SATORNIL (Saturninus) frühchristlicher Gnostiker um 100 n. Chr., stammte nach Irenäus (Adv. Haer. 1,24,1 f.) aus Antiochien, wirkte zwischen 100 und 130 in dieser Stadt und steht nach Justin (Dial. 35) in der Tradition Menanders. Hippolyt nennt ihn in einem Atemzug mit Basilides. Von seiner Lehre haben wir aus einigen Bemerkungen in antihäretischer Literatur Kenntnis. Sie scheint eine Weiterentwicklung der Lehre Menanders zu sein. Sieben Schöpfer-Engel, deren Oberhaupt der Judengott ist, gelten als Weltschöpfer. Der Judengott steht dem verborgenen Gott gegenüber. Der Mensch gilt ebenfalls als von Engeln geschaffen. Ursprünglich unvollkommen (kriechend) wird dieser Mensch mit einem vom verborgenen Gott ausgehenden Licht begabt (Adv. Haer. 1,24,2). Offenbar vertrat S. eine strenge Askese und lehnte die Ehe als teuflisch ab. Einige seiner Jünger enthielten sich auch des Fleischgenusses. Der Mythos S.s lebt durchwegs von zugrunde liegendem jüdischem Material. Wahrscheinlich ist auch seine Vorstellung von Askese von jüdischen Sekten beeinflußt. Ist S. Judenchrist, der gegen Israel und seinen Gott revoltiert und sich damit von anderen Gruppen des Judenchristentums abgrenzt? Einiges spricht dafür, daß das sog. Apokryphon des Johannes zu Beginn des 2. Jhdts von S. in Syrien verfaßt worden ist. (So Robert M. Grant, The Earliest Christian Gnosticism, in: Church History 22, 1953, 88-90.) Wenn das zutrifft, hätte S. eine beträchtliche Bedeutung vor allem auch für Valentin und seine Schule gehabt. Der Text des Apokryphon des Johannes ist in koptischer (sahidischer) Sprache mehrmals erhalten, war aber ursprünglich im Griechischen verfaßt. (Zu den Textausgaben vgl. E. Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen 31959, 229 ff.).
Lit.: G. Quispel, Der gnostische Anthropos und die jüd. Tradition, Eran Jb 22, 1954, 195-234; - ders., Christliche Gnosis und Jüdische Heterodoxie, in: Ev. Theol. 14, (1954) 1-11; - Heinrich Schlier, Das Denken der frühchristlichen Gnosis (Iren. Adv. Haer. I., 23,24) in: Neutestamentliche Studien für Rudolf Bultmann, 1954, 67-82; - W. Till, Die gnostischen Schriften des kopt. Pap. Berolin, 8502 (TU 60), 1955; - R. Mcl. Wilson, Gnostic origins, in: VigChr 9, 1955, 193-211.