SPRANGER, Bartholomäus, Maler und Radierer, * 21.3. 1546 in Antwerpen, + zwischen Juli und Mitte August 1611 in Prag; S., Sohn des Kaufmanns Joachim Spranger, begann seine Ausbildung Ende 1557 in Antwerpen bei Jan Mandyn. Nach dem Tod Mandyns war er für kurze Zeit bei Frans Mostaert tätig. Von November 1560 bis November 1564 wirkte er bei Cornelis van Dalem. Diese drei Lehrer S.s waren Landschaftsmaler. Um die verfeinerte Formensprache des Manierismus zu erlernen, studierte er in der Folgezeit die Stiche der Manieristen Frans Floris und Parmigianino, begab sich anschließend 1565 nach Paris und bald danach nach Mailand. Hier traf er im Herbst 1565 ein und übte sich vermutlich in der Freskotechnik. Sein Weg führte ihn im Frühjahr 1566 weiter nach Parma, wo er bei Bernardino Gatti tätig war. Unter dessen Leitung gestaltete er die Kuppelfresken in S. Maria della Steccata in Parma mit. Nach einem Streit mit dem Sohn seines Meisters verließ er Parma. Noch 1566 reiste er nach Rom, wo er sich Michel Joncquoy, einem flämischen Maler aus Tournai, anschloß. Ein wichtiger Mäzen S.s war Alessandro Farnese, für den er unter der Aufsicht Giulio Clovios arbeitete und bei dem er seit Juni 1567 für drei Jahre lebte. Ob S. an Farneses Schloß Caprarola bei Rom unter Jacopo Bertoja mitwirkte, ist nicht gesichert. Durch seine Kompositionen erreichte S. bald Anerkennung. Pius V. ernannte ihn 1570 zum päpstlichen Maler und ließ ihn eine Kopie des Jüngsten Gerichtes von Fra Angelico anfertigen. Nach dem Tod dieses Papstes hielt sich S. noch rund drei Jahre in Rom auf. In dieser Zeit malte er großformatige Altarbilder, die jedoch mit Ausnahme eines einzigen nicht erhalten sind. Kaiser Maximilian II. holte S. 1575 an den Wiener Hof. Für den Einzug Rudolfs II., dem Nachfolger Maximilians, errichtete S. zusammen mit Mont und C. van Manders 1577 einen Triumphbogen. Seit 1.1. 1581 arbeitete S., dessen Einfluß nunmehr besonders an den zahlreichen Nachstichen seiner Zeichnungen offenbar wird, am kaiserlichen Hof in Prag. Im dortigen Künstlerkreis um Rudolf II. findet man ihn, u. a. zusammen mit Guiseppe Arcimboldo, seit 1582. Künstler wie Cornelis van Haarlem oder Goltzius (Haarlemer Akademie), später auch Hans von Achen und Joseph Heintz, gerieten für einige Zeit in S.s Bann. Auch der Sustris-Kreis in München stand unter seinem Einfluß. Außerdem konnten sich Bildhauer (z. B. Adriaen de Vries) und Ornamentstecher der Wirkung S.s nicht entziehen. 1582 ehelichte S. in Prag Christine Müller, die Tochter eines Goldschmiedes. Noch 1582 begab er sich nach Wien und war bis Ende 1583 bei Restaurationsarbeiten im neuen Teil der Hofburg tätig. Wohl Anfang 1584 kehrte er nach Prag zurück, wo er als Kammermaler hohes Ansehen genoß. Vom Kaiser erhielt S. mit seinen zwei Brüdern Matthias und Quirinus 1588 ein Wappen mit dem Lehenmannstitel und wurde 1595 mit den beiden Brüdern in den erblichen Adelsstand erhoben. Seine Reise in die Niederlande im Jahre 1602 glich einem Triumphzug. Inzwischen war er zu einem wohlhabenden Mann geworden, wie sein 1611 gemachtes Testament belegt. - S. gilt als der Hauptmeister des Romanismus. Er schuf allegorische und mythologische Bilder, besonders erotische Szenen im manieristischen Stil. An seiner Kunst fällt die gelungene Rezeption und Verschmelzung italienischer sowie niederländischer Vorbilder auf. Während S.s frühe Landschaften deutlich niederländische Einflüsse (van Dalem) verraten (z. B. Landschaft mit Staffage 1569, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle), sind die späteren Werke eindeutig durch seine Berührung mit der italienischen Kunst des Manierismus geprägt. Niederschlag fanden hier die großfigurigen Kompositionen der Brüder Zuccari, die kompliziert verschraubten Körperdarstellungen Giovanni da Bolognas und die Feinheit der Miniaturmalerei Giorgio Giulio Clovios. In seiner Prager Zeit steigert Spranger die Monumentalität seiner Arbeiten. Die Darstellung des Körpers tritt nun in den Vordergrund, die Farbgebung wird gegenüber der Frühzeit raffinierter und harmonischer.
