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Band X (1995)Spalten 1078-1079 Autor: Detlef Grothmann

SPROLL, Johannes Baptist, »Bekennerbischof« von Rottenburg, * 2.10. 1870 in Schweinhausen bei Biberach als Sohn des Straßenwärters Josef Sproll und seiner Ehefrau Anna Maria, geb. Freuer, † 4.3. 1949 in Rottenburg. - S. besuchte zunächst die Lateinschule in Biberach, sodann als Konviktorist das Gymnasium in Ehingen/Donau. Nach dem Theologiestudium am Wilhelmsstift in Tübingen in den Jahren 1890-1894 promovierte er 1898 mit einer Arbeit über die Rechts- und Verfassungsgeschichte des Tübinger St. Georgen-Stiftes zum Dr.phil.. Nach Priesterrweihe und zweijährigem Vikariat in Hofs bei Leutkirch und in Oberndorf/Neckar wurde S. 1897 Repetent für Kirchenrecht am Wilhelmsstift. Zwischen 1900 und 1909 war er Subregens im Priesterseminar in Rottenburg. In dieser Zeit publizierte er eine Anzahl kleiner und größerer Untersuchungen zur kirchlichen Verwaltung und zur Diözesangeschichte. Hinzu traten lokalhistorische Publikationen und eine Landesbeschreibung von Württemberg. Bevor Bischof Keppler von Rottenburg ihn 1912 zum Domkapitular berief, war S. drei Jahre lang Pfarrer in Kirchen bei Ehingen/Donau. Ende Oktober 1913 erfolgte seine Ernennung zum Generalvikar und seit Anfang März 1916 bekleidete er zusätzlich das Amt des Weihbischofs von Rottenburg. Am 14. Juni 1927 erfolgte seine Inthronisation als Oberhirte dieser Diözese. Die Vereinsarbeit im Sinne der von Papst Pius XI. initiierten und von Nuntius Pacelli auf dem Katholikentag in Magdeburg im Jahre 1928 ausgerufenen Actio catholica, welche die katholischen Laien wieder näher an die Hierarchie führen sollte, stand im Mittelpunkt seiner Seelsorgetätigkeit. Sein prononcierter Antibolschewismus ließ kurz vor und nach der nationalsozialistischen Machtergreifung Anknüpfungspunkte zur Partei Hitlers möglich werden. Erst als es seit Mitte der dreißiger Jahre zum verstärkten Kirchenkampf des NS-Regimes kam, nahm S. unmißverständlich gegen dessen Rechtsbrüche Stellung. Nachdem sich S. bei der Volksabstimmung zum »Anschluß« Österreichs am 10.4. 1938 der Stimme enthalten hatte, kam es zu einem Ermittlungsverfahren wegen »Heimtücke« und zu inszenierten Demonstrationen gegen ihn. Ende August 1938 erfolgte die Ausweisung des Bischofs aus seiner Diözese. Bis 1945 hielt sich S. zunnächst im Kloster St. Ottilien, sodann im Haus der Ursberger St. Josefsschwestern in Krumbach auf. Trotz starker körperlicher Behinderung kehrte S. im Sommer 1945 auf seinen Bischofsstuhl zurück. - Seine hohe Popularität machte ihn zu einem »Volks-«, sein Widerstand im Dritten Reich zu einem »Bekennerbischof«.

