REINBOTH, Johann, * 14.2. 1609 in Altenburg (Meißen), † 27.6. 1673. Lutheraner, Pfarrer, Hofprediger. - Reinboth (auch Reinboht) wurde als Sohn eines Senators in Meißen geboren. Er studierte Theologie an den Universitäten Leipzig und Jena, wo er am 3.2. 1630 den Magistergrad verliehen bekam. Seine Studien setzte er an den Universitäten zu Rostock und Kopenhagen fort. Anschließend hatte er längere Aufenthalte in den protestantischen Ländern Dänemark, Holland und England, bevor er sich wiederum nach Kopenhagen begab. Er fand 1636 eine Anstellung als Propst und Pastor an der St. Nikolaikirche zu Flensburg und wurde 1639 Hofprediger zu Hattersleben (Hadersleben). Zeitweise war er auch Propst in den Diözesen Gottorf, Husum und Nordstrand. 1643 wurde ihm durch den Dänischen König Christian IV. (1577-1648) eine Professur an der Soröer Akademie angetragen, was er jedoch ablehnte. Er entschloß sich, 1645 in Rostock zu promovieren. Noch im gleichen Jahr wird er durch den Herzog Friedrich von Gottorf zum Oberhofprediger und Generalsuperintendent in dessen Territorium ernannt. - Reinboth war verheiratet, sein Sohn Johann Georg (gest. 1680) wurde Kirchenkommissar in Holstein-Gottorf. Johann Reinboth vertrat eine strenge Lutherorthodoxie. Im toleranten Friedrichsstadt ging er gegen die Aufnahme von Sozinianern und Pietisten vor. Die pietistische Mystikerin Antoinette Bourignon (1616-1680), die sich nach Husum und Tönningen zurückgezogen hatte, wurde von ihm scharf angegriffen. Ihre Bibliothek und ihre Druckpresse wurden konfisziert. Schließlich wurde sie von Reinboth's Nachfolger Sebastian Niemann (1625-1684) des Landes verwiesen. Mit dem Gelehrten Johann Konrad Dannhauer (1603-1666) führte er einen wenig fruchtbaren Streit über die Bedeutung von Symbolen. Reinboths Schrift "Catechesis" (1645) wurde von Dannhauer verworfen, da Reinboth angeblich den Ausgang des Heiligen Geistes vom Sohne Gottes leugnen würde. Eine langwierige Kontroverse führte Reinboth mit dem Wiener Jesuiten Jodokus Kedd (1597-1657) über mögliche gesellschaftliche Veränderungen. Reinboth befürchtete, daß die katholische Kirche eine "fleischliche" Monarchie mit dem Papst an der Spitze errichten würde, wozu ihm die Jesuiten verhelfen würden. In diesem Zusammenhang erschienen von beiden Seiten insgesamt fünf Streitschriften, in denen erstmalig der Utopiebegriff in deutscher Sprache grundlegend politisch diskutiert wurde.
Werke: De philosophia in genere. Exhibet Johannes Reinboth. Respondente Johanne Stephano. Lipsiae 1628; An et quomodo formae elementorum mansant in mixtis. Disputatio physica an et quomodo formae elementorum mansant in mixtis consensu et permissu (...). Senatus philosophici in illustri academia Ienensi publice proposita praeside M. Johanne Placcio Thuring. (...). Respondente Johanne Reinboth Altenburgo-Misnico (...). Jenae 1629; Charitum Musarumq(ue) applausus, cum ipsarum praeses Apollo, adminiculante (...). M. Paulo Slevogtio P. L. C. Professore Linguarum Graecae et Hebraicae (...) Johanni Reinboth, Altenb. Misn. (...). Lauream in Philosophia supremam, ipsiq(ue) una cum XIII. Dnn. Commilitonibus omnia Magisterii privilegia primo conferret. Jenae 1630; Disputationum logicarum secunda, de obiecto logicae. Jenae 1632; Disputationum logicarum teria, de fine logicae. Jenae 1632; Disputationum logicarum quarta, de