Werke: Werkverzeichnis bei A. Niederstein, Art. Spranger, in: Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Bd. 31, Leipzig 1937, 404 f. - Gemälde: Karlsruhe (Kunsthalle), Landschaft mit Staffage; Landschaft mit Einsiedler; München (Alte Pinakothek), Angelica und Medoro; Oldenburg (Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte), Amor und Psyche; Paris (Louvre), Justitia; Prag (Kloster Strahow, Gemäldegalerie), Auferstehung Christi; Prag (Stefanskirche), Peterle-Epitaph; Schleißheim (Schloß), Susanna im Bade; Wien (Kunsthistorisches Museum), Venus und Adonis; Allegorie auf die Tugenden Kaiser Rudolfs II.; Minerva als Siegerin über die Unwissenheit; Herakles und Omphale; Selbstbildnis; Ceres und Bacchus verlassen Venus; Zeichnungen: Amsterdam (Rijks Prenten-Cab.), Hochzeit von Amor und Psyche; Hl. Martin; Basel (Öffentliche Kunstsammlung), Venus, Merkur und Amor; London (British Museum), Venus und Amor (2 Fassungen); München (Staatliche Graphische Sammlung), Frau mit Krug; Frauenraub; Paris (Louvre), Merkur und Psyche; Wien (Albertina), Götterversammlung; Venus und Amor auf Delphin; Musen mit Minerva; Juno, Venus und Ceres; Der junge Spranger vor Minerva; Radierungen: Hl. Bartholomäus; Hl. Sebastian; Hl. Johannes Ev.
Lit.: A. Niederstein, Art. Spranger, in: Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Bd. 31, Leipzig 1937, 403-406 (mit Bibliographie bis 1936); - A. MatÞjcek, Sprangerùv epitaf praþského zlatnika Müllera, in: UmÞní, IX, Prag 1936, 91; - H. Weihrauch, Rötel- und Kreidezeichnungen Bartholomäus Sprangers, in: Münchener Jahrbuch XII, München 1937, VI-IX; - A. Welcker, Goltzius, niet Spranger, in: Oud Holland, Amsterdam 1950, 119 f.; - J. Neumann, Nove objeveny obraz Bartholomeje Sprangera, in: Z pravy Památove pécÞ, 13, 1953, 27-32; - H. W. v. Löhneysen, Bartholomäus Spranger, in: Die Ältere Niederländische Malerei, Künstler und Kritiker, Eisenach-Kassel 1956, 403-408; - J. Burian, Sprangerova alegorie z roku 1607, UmÞní, Prag 1959, 54-56; - K. Oberhuber, Die stilistische Entwicklung im Werk Bartholomäus Sprangers (Diss.), Wien 1959; - A. v. K. Varga, Fortune by Spranger, Dayton Art Institute Bulletin, XX, 6, 1962, 1; - Fritz Baumgart, Renaissance und Kunst des Manierismus, Köln 1963, 178-181; - K. Oberhuber, Die stilistische Entwicklung im Werk von Bartholomäus Spranger, in: Mitteilungen der Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung in Wien, 1963-1965, 35-40; - Ders., Die Landschaft im Frühwerk Bartholomäus Sprangers, in: Jahrbuch der staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg I, 1964, 173-187; - N. Dacos, Spranger e i pittori rudolfini, Mailand 1966; - E. K. J. Reznicek, Bartholomäus Spranger als Bildhauer, in: FS Ulrich Middeldorf, Berlin 1968, 370-375; - B. Schnackenburg, Beobachtungen zu einem neuen Bild von Bartholomäus Spranger, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, 9, Hannover 1970, 148-160; - K. Oberhuber, Anmerkungen zu Bartholomäus Spranger als Zeichner, in: UmÞní, XVIII, 1970, 213-223; - E. FuÚíková, Sprangers Gemälde »Venus und Adonis«, in: UmÞní, XX, Prag 1972, 347-362; - R. Bauer, Das Kunstkammerinventar Kaiser Rudolfs II., 1607-1611, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, 72, Wien 1976, 104 ff.; - R. an der Heiden, Bartholomäus Sprangers Lukas-Madonna, in: Pantheon 1976, Jg. XXIV, München 1976, 34 ff.; - Jacques Bousquet, Malerei des Manierismus. Die Kunst Europas von 1570-1620, 3., überarbeitete und aktualisierte Neuauflage, München 1985, 85; - Michael Henning, Die Tafelbilder Bartholomäus Sprangers (1546-1611). Höfische Malerei zwischen »Manierismus« und »Barock« (= Kunst. Geschichte und Theorie, Bd. 8), Essen 1987; - H. W. Grohn, Art. Spranger, Bartholomäus, in: Kindlers Malerei Lexikon, Bd. V, Zürich u. a. 1968, 408 f.; - Art. Spranger, Bartholomäus, in: Lexikon der Kunst. Malerei. Architektur. Bildhauerkunst, Bd. 11, Freiburg-Basel-Wien 1990, 117 f.