STREICHER, Nivard (Georg): katholischer Ordensbruder, Missionar, Mitglied der Kongregation der Mariannhiller Missionare (CMM). * 25.8. 1854 in Erding bei München, † 26.2. 1927 in Arcen/Niederlande. - Georg Streicher wurde als zweites von neun Kindern einer Handwerkerfamilie geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Zimmermann und Bautischler. Nach seinem Militärdienst eröffnete er in München eine Kunsttischlerei. 1880 trat er in das Trappisten-Kloster Mariastern in Bosnien ein und erhielt den Ordensnamen Nivard. Am 24.12. 1882 legte er seine Profeß ab. Das Kloster wurde von Franz Pfanner geleitet, der im gleichen Jahr in Südafrika das Kloster Mariannhill gründete. Streicher gehörte zu den zehn Mönchen aus Mariastern, die Pfanner nach Südafrika zum Aufbau der neuen Gründung holte. In Mariannhill war Streicher bald für die gesamte Bauplanung zuständig. Im Selbststudium bildete er sich zum Ingenieur weiter und konstruierte u.a. einen imposanten Staudamm mit Pumpwerk. Auch als das Trappistenkloster eine Missionskongregation umgewandelt wurde, blieb Streicher seinem Ordensberuf treu. Krankheitsbedingt verließ er am 12.6. 1922 Mariannhill und kam in das niederländische Kloster Arcen der Mariannhiller Missionare. Dort ist er am 26.2. 1927 gestorben. Als technischer hoch begabter Ordensmann hat Streicher die unerläßliche materielle Grundlage für die Mariannhiller Mission in Südafrika gelegt. Er war damit eine der großen Gründergestalten der Mariannhiller Missionare. Sowohl in seinem Orden als auch bei der einheimischen Bevölkerung genoß Streicher hohe Anerkennung, was in seinem Spitznamen "brauner Abt" zum Ausdruck kommt.
Lit.: Adalbert Ludwig Balling, Gute Menschen sterben nicht, sie leben fort in der Erinnerung ihrer Freunde - Mariannhiller Porträts, Würzburg 1989, 22-27; - D. Seubert, Der braune Abt von Mariannhill, Würzburg 1985. Über die Gründung von Mariannhill und die Mariannhiller Missionare: Adalbert Ludwig Balling, Er war für Nägel mit Köpfen - Franz Pfanner 1825-1909 - Phänomen für Türke und Zulu, Mödling 1979; - ders., Der Trommler Gottes, Freiburg 1981; - Joseph Dahm, Mariannhill - Seine innere Entwicklung, sowie seine Bedeutung für die katholische Missions- und Kulturgeschichte Südafrikas, Mariannhill 1949; - Bernard Huss, Mariannhill - Half a Century of African Mission Life, Detroit 1935; - Abtei Mariannhill (Hrsg.), Trappistenkloster Mariannhill. Das Trappistenkloster Mariannhill, oder Bilder aus dem afrikanischen Missionsleben. Im Auftrage seiner Oberen gesammelt von einem Ordenspriester, Freiburg 1907; - Thomas Neuschwanger, Syllogos. Sammlung handschriftlicher und gedruckter Quellen über Mariannhill, Bd. 1, Mariannhill 1908; - Anton Roos, Mariannhill zwischen zwei Idealen - Innere Entwicklung Mariannhills vom Trappistenkloster zur modernen Missionskongregation 1884-1936, Diss. Innsbruck 1962; - Francis Schimlek, Mariannhill - A Study in Bantu Life and Missionary Effort, Mariannhill 1953; - H. Weber, Trappisten-Mission in Südafrika. Beitrag zur Geschichte der Mönche und ihrer Verdienste um die Zivilisation, in: Frankfurter zeitgemäße Broschüren, hrsg. J. M. Raich, Neue Folge Bd. XII (1891), Heft 2, 37-68.
Eric Steinhauer
Letzte Änderung: 09.04.2011