divisione logicae. Jenae 1632; Disputationum logicarum quinta, de constitutione organi Aristotelei. Jenae 1632; Ferd. Boldershusii Scharffsinniges Bedencken. Was doch von dem neüwen und vor weniger Zeit in offnen Truck außgegangenen Tractätlein (dessen Titul ist: Einfeltiges Bedencken von denen in diesen Landen neu entstandenen Caputzen (...) zu halten sey. O.O. 1636; Christliche Sterbekunst. Leichenpredigt auf Georg von Alefeld. Aus Luc. 2, 29. Schleßwig 1642; De Catechesi veterum. Johann Cothmann (Präses). Johann Reinboth (Resp.). Rostochii 1645; Dispositiones textuum poenitentialium ex Hosea. Sleswig 1645-1648; Christliche Leichpredigt (auf Garlev Lüders und Margarete Lüders). Schleßwig 1648; Außführlicher Beweiß, Daß des Jesuiten Theod. Bercken oder Jod. Keddens Sonnen Statt, die er der Kirchen, Augspurgische Confession, entgegen gesetzet hat, Utopisch in H. Schrifft, und in der heiligen Väter übereinstimmung in den ersten 400 Jahren, Hingegen Die Kirche der Augsburgischen Confession in Gottes Wort vnd einhelligen Consens der H. Väter gegründet sey. Bde. II. Schleßwig 1652; Christlicher Eltern Trost (...). Schleßwig 1652; Auffrichtiger Beweiß, Daß Johannes Reinboth S. S. Theol. D. der regierenden Fürstl. Durch. zu Schleßwig-Holstein u. General-Superintendens Probst und Hoffprediger, mit Warheit und guter Ordnung, P. Jodoci Keddens Sonnen Statt Und Zwölff Propositiones des Glaubens Spiegels widerlegt habe, Hingegen daß gedachter Jesuit mit Unwarheit, Betrug zu Sache nicht kommender Plauderey und unverdienten Scheltworten, in seinem Verlohrnen Sturm umbgangen. Schleßwig 1655; Commentarii in Hoseam pars prior in capita quarta prima. Slesvig 1655; Beschreibung des hocherleuchteten Apostels S. Pauli triumphirlichen Kampffs (...). Schleßwig 1656; Kurtze und gebührliche in heiliger Schrifft wolgegründete Antwort Auff die funffzehn hochwichtigen Religions Fragen, die eine hohe und wolgeborene Standes Person, nach dem Exempel Der Durchläuchtigsten Großmächtigsten Christianae Königin in Schweden, etc., die zur Päbstischen Religion getreten, an die Evangelische begehret, in offenen Druck geben Und allen der Augspurgischen Confession und Päbstischen hohen Standes und andere Personen, nach dem Exempel Der Durchläuchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Frawen, Frawen Hedewig Eleonorae, der Schweden, Gothen und Wenden Königin, etc. Die in der, mit der H. Schrifft und heiligen Väter übereinstimmenden, Augsp. Confessions-Religion, beständig verbleibet, und durch Gottes Gnade biß an ihr Ende verharren wird. Schleßwig 1656; Schutz-Rede, wider die unchristliche Auflage, als wenn er es mit den Socianern hielte, und den Weg zum Atheismo bahnete. Slesvig 1657; Dritter und letzter Theil Des außführlichen Beweises, Das P. Keddens Sonnen Statts Palatia Das ist die Grund Lehren der Seligkeit in Heiliger Schrifft und der heiligen Väter übereinstimmung Utopisch, Hingegen der Augspurgischen Confessions Lehren in der Schrifft und der H. Väter übereinstimmung gegründet seyn. Schleßwig 1658; Schutzrede nebst Widerlegung Joh. Conr. Dannhauers unnöthiger Rettung (...). Schleßwig 1661; Buß- und Beicht-Histori. Schleßwig 1661; Hoch Fürstliches Ehren Gedächtniß Des Durchläuchtigsten, Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Friederichs, Erben zu Norwegen, Hertzogen zu