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Verlag Traugott Bautz
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STEPHAN der Jüngere oder Neue Märtyrer, Mönch vom Auxentiosberg in Bithynien, am 28. (nach Theophanes am 20.) Nov. 765 in Konstantinopel von Soldaten und Volk gelyncht, wird in der byzantinischen Kirche als Märtyrer verehrt, der sein Leben für den Bilderkult ließ, obwohl die Chronisten Theophanes und Nikephoros keinen direkten Zusammenhang mit dem Bilderstreit zu erkennen geben und auch seine erste Vita, 42 Jahre nach seinem Tod (1072 C 10) von einem Diakon Stephan aus Konstantinopel geschrieben, den Kampf um die Ikonen nicht in den Mittelpunkt stellt, auch wenn diese in die Lebensgeschichte St.s einbezogen wird: Zum einen bietet der Hagiograph eine Darstellung der ikonoklastischen Synode von Hiereia (754), zum anderen drei dramatische Szenen, in denen St. es ablehnt, diese Synode anzuerkennen (1121 B-1125 B; 1140 C-1145 A; 1156 D-1160 B). Das Hauptthema der Vita ist der Kampf des Kaisers Konstantin V. (741-775) gegen St. als exponierten Vertreter des Mönchtums. Dies stimmt mit der Sicht der genannten Chronisten überein, denen zufolge St. eine entscheidende Rolle in der 761/762 einsetzenden, seit 765 heftigen Konfrontation zwischen dem Kaiser und einem Teil des Mönchtums spielt. Um was es präzis ging, ist in der Forschung umstritten und eine überzeugende Erklärung wurde bisher nicht vorgelegt. Die These, es handle sich um einen Konflikt zwischen zwei gesellschaftlichen Ideologien bzw. Interessen, wobei St. die Weltsicht des »Holy Man« (P. Brown), der Kaiser jene des diesseitigen Menschen und innerweltlicher Staatsräson vertritt, trifft zwar die Sicht bestimmter monastischer Quellen, ist aber, politisch gesehen, an konkreten Vorgängen nicht eindeutig auszuweisen. Die genannte Vita des St. betont die »politische« Sicht (M.-F. Rouan) und zeichnet den Konflikt zwischen St. und Kaiser als einen Kampf zwischen dem heiligen, asketischen Mönch und dem der Welt, Macht und Dämonen verfallenen Menschen, der grobem Lebensgenuß zugewandt ist, wobei der Hagiograph auf Elemente aus der Vita Euthymii des Kyrill von Skythopolis (CPG 7535) aus dem 6. Jh. zurückgreift. Da im Aufbau der Vita die Darstellung der Synode von Hiereia und die oben erwähnten drei dramatischen Szenen die Motivation des Kaisers in jeweiliger Überbietung veranschaulichen, erscheint für den Leser St., das unschuldige Opfer des Kaisers, als Märtyrer des Bilderkultes. Folgt man den Chronisten, dann hat St. »viele« dazu bewegt, sich dem Dienst des Kaisers durch Eintritt in ein Kloster zu entziehen. Der Bilderkult wird erst nach dem Tod St.s indirekt mit diesem in einen Zusammenhang gebracht, sofern der Kaiser von allen Untertanen, d.h. in der Stadt Konstantinopel, einen »Eid« gegen die Bilderverehrung verlangt habe. Wenn es 766 zu einem Prozeß kam, in dem 19 Würdenträger wegen Verschwörung gegen den Kaiser, in die auch der Patriarch Konstantin II. (754-766) verwickelt gewesen sein soll, angeklagt wurden, dann könnte dies, wenn man die genannte Vita richtig liest, in einem Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen St. und dem Kaiser gestanden haben (M.-F. Rouan); sicher ist dies jedoch nicht (S. Gero 1977). Fast alle aus der Krise des Jahres 766 bekannten Geschehnisse begegnen in der Vita, aber zeitlich sind sie anders angeordnet als in der Chronologie von Theophanes und Nikephoros. Insbes. wird der Tod von St. nach 766, genauer auf 768/769 datiert (1076 D 4-6), was ihn als Handelnden mitten in die Zeit der eigentlichen Krise setzt, die dadurch zugleich als ikonoklastische, nicht als im wesentlichen politische Aktion gekennzeichnet wird.
