophie und Theologie. Aus dem Nachlaß von Wilhelm Dilthey mit einer Einleitung herausgegeben von Martin Redeker. Erster Halbband: Schleiermachers System als Philosophie, Berlin 1966 / Zweiter Halbband: Schleiermachers System als Theologie, Berlin 1966, in: Theologische Literaturzeitung 93 (1968), 451-453], in: Theologische Literaturzeitung 93 (1968), 797-800 [ein dort für ThLZ 94 (1969) angekündigter Aufsatz unter dem Titel: »Neues Verständnis Schleiermachers« erschien nicht]; Die Scheinhoffnung der neuen Aufklärung. Ostern und die menschliche Zukunftserwartung, in: Christ und Welt vom 27. März 1970, 16.

Herausgeber: Friedrich Schleiermacher: Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt. Siebente Auflage. Auf Grund der zweiten Auflage [von 1830/31] und kritischer Prüfung des Textes neu herausgegeben und mit Einleitung, Erläuterungen und Register versehen von Martin Redeker. Erster Band, Berlin 1960 (darin: Vorwort: V / Einleitung des Herausgebers: XII-XLI) / Zweiter Band, Berlin 1960 (darin: Anhang des Herausgebers [Vergleichendes Register der Seitenzahlen der 2. - 7. Auflage / Leitsätze der 1. und 2. Auflage (1821/22 und 1830/31). Synopse / Verzeichnis der Personen / Verzeichnis der Bibelstellen / Verzeichnis wichtiger Stichwörter. Anmerkung]: 475-580); Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Erster Band. Dritte Auflage. Auf Grund des Textes der ersten Auflage von 1870 und der Zusätze aus dem Nachlaß herausgegeben von Martin Redeker. Erster Halbband (1768-1802), Berlin 1970 (darin: Vorwort des Herausgebers der dritten Auflage: IX-XXIX) [Parallelausgabe im Rahmen der Dilthey-Gesamtausgabe: Band 13/1, Göttingen 1970 / 1979 / 1991]; Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Erster Band. Zweiter Halbband (1803-1807), Berlin 1970 (darin: Vorwort des Herausgebers: VII-XXIV) [Parallelausgabe im Rahmen der Dilthey-Gesamtausgabe: Band 13/2, Göttingen 1970 / 1979 / 1991]; Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Zweiter Band: Schleiermachers System als Philosophie und Theologie. Aus dem Nachlaß von Wilhelm Dilthey mit einer Einleitung herausgegeben von Martin Redeker. Erster Halbband: Schleiermachers System als Philosophie, Berlin 1966 (darin: Vorwort des Herausgebers: XXIII / Einleitung des Herausgebers: XXV-LIX) [Parallelausgabe im Rahmen der Dilthey-Gesamtausgabe: Band 14/1, Göttingen 1966 / 1985]; Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Zweiter Halbband: Schleiermachers System als Theologie, Berlin 1966 [Parallelausgabe im Rahmen der Dilthey-Gesamtausgabe: Band 14/2, Göttingen 1966 / 1985].

