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Band XXI (2003) Spalten 1240-1241 Autor: Ekkart Sauser

REITENBERGER, Karl Kaspar: Prämonstratenser, Abt, * 29.12. 1779 zu Neumarkt (Böhmen), † 21.3. 1860 in Wilten (Innsbruck) Als Sohn eines Müllers geboren, trat er im Jahre 1800 in das Prämonstratenserstift von Tepl ein, studierte dann Theologie in Prag und wurde 1804 zum Priester geweiht. Mit 33 Jahren wurde er 1813 zum Abt des Klosters in Tepl gewählt. Er widmete sich vor allem auch dem Ausbau des auf Stiftsgrund entstehenden Marienbads. 1818 erhob er das Bad zum Kurort. Goethe erfuhr von diesem Unternehmen, interessierte sich dafür, ließ das Brunnenwasser durch Döbereiner in Jena untersuchen und war von der Hoffnung erfüllt, diesen "Genius von Marienbad", Abt Reitenberger, möglichst bald persönlich kennenzulernen. Am 5. August 1821 nun ging dieser Wunsch von Goethe in Erfüllung und er lernte R. kennen. Am 16. August 1821 berichtete Goethe an Karl August, der "Abt sei ein junger wohlgestalter Mann, der nur zu wenig auf Würde gebe und mehr Zurückhaltung üben sollte". Goethe erlebte auch Führungen durch die Stiftssammlungen von Tepl, die R. selbst leitete. Auch von einer prächtigen Taufe durch den Abt, an der er teilnehmen durfte, berichtet Goethe. Am 9. Juli 1822 trifft Goethe wiederum mit R. zusammen. Im Gespräch mit Goethe wird von R. das Thema der neuen religiösen Strömungen in Frankreich und in Deutschland angeschnitten. l823 kommt es wieder zu einer Begegnung zwischen dem Dichterfürsten und dem Abt. Dann trennen sich beider Wege. - Ansonsten war R. ein Befürworter der katholischen Restauration und ein Gegner des josephinischen Systems. Trotzdem ist sein Versuch mißlungen, die Klosterreform in Tepl autoritär durchzusetzen. Bald bekam R. Neider und Feinde im Konvent von Tepl. Man bezichtigte ihn der gefährlichen Mißwirtschaft, so daß er schließlich 1827 zur Abdankung gezwungen wurde. Auch wurde er beschuldigt, er rede über die Kaiserin und pflege Beziehungen zu ausländischen Fürsten. R. wurde aus Böhmen verwiesen und nahm Zuflucht im Prämonstratenserstift von Wilten bei Innsbruck. Dort wohnte er viele Jahre in den Gemächern des zweiten vorderen Stockwerkes. M. Enzinger beschreibt seine Situation in Wilten so: "Er verließ das Kloster nie für längere Zeit, beschäftigte sich mit Lektüre und Schreiben, ein stiller, zurückgezogener Mann, dem der Lebensnerv, die Tätigkeit, abgeschnitten war. Selten nahm er an Festlichkeiten teil, seltener trat er öffentlich hervor. Im stillen war er wohltätig und spendete ansehnliche Summen seines Ruhegehalts. Vielfach beklagte er sich über Beschäftigungslosigkeit, sein Acker lag brach. Das war wohl das Bitterste für ihn. Mehrere Male versuchte man von Tepl aus, ihn zurückrufen, aber die Bedingung, die Reitenberger stellte, daß das einstimmig geschehen müsse, drang nicht nur." (In: Goethe und Tirol, Innsbruck 1932, 102). - Nach seinem Tode im Stift Wilten wurde er vom Abt von Stams in der Gruft der Wiltener Pfarrkirche beerdigt. 1906 wurden seine sterblichen Überreste feierlich in das Stift Tepl überführt, "eine späte Sühne für begangenes Unrecht, das einer Kette von Mißverständnissen, Kabale und Böswilligkeiten entsprungen war." (M. Enzinger, S. 103).

Lit.: Deutsche Biographische Enzyklopädie(Hrsg. W. Killy u. R. Vierhans), Bd. 8, Darmstadt 1998, 233; - M. Enzinger: Goethe und Tirol, Innsbruck 1932, 99-103.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 29.12.2002