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Werke: Ortsgeschichte in den Oberämtern Biberach, Laupheim, Leutkirch, Ravensburg, Riedlingen, Saulgau, Waldsee, Wangen. Das Königreich Württemberg. (Eine Beschreibung nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden. Bd. 4: Donaukreis), Stuttgart 1907; Die Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter Gottes im Weggental und ihre Heimat Rottenburg a.N.. Bilder und Skizzen zur Erinnerung an das 400jährige Jubiläum der Wallfahrt am 2. VII. 1917. Mit einem Geleitwort von Paul Wilhelm von Keppler und Beiträgen von Johannes Baptist Sproll u.a., Rottenburg 1917; Paul Pfaff, Gesetzeskunde. Zusammenstellung kirchlicher und staatlicher Verordnungen für die Geistlichkeit des Bistums Rottenburg. 2. Aufl., bearbeitet von J.B. Sproll, 2 Bde., Rottenburg 1918; Fastenhirtenbrief 1927, Rottenburg 1927; Fastenhirtenbrief über das Papsttum 1932, Rottenburg 1932; Gottesglauben und Gottlosigkeit. Fastenhirtenbrief 1933, Rottenburg 1933; Der neue Mensch in der neuen Zeit. Fastenhirtenbrief 1934, Rottenburg 1934; Christentum und Christen. Fastenhirtenbrief des Bischofs 1935, Rottenburg 1935; Predigt des Hochwürdigen Bischofs Joannes Baptista bei der Männerwallfahrt auf den Störenberg am 15. November 1936, Rottenburg 1936.

Lit.: E. Kaim, Der Bischof ist wieder da, 1945; - A. Späth, Johannes Baptista Sproll. Der Bekennerbischof, 21963; - P. Kopf, M. Müller (Hrsg.), Die Vertreibung von Bischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg 1939-1945. Dokumente zur Geschichte des kirchlichen Widerstandes, 1971; - P. Kopf, Joannes Baptista Sproll, Bischof von Rottenburg (1870-1949). In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken 13, 1977, 442-469; - J. Köhler, Zwischen Kultur und Kirchenkampf. Neue Aspekte zur Geschichte der Diözese Rottenburg in den Jahren 1930-1944. In: Th Q 159, 1979, 125-139; - Paul Kopf, Briefwechsel zwischen Joannes Baptista Sproll, Conrad Gröter 1941-1944. - Ein Beitrag zur Vertreibung des Rottenburger Bischofs aus seiner Diözese 1938-1945, in: Rottenburger Jahrbuch zur Kirchengeschichte Bd. 11 (1992), 271-300.

Detlef Grothmann

Literaturergänzung:

1982

Paul Kopf, Joannes Baptista Sproll (1870-1949), in: Jürgen Aretz/Rudolf Morsey/Anton Rauscher (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 5. Mainz 1982; -

1988

Kopf, Paul: Die Vertreibung von Bischof Joannes Baptista Sproll, Ursachen - Verlauf - Reaktionen, in: Dieter R. Bauer und Abraham P. Kustermann (Hrsg.): Gelegen oder ungelegen - Zeugnis für die Wahrheit. Zur Vertreibung des Rottenburger Bischofs Joannes Bapitista Sproll im Sommer 1938 (Hohenheimer Protokolle, Bd. 28), Stuttgart 1988, S. 111-141; - Kopf, Paul: Joannes Baptista Sproll, Leben und Wirken: zum 50. Jahrestag der Vertreibung des Rottenburger Bischofs am 24. August 1938, Sigmaringen 1988; -

1996

Kopf, Paul: Bischof Joannes Baptista Sproll auf der Flucht, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte Band 15, 1996, S. 231-242; -

2008

Gebhard Fürst, "Gott mehr gehorchen als den Menschen". Apostelgeschichte 5,29. Öffentl. Gedenkfeier für Bischof J.B.S. am 23. Juli 2008 in Rottenburg am Neckar. 2008; -

2009

Franz X. Schmid, Dr. J.B.S. (1870-1949). Bischof von Rottenburg (1927-1949). Annäherung an e. d. Kirche treuen Bischof, der seinen Wahlspruch fortiter in fide tapfer u. gläubig gelebt hat. Lindenberg im Allgäu 2009. Buch + 1 DVD; -

2010

Um seines Gewissens willen - Bischof J.B.S. zum 60. Todestag. Mit Beitr. von Dominik Burkard ... Red. Maria E. Gründig. Ostfildern 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011