Schleßwig, Holstein, der Stormarn und Dithmarschen, Graffen zu Oldenburg und Delmenhorst, ec. Welches Aus der veranlassung des Spruchs Luc. 2/29/30/31/32. Herr nun lästu deinen Diener in Friede fahren. In grosser Versamlung celebriret und gehalten ist, zu Schleßwig in der Haupt Kirchen. Von Johanne Reinboth S. S. Theol. D. General Superint. Hoff Predigern und Probsten. Der Durchläuchtigsten, Hochgebornen Fürstin und Frawen, Frawen Mariae Elisabeth, Gebornen aus Churfürstlichem Stamm zu Sachsen, Hertzogin zu Schleßwig, Holstein, Stormarn und der Dithmarschen, Gräffin zu Oldenburg und Delmenhorst, ec. hochbetrübten Fraw Witwen. Wie auch dero höchstgeliebten Herrn Söhnen, Frawen und Fräwlein Töchtern (...). In: Hochfürstliche ansehnliche Leichenbegängniß Des Durchläuchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friederichs, Erben zu Norwegen, Hertzogen zu Schlesswig Holstein, Stormarn und der Dithmarschen, Graffen zu Oldenburg und Delmenhorst, etc. Welchen Gott der Herr den 10. Augusti 1659. aus diesem müheseligen Jammerthal durch einen sanfft und seligen Todt abgefodert, und der Seelen nach zu sich in sein Frewden-Reich genommen. Der entseelte Leib aber den 31. Januarij 1661. in sein Ruhe Kämmerlein im Thum zu Schleßwig ist versetzet worden. Schleßwig 1666, Vv-Hhr; Abführungs Predigt Da der entseelte Cörper Des weyland Durchläuchtigsten, Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Friedrichen, Erben zu Norwegen, Hertzogen zu Schleßwig Holstein, der Stormarn und Dithmarschen, Graffen zu Oldenburg und Delmenhorst, ec. aus der Veste Tonningen nach Husum bey Hoch Fürstl. Comitat und trefflicher Volck reicher menge abgeführet wurde, den 26. Septembris 1660. Gehalten in der Veste Tönningen Von Johanne Reinboth S. S. Theol. D. General Superint. Hoff Predigern und Probsten. Der Durchläuchtigsten, Hochgebornen Fürstin und Frawen, Frawen Mariae Elisabeth, Gebornen aus Churfürstlichem Stamm zu Sachsen, Hertzogin zu Schleßwig, Holstein, Stormarn und der Dithmarschen, Gräffin zu Oldenburg und Delmenhorst, ec. hochbetrübten Fraw Witwen. Wie auch dero höchstgeliebten Herrn Söhnen, Frawen und Fräwlein Töchtern (...). In: Hochfürstliche ansehnliche Leichenbegängniß Des Durchläuchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friederichs, Erben zu Norwegen, Hertzogen zu Schlesswig Holstein, Stormarn und der Dithmarschen, Graffen zu Oldenburg und Delmenhorst, etc. Welchen Gott der Herr den 10. Augusti 1659. aus diesem müheseligen Jammerthal durch einen sanfft und seligen Todt abgefodert, und der Seelen nach zu sich in sein Frewden-Reich genommen. Der entseelte Leib aber den 31. Januarij 1661. in sein Ruhe Kämmerlein im Thum zu Schleßwig ist versetzet worden. Schleßwig 1666, Jv-Qr; (Lit. A) Inaugurations-Predigt, Als Der Hochwürdigster, Durchläuchtigster Fürst und Herr, Herr Christian Albrecht, Bischoff zu Lübeck, Erbe zu Norwegen, Hertzog zu Schleßwig und Holstein, der Stormarn und Dithmarschen, Graffe zu Oldenburg und Delmenhorst, ec. in der Stadt Kiel Die Universitet ließ einweihen Gehalten Und Auff J. Durchl. gnädigsten Befehl in Druck gegeben. Schleßwig 1665.
Bibliographien: Adelung, Johann Christoph; Rotermund, Heinrich Wilhelm (Hrsg.): Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexikon, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden, VI. Bremen 1819, 1668-1670.
