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Band XVI (2000)Spalten 1499-1501 Autor: Johannes Madey

VÁCLAV (Wenzel, Wenzezlaus, Venceslaus), Herzog von Böhmen, Martyrer, Heiliger (Fest am 28. September, Gedächtnis der Übertragung der Gebeine am 4. März). * etwa 903/905, † 28. September 929 (Cosmas von Prag) oder 939 (Widukind von Corvey) in Altbunzlau/Stará Boleslav. Er entstammte dem Geschlecht der Přemysliden. Seine Eltern waren Herzog Vratislav und dessen Gemahlin Drahomira. Unter dem Einfluß seiner Großmutter, der hl. Ludmilla, erhielt er eine gründliche christliche Erziehung an der Lateinschule von Budeč. Nach dem Tode Vratislavs übte seine Mutter Drahomira die Vormundschaft aus. Ihre stark auf sie selbst bezogene Regentschaft führte zu Unruhen in Böhmen, denen die hl. Ludmilla zum Opfer fiel. Bald danach, etwa um 925, wurde V. selbst Regent von Böhmen. Von Anfang an traf er auf die Feindschaft der antigermanisch eingestellten Partei, die von seiner Mutter Drahomira gefördert wurde. Da die Christianisierung einer ihren heidnischen Bräuchen anhängenden Bevölkerung ohne die Unterstützung von Missionaren aus Bayern oder Schwaben nicht möglich war, fand der Haß gegen den jungen Fürsten weitere Nahrung. Diese Ausrichtung nach Westen, die religiös den Anschluß an die abendländische Kirche und politisch die Anlehnung an das deutsche Königtum bedeutete, beunruhigten die antigermanischen Kreise. Bemühungen V.s um eine Milderung der Untertänigkeit des Volkes, ferner darum, die Gerichtsbarkeit der Grundherren an feste Normen zu binden, und vielleicht noch weitere Faktoren führten wohl zu dem Entschluß der germanophobischen Partei, den jungen Monarchen umzubringen. Dafür wurde auch V.s jüngerer Bruder Boleslav gewonnen. Dieser lud V. auf das Schloss in Altbunzlau ein, wo er ihn tötete. Als Boleslav I. wurde er der Nachfolger seines Bruders. Bald nach dessen Tod begannen die Gläubigen, V. als Martyrer zu verehren. Noch unter Boleslav I. wurde sein Leib in die von ihm selbst errichtete Kirche St. Veit überführt. V. wurde zum Landespatron für das ganze böhmische Volk. Seine Verehrung breitete sich nach und nach von Böhmen und Mähren auch nach Deutschland aus. Unter Kaiser Karl IV. wurde V. das Symbol der Klammer der Reichstradition, die Böhmen umschließt. Die Krone des Königreiches Böhmen wurde als "St.-Wenzels-Krone" zum staatsrechtlichen Symbol der staatlichen Eigenständigkeit Böhmens innerhalb des Heiligen Römischen Reiches und später der Habsburger Monarchie.

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Quellen: Acta SS. Septembris, VII, Antwerpen 1760, 700ff.; - Verschiedene Vitae in: J. Martinov, Annus ecclesiasticus graeco-slavicus, Brüssel 1863, 234-236; - Fontes rerum Bohemicarum, I, Prag 1873, 125f. 144-156. 167-190. 199-227.

Lit.: J. Kalousek, Obrana knižete Václava svatého, Prag 21901; - J. Pekař, Die W.- und Ludmila-Legenden und die Echtheit Christians, Prag 1906; - A. Naegle, Kirchengeschichte Böhmens, I/2, Wien-Leipzig 1918; - ders., Der hl. Wenzel, Warnsdorf 1928; - P. David, Bohême, in: DHGE IX, 475; - J. Vajs (Hrsg.), Sborník staroslovanských literárnich památek o sv. Václavu a sv. Ludmile, Prag 1929; - W. Wostry, Drei St.-W.-Studien, in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 3 (Prag 1930-1933), 290-372; - Svatováclavský Sborník, I, Prag 1934; II/2, (ebd. 1939; II/3, ebd. 1937); - Martyrologium Romanum, Brüssel 1940, 421f.; - Fliche-Martin (Hrsg.), Histoire de l'église depuis les origines jusqu'à nos jours, VIII, Paris 1935ff., 404f.; V. Chaloupecký, Kniže svatý Václav, in: Český časopis historický 74 (Prag 1946), 4-54; - R. Urbánek, Legenda t. sv. Kristiana v vyvoji předhusitských legend Ludmilských i Václavských a jeji autor, 2 Bde, Prag 1947-1948; - ECatt XII, 1179; - J. Ludovikovský, Crescente fide. Gumpold a Kristian, in: Sborník prací filosofické fak. Brnĕnské university, Ser. D 3, Brünn 1955, 48-66; - W. Wegener, in: ZSavRG.germ 72 (1955), 56-82; - P. Devos, in: Analecta Bollandiana 81 (1963), 368ff; 82 (1964), 87-131; - E. Herrmann, Slawisch-germanische Beziehungen im südostdeutschen Raum, München 1965; - LThK2 X, 1044-1046.

Johannes Madey

Literaturergänzung:

2002

Grzegorz Rys, The patron saint of the reconciliation. In a circle of the oldest "lifes" of St. Venceslaus, in: AnCra 34.2002, S. 425-432; -

2005

Klaus Herbers, Lenka Jiroušková, Bernhard Vogel (Hrsg.): Mirakelberichte des frühen und hohen Mittelalters. Lateinisch und deutsch. Unter Mitarbeit von Clemens Heydenreich, René Hurtienne, Sofia Seeger und Bernhard Waldmann (= Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Reihe A, Bd. 43) Darmstadt 2005; -

2009

Wenzel von Böhmen - Heiliger u. Herrscher. Red. Andreas Fingernagel. Wien 2009; - Papst Benedikt XVI., Homilia in eucharistica celebratione ad memoriam sancti Venceslai in loco Stará Boleslav recolendam, in: AAS 101.2009, S. 851-854; -

2010

Svatý Václav. Petr Kubín (ed.). Praha 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011