VIEBAHN, Friedrich Karl Hermann Georg von, preuß. General und Evangelist, * 15.11. 1840 in Arnsberg/Westfalen, + 15.12. 1915 in Berlin Sohn des preußischen Regierungsbeamten Johann Georg v. V. und Auguste geb. Bitter. V.s Vater war Geh. Finanzrat in Berlin und Regierungspräsident in Oppeln (Opole). 1872 Heirat mit Christine geb. Ankersmit (* 1847) aus einer Amsterdamer Patrizierfamilie, nach deren Tod 1884 heiratete er 1887 deren Schwester Marie Ankersmit (1848-1926). V. wuchs in einem betont christlichen und deutschnational geprägten Elternhaus auf. Während seines Konfirmandenjahres bei dem Berliner Domprediger Snethlage erlebte er eine Bekehrung, die seine Zukunft bestimmte und ihn in Erweckungskreise führte. Er schlug die militärische Laufbahn ein und wurde nach seinem Studium Fahnenjunker beim Garde-Grenadierregiment Nr. 1 in Berlin. 1863-66 Besuch der Kriegsakademie, nahm auf eigenen Wunsch 1864 am Dänischen Feldzug teil; 1867 Adjutant der 42. Infanteriebrigade in Frankfurt/Main, beteiligte sich aktiv am deutsch-französischen Krieg 1870 und konnte der französischen Gefangenschaft entfliehen. 1883 Kommandeur der königlichen Kriegsschule zu Engers am Rhein, 1889 Kommandeur des Infanterieregiments 29 in Trier, Gründung eines evangelischen Soldatenheimes. 1892 Generalmajor und Kommandeur der 5. Infanteriebrigade in Stettin. V. war Träger diverser hoher militärischer Orden. Bereits während seiner militärischen Laufbahn war er missionarisch tätig, gab seit 1895 ein evangelistisches Wochenblatt für Soldaten heraus unter dem Titel: »Zeugnisse eines alten Soldaten an seine Kameraden« und gründete den »Verband gläubiger Offiziere«. 1896 nahm er seinen Abschied vom Militär und widmete sich fortan seiner evangelistischen und schriftstellerischen Tätigkeit. Er engagierte sich als aktiver Förderer der Blankenburger (Alianz-)Konferenz. V. erklärte 1905 öffentlich seinen Kirchenaustritt aufgrund liberaler und bibelkritischer Tendenzen in der pommerschen Provinzialkirche der altpreußischen Union. v. V. stand in der Tradition der Erweckungsbewegung des 19. Jh.s. mit einer moralisch rigorosen Haltung, die er in zahlreichen Kleinschriften in meist mehreren Auflagen propagierte.
Werke: Geschichte des Gardegrenadierregiments [o.O.,o.J.]; Erhöhung des Militärbudgets, Lösung der Unteroffiziersfrage [o.O., 0.J.]; Die Angriffe des Herrn Richter gegen die Armee, beleuchtet von einem deutschen Soldaten. Diesdorf [o. J.]; Kann ein gläubiger Christ den Weg des Zweikampfs gehen? Diesdorf 1902; Sieg der Gnade - Ereignisse aus der Wirklichkeit des Lebens. Barmen 1914; Verlobung und Verheiratung der Gläubigen im Lichte des Wortes Gottes. Aidlingen 1958
7; Die Ehe der Gläubigen im Lichte des Wortes Gottes. (4 Aufl) Diesdoff [o. J.]; Das Haus des Christen im Lichte des Wortes Gottes. Diesdorf [o. J.]; Der Quell der Kraft - der Strom des Friedens - das Meer der Gnade (5 Aufl.). Diesdorf [o. J.]; Die Wahrheit der ewigen Verdammnis. (2 Aufl.) Diesdorf [o. J.]; Ewigkeitsstrahlen in das Leben des deutschen Offiziers. Diesdorf [o. J.]; Gibt es eine völlige Befreiung und einen völligen Sieg auf dem Gebiete der Fleischeslust? (6. Aufl.) Diesdorf [o. J.]; Irdischer Kriegsdienst und biblisches Christentum. Diesdorf [o. J.]; Lebt Christus? (4. Aufl.). Diesdorf [o. J.]; Paßt das Evangelium der Bibel noch in das 20. Jahrhundert? (4 Aufl.). Diesdorf [o. J.]; Ratschläge für den Dienst des Helferkreises bei Evangelisationen. Diesdorf [o. J.]; Stirb und werde! (3. Aufl). Diesdorf [o. J.]; Was lehrt die Schrift über die Bedeutung und Feier des Abendmahls? Diesdorf [o. J.]; Herausgeber: seit 1899: »Bibellesezettel« und »Schwert und Schild« (Vierteljahresschrift zur Förderung persönlichen Christentums. Den Offizieren der deutschen Armee und Marine dargeboten).
Lit.: Friedrich Wilhelm v. V., G. v. V., ein Streiter Jesu Christi. Berlin 1918; Hans Brandenburg, Ich hatte Durst nach Gott. Aus dem Leben und Dienen von Christa von Viebahn, Aidlingen o.J.; Ders., Georg von Viebahn. General und Evangelist. Aidlingen 1984, 19922; - Kurt v. Priesdorff, Soldatisches Führertum, Bd. 10; - Friedrich Hauss, Väter der Christenheit. Wuppertal/Zürich 1991, 562-564; - RGG3, 6, 1394.
J. Jürgen Seidel
Letzte Änderung: 09.04.2011