Lit.: Georg Wehrung: Die philosophisch-theologische Methode Schleiermachers, Göttingen 1911; - Hermann Mulert: Schleiermacher (Religionsgeschichtliche Volksbücher für die deutsche christliche Gegenwart. Begründet von Friedrich Michael Schiele. IV. Reihe 28./29. Heft), Tübingen 1918; - Georg Wehrung: Schleiermacher in der Zeit seines Werdens, Tübingen 1927; - Georg Wobbermin: Schleiermacher, Friedrich Ernst Daniel, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Zweite Auflage. Band 5, Tübingen 1931, 170-179; - Georg Wobbermin: Die Methodenfrage der heutigen Schleiermacher-Forschung (Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philosophisch-historische Klasse), Göttingen 1933, 30-52; - Luther, Kant, Schleiermacher in ihrer Bedeutung für den Protestantismus. Forschungen und Abhandlungen. Georg Wobbermin zum 70. Geburtstag (27. Oktober 1939) dargebracht von Kollegen, Schülern und Freunden. Herausgeber: Friedrich Wilhelm Schmidt, Berlin / Robert Winkler, Breslau / Wilhelm Meyer, Schwerin i. M., Berlin 1939; - Joachim Heubach: In memoriam Heinrich Rendtorff, in: Theologische Literaturzeitung 86 (1961), 311-314; - Johann Bielfeldt: Der Kirchenkampf in Schleswig-Holstein 1933-1945, Göttingen 1964; - Hans Peter Mensing: Die sogenannte Bewältigung. Prof. D. Dr. Martin Redeker: Ein Leben zwischen Christen-, Haken- und Verdienstkreuz, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 4 (1967). Nr. 23, 5-8 [siehe dazu auch die Stellungnahmen Dritter, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 5 (1968). Nr. 24, 9-11]; - Hans Peter Mensing (Hrsg.): Das Gruselkabinett des Prof. Redeker [Zitatsammlung], in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 4 (1967). Nr. 23, 10-12; - Hans Peter Mensing: Hassobjekt? Zum Fall Prof. Redeker, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel 5 (1968). Nr. 24, [I]; - Ernst Wolf: Und noch einmal: Redeker, in: res nostra. Studentenzeitung an der Universität Kiel. Nr. 25 (Mai 1968), 17; - Heinz Kimmerle: [Rezension zu:] Wilhelm Dilthey: Leben Schleiermachers. Zweiter Band: Schleiermachers System als Philosophie und Theologie. Aus dem Nachlaß von Wilhelm Dilthey mit einer Einleitung herausgegeben von Martin Redeker. Erster Halbband: Schleiermachers System als Philosophie, Berlin 1966 / Zweiter Halbband: Schleiermachers System als Theologie, Berlin 1966, in: Theologische Literaturzeitung 93 (1968), 451-453; - Heinz Kimmerle: [Rezension zu:] Martin Redeker: Friedrich Schleiermacher. Leben und Werk (1768 bis 1834), Berlin 1968, in: Theologische Literaturzeitung 93 (1968), 939-940; - Jens Pörksen: »res nostra« agitur. Redekers letztes Gefecht, in: zwischen den zeilen. Nr. 8 (März 1968), 9-22 [siehe hierzu auch die Leserzuschriften in: zwischen den zeilen. Nr. 9 (Juni 1968), 1-5]; - Hans Engelland [u.a.]: Eine Stellungnahme ist unumgänglich. Kieler Professoren zur Beurteilung theologischer Äußerungen aus der Zeit 1933-1945, in: zwischen den zeilen. Nr. 8 (März 1968), 23-24; - Dieter Andresen: Festival der Epigonen. Schleiermacher-Kongreß in Kiel, in: zwischen den zeilen. Nr. 10 (November 1968), 2-7; - Wilhelm Stählin: Via vitae. Erinnerungen, Kassel 1968; - Darell Jodock: [Rezension zu:] Martin Redeker: Friedrich Schleiermacher. Leben und Werk (1768 bis 1834), Berlin 1968, in: Lutheran Quarterly 25 (1973), 429-430; - Hans-Joachim Birkner: »Liberale Theologie«, in: Kirchen und Liberalismus im 19. Jahrhundert. Herausgegeben von Martin Schmidt und Georg Schwaiger (Studien zur Theologie und Geistesgeschichte des Neunzehnten Jahrhunderts. Band 19), Göttingen 1976, 33-42; - Jendris Alwast: Geschichte der Theologischen Fakultät. Vom Beginn der preußischen Zeit bis zur Gegenwart (Geschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1665-1965. Band 2. Teil 2), Neumünster 1988; - Friedrich Wilhelm Graf: Lutherischer Neurealismus. Otto Piper - ein früher Pazifist, in: Lutherische Monatshefte 27 (1988), 357-361; - Hans-Joachim Birkner: Die Kritische Schleiermacher-Ausgabe zusammen mit ihren Vorläufern vorgestellt, in: New Athenaeum / Neues Athenäum 1 (1989), 12-49; - Hans-Joachim Birkner: Kiel, Universität, in: Theologische Realenzyklopädie. Band XVIII, Berlin / New York 1989, 134-138; - Wilhelm H. Neuser: Die Evangelisch-theologische Fakultät Münster im Dritten Reich, in: Die Evangelisch-Theologische Fakultät Münster 1914 bis 1989. Herausgegeben von Wilhelm H. Neuser (Unio und Confessio. Eine Schriftenreihe der Evangelischen Kirche der Union. Band 15), Bielefeld 1991, 72-94; - Hans-Joachim Birkner: Die Schleiermacher-Gesamtausgabe. Ein Editionsunternehmen der Schleiermacher-Forschungsstellen Berlin und Kiel, in: Jahrbuch der historischen Forschung 1990, München 1991, 21-24; - Inge Mager: Göttinger theologische Promotionen 1933-1945, in: Leonore Siegele-Wenschkewitz / Carsten Nicolaisen (Hrsg.): Theologische Fakultäten im Nationalsozialismus (Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Herausgegeben im Auftrag der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen. Band 18), Göttingen 1993, 347-358; - Jendris Alwast: Die Theologische Fakultät unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, in: Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel im Nationalsozialismus. Band 1. Herausgegeben von Hans-Werner Prahl (Veröffentlichung des Beirats für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein. Band 16), Kiel 1995, 87-137; - Kurt Meier: Die Theologischen Fakultäten im Dritten Reich, Berlin / New York 1996.

Matthias Wolfes

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

Hansjörg Buss, "Ein Leben zwischen Christen-, Haken- und Verdienstkreuz. Der Kieler Theologe Martin Redeker, in: Hans-Werner Prahl, Hans-Christian Petersen, Sönke Zankel (Hg.): Uni-Formierung des Geistes. Kieler Universität im Nationalsozialismus, Band 2, Kiel 2007, S. 99-132.

Letzte Änderung: 20.05.2008