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Band XI (1996)Spalten 656-658 Autor: Johannes Madey

TENCIN, Pierre-Guérin de, * 22. August 1679 in Grenoble, + 2. März 1758 in Lyon. Nach seinen theologischen Studien an der Pariser Sorbonne empfing T. die Priesterweihe, erhielt 1702 die Abtei Vézelay und wurden 1703 Generalvikar des Bischofs von Sens. In den Jahren 1721-1724 nahm die französische Krone seine Dienste in Anspruch, und T. wurde ihr Geschäftsführer in Rom. Papst Benedikt XIII. ernannte ihn daraufhin zum Erzbischof von Embrun [dieses Erzbistum ist jetzt mit dem Erzbistum Aix vereint]. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich berief er auf Veranlassung des französischen Kardinals und Staatsmann Hercule-André Fleury das Provinzialkonzil von Embrun, auf dem der jansenistische Bischof J. Soanen von Senez verurteilt und abgesetzt wurde. Am 15. Juli 1739 wurde T. von Papst Clemens XII. in das Kardinalskollegium berufen, und am 25. Februar 1740 wurde er auf den erzbischöflichen Stuhl von Lyon versetzt. Im gleichen Jahr nahm er am Konklave teil, aus dem Prospero Lambertini als Papst Benedikt XIV. hervorging. Mit diesem Papst verband T. eine enge Freundschaft. Er blieb bis 1742 in Rom als französischer Geschäftsführer. In diesem Jahr ernannte ihn Fleury zum Staatsminister. Bis 1751 gehörte er dem Staatsrat an; zeitweise konnte er seinen Einfluß dort auch in der Außenpolitik geltend machen. Außerdem ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Legaten für Frankreich; dieses Amt übte er von 1742 bis 1756 aus. T. erwies sich als Theologe von Rang. Dafür zeugen seine Hirtenbriefe. Wegen seiner Neigung zur politischen Intrige, seinen fragwürdigen Geschäften mit dem schottischen Financier J. Law, dem schlechten Ruf seiner Schwester ClaudeAlexandrine und seiner bedingungslosen Ablehnung der Jansenisten hatte er sehr viele Gegner und mußte viele persönliche Anfeindungen ertragen.

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Werke: Mehrere seiner Schriften, die jedoch nicht alle von ihm verfaßt worden sind, richten sich gegen die »Consultation des avocats du Parlement de Paris au sujet du jugement rendu à Embrun contre l'évêque de Senez« (1727/28). - Wichtig sind seine Pastoralschreiben an seine Diözesanen, die echte theologische Traktete sind: vom 15. August 1721 über die gegen die Jansenisten gerichtete Apost. Konstitution »Unigenitus«; vom 1. Mai, 1. September und 3. Oktober 1732, 15. Februar 1734, 15. Oktober 1735, die sich alle gegen gefährliche Zeitirrtümer wenden. Der Katalog der »Bibliothèque lyonnaise de Coste«, Lyon 1853, nennt 45 Handschriften und Pastoralinstruktionen. In den Archiven des Außenministeriums von Paris befinden sich in der Abteilung »Correspondance« zahlreiche wertvolle Briefe: zum Kardinalat von Dubois (t. 628-632), zu Angelegenheiten des Königs in der Zeit von 1721 bis 1724 (t. 632-652), zu seiner eigenen Erhebung in den Kardinalsrang (t. 774-777), zum Konklave von 1740 (t. 775-780), zu seiner letzten Mission (t. 781-790).

Lit.: Dictionnaire historique, littéraraire et critique IV, 428-430; - Dictionnaire historique et biographique III, 515; - Allard, Bibliothèque de Dauphiné 307 f.; - A. Rochas, Biographie de Dauphiné II, 433-438; abbé Audouy, Notice historique sur le cardinal de T., Lyon 1832; - M. Boutry, Intrigues et mission du cardinal de T., Paris 1902; - P.-M. Masson, Madame de T., Paris 1909; - Ch. de Coynard, Les Guérin de T., Paris 1910; - E. de Hoeckeren, Lettres de Benoît XIV au cardinal de T., 2 Bde, Paris 1912; - P. Richard, Le secret du pape. Un légat apostolique en France, in: Revue des questions historiques 48 (1912), 27-61 und 364-403; - J. Carreyre, in: ebd. 64 (Paris 1929), 47-106 und 318-367; - E. Morelli, Le lettere di Benedetto XIV al cardinale de T., Band I: 1740-47, Rom 1955; - Dictionnaire de Théologie Catholique XV, 115 f.; - ECatt XI, 1909 f.; - LThK 2IX, 1363; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3472; - Le Dran, Sur le progrès de la fortune de l'abbé de T. devenu archevêque d'Embrun et ensuite cardinal-archevêque de Lyon et primat de France et sur la religieuse de T., sa soeur (Archiv des Außenministeriums in Rom, Mem. e Doc. t. LXXIII-LXXV).

Johannes Madey

Letzte Änderung: 17.12.2011