Quellen: Theophanes, hrsg. v. C. de Boor, Theophanis Chronographia, Vol. I, Leipzig 1883, 436-446, bes. 436, 26-437, 19; Nikephoros, Breviarium, hrsg. v. dems., Nicephori Archepiscopi Constantinopoli Opuscula Historica, Leipzig 1880, 72-75, bes. 72, 10-73, 6; Stephanus diaconus, Vita Stephani Iunioris (BHG 1666), PG 100, 1069-1185; Symeon Metaphrasta, Vita Stephani (BHG 1667); Synaxarium Ecclesiae Constantinopolitanae , ed. H. Delehaye, Propylaeum ad Acta Sanctorum Novembris, (Paris - Venedig 1894) Bruxelles 1902, 263-264; Synaxarium (BHGn 1667e).
Lit.: (zeitlich geordnet): J. Pargoire, Le Mont S.-Auxence. Étude historique et topographique, in: Revue de l'Orient chrétien 8 (1903) 251-266; - J. Gill, The Life of Stephen the Younger by Stephen the Deacon, in: Orientalia Christiana Periodica 6 (1940) 114-139 (quellenkritische Studie); - G. Da Costa-Louillet, Saints de Constantinople aux VIIIe, IXe et Xe siècles, in: Byzantion 24 (1954) bes. 214-215; - J. Darrouzès, Étienne le Jeune, in: Dictionnaire de Spiritualité 4 (1960) 1494; - ders., Étienne le Jeune, in: DHGE 15 (1963) 1238; - H.-G. Beck, Die griechische Kirche im Zeitalter des Ikonoklasmus, in: Handbuch der Kirchengeschichte, hrsg. v. H. Jedin, Band III, 1, Freiburg - Basel - Wien 1966, bes. 36-38; - P. Brown, The Rise and Function of the Holy Man, in: Journal of Roman Studies 61 (1971) 80-101, bes. 95; - ders., A Dark Age Crisis: Aspects of the Iconoclastic Controversy, in: The English Historical Review 88 (1973) 1-34; - S. Gero, Byzantine Iconoclasm during the Reign of Leo III with particular attention to the oriental sources (Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium 346, Subsidia 41), Louvain 1973, 3; - 72; - 109; - 214-217, passim; - P. Schreiner, Legende und Wirklichkeit in der Darstellung des byzantinischen Bilderstreites, in: Saeculum 27 (1976) 165-179; - S. Gero, Byzantine Iconoclasm and Monochomachy, in: Journal of Ecclesiastical History 28 (1977) 241-248; - G. L. Huxley, On the Vita of Stephen the Younger, in: Greek, Roman, and Byzantine Studies 8 (1977) 97-108; - P. J. Alexander, Religious Persecution and Resistance in the Byzantine Empire of the Eigth and Ninth Century: Methods and Justifications, in: Speculum 52 (1977), 238-264, bes. 243-244; 260; - S. Gero, Byzantine Iconoclasm during the Reign of Constantine V with particular attention to the oriental sources (Corpus Scriptorum Scriptorum Orientalium 384, Subsidia 52), Louvain 1977, bes. 4; - 53-54; - 58; - 111-113; - 123-124, passim; - I. Sevcenko, Hagiography of the Iconoclastic Period, in: Iconoclasm. Papers given at the Ninth Spring Symposium of Byzantine Studies, University of Birmingham March 1975, ed. by. A. Bryer and J. Herrin, Birmingham 1977, 113-131, bes. 116; - M.-F. Rouan, Une lecture »iconoclaste« de la Vie d'Étienne le Jeune, in: Travaux et Mémoires 8(Centre de Recherche d'Histoire et Civilisation de Byzance), Paris 1981, 415-436; - M.-F. Auzépy, La place des moines à Nicée II (787), in: Byzantion 58 (1988) 5-21, bes. 6-7; - P. Schreiner, Der byzantinische Bilderstreit: Kritische Analyse der zeitgenössischen Meinungen und das Urteil der Nachwelt bis heute, in: Bisanzio, Roma e l'Italia nell'alto medioevo (Settimane di studio del Centro Italiano di Studi sull'alto medioevo XXXIV), Spoleto 1988, 319-407, bes. 353-359; - 385; - 388-389; - passim.
Karl-Heinz Uthemann
Literaturergänzung:
Paul Devos, "Lumière et lumière" dans trois Vies de saints. Étienne le Jeune, Constantine-Cyrille, Clément d'Ochrida. Appendice: Une nouvelle attestation de "Ho neos Doèk" sous l'iconoclasme, in: AnBoll 111.1993, S. 249-258.
Letzte Änderung: 07.06.2008