Lit. (Auswahl): Kedd, Jodok: Heliopolis. Oder Sonnen-Statt. Unsers Heylandts und Seligmachers Iesu Christi, Welche ist die wahre allein Seligmachende allgemeine H. Kirch. Erwiesen und in drey Theil abgetheilt. Bde. III. Coloniae Aggripinae 1650; - Kedd, Jodok: Verlohrner Sturm Joannis Reinboths Holsteinischen General Superintendenten, welchen er vergeblich und mit Verlust seines Nahmens auff die aussenwerke der Sonnen Statt Gottes R. P. Jodoci Kedd Soc. Iesu. gethan hat. Dem dann etliche Lutherische Universitäten und die 20 Professores und Praedicanten mit gleichem Verlust gefolget, in ihren ungegründet, und ungereimten Antworten auff die 12. Propositiones Deß Glauben Spiegels. Mit beygefügtem Urtheil eines Dänischen vom Adel uber die Antwort deß Herrn Reinboths. Straubing 1655; - Meier, Johann: Vindiciae pro orthodoxia Jo. Reinboths contra dissertationem apologetiam Andr. Kühns. Schleßwig 1661; - Memoria viri maximè reverendi, amplissimi et excellentissimi, Dn. Johannis Reinbothi, SS. Theol. Doctoris celeberimi, in Ducatu Slesvicensi Superintendentis Generalis, concionatoris aulici et praepositi gravissimi, meritissimique, ex variis monumentiis et literis collecta et renovata. In: Witte, Hennig: Memoriae theologorum nostri seculi clarissimorum renovatae decas decima quarta. Francofurti 1684, 1780-1786; - Reinboth (Johann). In: Zedler, Johann Heinrich: Großes vollständiges Universal-Lexicon, Aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden, darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Creyses, nach allen Monarchien, Käyserthümern, Königreichen, Fürstenthümern, Republiquen, freyen Herrschafften, Ländern, Städten, See-Häfen, Vestungen, Schlössern, Flecken, Aemtern, Klöstern, Gebürgen, Pässen, Wäldern, Meeren, Seen, Inseln, Flüssen, und Canälen, samt der natürlichen Abhandlung von dem Reich der Nature, nach allen himmlischen, lufftigen, feurigen, wässerigen und irdischen Cörperen, und allen hierinnen befindlichen Gestirnen, Planeten, Thieren, Pflantzen, Metallen, Mineralien, Saltzen und Steinen ec. Als auch eine Ausführliche Historisch-Genealogische Nachricht von den Durchlauchten und berühmtesten Geschlechtern der Welt, dem Leben und Thaten der Kayser, Könige, Churfürsten und Fürsten, grosser Helden, Staats-Minister, Kriegs-Obersten zu Wasser und zu Lande, den vornehmsten geist- und weltlichen Ritter-Orden ec. Ingleichen von allen Staats-Kriegs-Rechts-Policey und Haußhaltungs-Geschäfften des Adelichen und bürgerlichen Standes, der Kauffmannschafft, Handthierungen, Künste und Gewerbe, ihren Innungen, Zünfften und Gebräuchen, Schiffahrten, Jagden, Fischereyen, Berg-Wein-Acker-Bau und Viehzucht ec. Wie nicht weniger die völlige Vorstellung aller in den Kirchen-Geschichten berühmten Alt-Väter, Propheten, Apostel, Päbste, Cardinäle, Bischöffe, Prälaten und Gottes-Gelehrten, wie auch Concilien, Synoden, Orden, Wallfahrten, Verfolgungen der Kirchen, Märtyrer, Heiligen, Sectirer und Ketzer aller Zeiten und Länder, endlich auch ein vollkommener Inbegriff der allergelehrtesten Männer, berühmter Universitäten, Academien, Societäten und der von ihnen gemachten Entdeckungen, ferner der Mythologie, Alterthümer, Müntz-Wissenschafft, Philosophie, Mathematic, Jurisprudentz und Medicin, wie auch aller freyen und mechanischen Künste, samt der Erklärung aller darinn vorkommenden Kunst-Wörter u.s.f. enthalten ist, XXXI. Halle an der Saale 1742, 268-269; - Reinboth (Joh.). In: Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, darinne die Gelehrten aller Stände sowohl männ- als weiblichen Geschlechts, welche vom Anfange der Welt bis auf ietzige Zeit gelebt, und sich der gelehrten Welt bekannt gemacht, Nach ihrer Geburt, Leben, merckwürdigen Geschichten, Absterben und Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden, III. Leipzig 1751, 1987; - Carstens: Reinboth, Johann R.: ADB, XXVIII, 1889, 7.