STOTTER, Alois (Aloysius), Priester, Missionar, * 20.8. 1863 in Oberlienz (Österreich), † 12.8. 1941 in Freshfield (Großbritannien). - Alois Stotter wurde im heutigen Bezirk Osttirol geboren. Seine Eltern waren Mathias und Margit (geborene Fuedsch [Fuetsch]). Alois Stotter hatte noch fünf Brüder und fünf Schwestern. Er besuchte das Gymnasium der "Augustiner Chorherren" in Brixen und trat nach der Matura im August 1880 den "St. Josefsmissionaren von Mill Hill" bei, einem Missionsorden, der bereits am 19. März 1866 von Kardinal Herbert Vaughan (1832-1903), dem Erzbischof von Westminster, in London gegründet worden war und der seit 1891 auch in Brixen eine Niederlassung besaß. - Am 19. Juni 1886 erhielt Stotter in Großbritannien die Priesterweihe, wo er im dortigen Missionshaus in London zwischen 1886 und 1893 als Professor und zeitweise auch als Vizerektor und schließlich von 1893 bis 1897 Rektor des "St. Josef-Missionshauses" in Brixen tätig war. 1896 rief er dort die Missionszeitschrift "St. Josefs-Missionsbote" ins Leben bevor er 1897 als Missionar nach Borneo versetzt wurde. Im Jahr 1936 kehrte der Priester nach Brixen zurück, verbrachte die Jahre 1937 und 1938 im Missionshaus in Absam und reiste 1939 wieder nach Großbritannien, wo er am 12. August 1941 im "Herbert House" des Ordens in Freshfield verstarb. - Über Missionar Stotter gibt es keine detaillierte Veröffentlichung; auch die Missionsgeschichte von Borneo ist erst in Anfängen erforscht. Eine Bewertung seiner Person ist daher nicht einfach. Sie muß sicher vor allem im Kontext seiner Missionsarbeit untersucht werden: Zuerst unternahm Stotter Missionierungsversuche bei den einheimischen Melanau ("Milano") in Sarawak und wurde 1920 nach Nordborneo (Sandakan) gerufen und später nach Labuan. Er gründete mehrere Missionsstationen und war u.a. in Kuching, Cut (1899), Dalat (1906), in der Kuala Belait Mission in Brunei, in Tawau, Marudu Bay, Kudat und Labuan. Wie in vielen anderen Weltgegenden darf die Bedeutung einheimischer MissionshelferInnen für den "Missionserfolg" nicht außer acht gelassen werden. Vor der Ankunft Stotters in Tawau waren bspw. Stephen Taan, ein Teo Chiew, und John Wong, ein Hakka aus Pao On in China, zwei zum Katholizismus konvertierte Asiaten, bereits jahrelang sehr aktiv unter ihren Landsleuten tätig.
Werk: Surat Orang Christian [= das erste Gebetbuch in Iban, einer der austronesischen Sprachfamilie zugerechnete Sprache, die im heutigen Malaysien, Brunei und Indonesien gesprochen wird]. Brixen 1904.
Quellenmaterial in folgenden Archiven: - 1. Missionshaus St. Josef, Brixen: nur einige allgemeine Informationen, keine Briefe oder Tagebücher; - 2. Archiv in Mill Hill, London: nur Mitgliedern des Ordens zugänglich.
Lit.: Goldene und grüne Primiz, in: St.-Josefs-Missionsbote, Nr. 10, Jg, XLI, Oktoberheft 1936, 73-74; - Missionär Alois Stotter †, in: St.-Josefs-Missionsbote, Nr. 6, Jg. XLVI, November-Dezember 1941, 92-93; - John Rooney, "Khabar Gembira" The good news: a history fo the catholic church in East Malaysia and Brunei 1880-1976. London 1981; - E-Mail von Pater Mair an Clemens Gütl, Brixen, 29. Oktober 2004; - E-Mail von Pater Georg Hanser an Clemens Gütl, Brixen, 1. Februar 2005; - Brief von Pater Georg Hanser an Clemens Gütl, Brixen, 23. Februar 2005.
Clemens Gütl
Letzte Änderung: 09.04.2011