TISCHLEDER, Peter, Professor für Moraltheologie, * 22.2. 1891 in Dromersheim bei Bingen, † 24.5. 1947 in Mainz. - Von 1909-1914 studierte T. Theologie im Mainzer Seminar; dort empfing er am 3.8. 1914 die Priesterweihe. Nach der Kaplanszeit setzte er 1919 sein Studium in Münster/W. fort, wo er 1920 bei Josef Mausbach promovierte, der ihn auch habilitierte. 1922 erhielt T. eine Dozentur an der Universität Münster und folgte dort 1931 seinem Lehrer auf dem Lehrstuhl für Moraltheologie. Kurz vor seinem Tode wechselte er 1946 als Ordinarius für christliche Anthropologie und Sozialethik an die wiedereröffnete Universität Mainz. - Im theol. Denken durch Thomas von Aquin geprägt, setzte sich T. v.a. mit ethischen Fragen des Staats- und Völkerrechts auseinander. So konzipierte er nicht zuletzt im Kampf gegen den Nationalsozialismus 1941 auf Anregung des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen einen Entwurf über die Menschenrechte, der dem Mainzer Bischof Stohr u.a. zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Hirtenschreibens der deutschen Bischöfe zu diesem Thema diente.
Werke: Wesen und Stellung der Fau nach der Lehre des hl. Paulus. Eine ethische-exegetische Untersuchung (Diss. Münster), 1923; Ursprung und Träger der Staatsgewalt nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin und seiner Schule (Habil. Münster), 1923; Die geistesgeschichtliche Bedeutung des hl. Thomas von Aquin für Metaphysik, Ethik und Theologie, 1927; Die Staatslehre Leos XIII., 1927; Staatsgewalt und katholisches Gewissen, 1927; T.-Heinrich Weber, Handbuch der Sozialethik, 1931; Die Bedeutung des Franziskus von Vittoria für die Wissenschaft des Völkerrechts, in: Aus Ethik und Leben. Festschr. f. Josef Mausbach, 1931, 90-106; Eingriffsrecht und Eingriffspflicht des Staates zur Lösung der Linderung der sozialen Frage nach dem Rundschreiben »Rerum Novarum«, in: Publicazioni dell' Università cattolica del Sacro Cuore 3/11, 1931, 498-524; Die naturrechtliche Grundlage der Staats-, Kirchen- und Kolonialpolitik nach der Lehre des Franziskus von Vittoria, in: Volkstum und Kulturpolitik, 1932; Der Mensch in der Auffassung des hl. Thomas von Aquin, in: Das Bild vom Menschen. Fritz Tillmann zum 60. Geburtstag, 1934, 42-57; Der Totalismus in der prophetischen Vorausschau W.E. von Kettelers, 1947; Das rechte Bild vom Menschen als Voraussetzung aller rechten Menschensorge besonders aller rechten Seelsorge, 1947; Wilhelm Emmanuel von Ketteler, ein klassischer Anwalt und Herold der Synthese von der gleichzeitigen Statik und Dynamik des sittlichen Naturgesetzes und Naturrechtes, in: Jb. f.d. Bist. Mainz 5, 1950, 94-121; Vom Ethos der Völkergemeinschaft, in: Ludwig Lenhart (Hrsg.), Universitas. Festschr. f. Bischof Dr. Albert Stohr, Bd. 2, 1960, 405-414; Der Dekalog - Die Magna Charta der Menschenrechte im Einzelnen, in: Ludwig Berg (Hrsg.), Peter Tischleders Auffassung von den Menschenrechten, in: AMrhKG 14, 1962, 389-407.
Lit.: Johannes Kraus, Universitas. Professor Dr. Peter Tischleder in piam memoriam, 1947; - Ludwig Berg (Hrsg.), Peter Tischleders Auffassung von den Menschenrechten, in: AMrhKG 14, 1962, 387 f.; - Ders., Mainzer Theologen zu Sozialstaat und Menschenrechten, in: Mainzer Almanach, 1972/74, 129; - Ludwig Lenhart, Neuzeitliche Mission in einem fünfundzwanzigjährigen Mainzer Episkopat, in: Mainzer Almanach, Mainz 1965, 90 f.; - Augustinerstraße 34. 175 Jahre Bischöfliches Priesterseminar Mainz, o.O.o.J. [Mainz 1980], 348.
Sigrid Duchhardt-Bösken
Literaturergänzung:
Fleck, Peter: "Der gemeinde größter Sohn". Peter Tischleders Lebensweg vom rheinhessischen Bauerrnjungen zum Moraltheologen und 'Begutachter' der hessischen und rheinland-pfälzischen Verfassung (1891-1947). In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Jg. 56, 1998, S. 205-254; -
Manfred Hermanns: Sozialethik im Wandel der Zeit. Paderborn 2006, insbesondere S. 162-170.
Letzte Änderung: 17.12.2011