Verlag Traugott Bautz |
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WAGNER, Liborius, sel. (1593-1631), kath. Priester, Märtyrer. * 5. Dezember 1593 in Mühlhausen in Thüringen, † 9. Dezember 1631 in Schonungen in Franken. - W. wuchs in streng protestantischem Elternhaus auf. Sein Vater war Schneidermeister, nebenher Landwirt, zeitweilig Zunftobermeister und reichstädtischer Ratsherr. Ab 1613 studierte Liborius in Leipzig die Freien Künste, 1614 in Gotha und bis 1619 in Straßburg, wo der den Magistergrad erwarb. Der junge Magister macht eine innere Wandlung durch vom überzeugten Protestanten zum überzeugten Katholiken. Nachdem die Bewerbung um eine Lehrstelle in seiner Heimatstadt erfolglos blieb, entschloß er sich 1622 zum Studium der Theologie an der vom Gegenreformator Julius Echter gegründeten Universität Würzburg. Unter dem Einfluß der Jesuiten konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche und empfing 1625, im Alter von 32 Jahren, die Priesterweihe. Zunächst war er ein Jahr als Kaplan in Hardheim (Odenwald) tätig, bevor der 1626 die Pfarrstelle in Altenmünster bei Schweinfurt mit der Filiale Sulzfeld erhielt. Inmitten einer Zeit religiöser Intoleranz bemühte Wagner sich um den Ausgleich der Konfessionen. Philipp Albert Truchseß von Wetzhausen auf Sternberg bestimmte jedoch als Dorfherr die Einwohner Altenmünsters zum protestantischen Glauben. Nur einigen Dienstboten wurde der katholische Glaube zugestanden. In Sulzfeld lebten dagegen fast nur Katholiken. Nach weltlichem Recht mußte Wagner auch die evangelischen Dorfbewohner taufen, trauen und beerdigen. Das führte zu erheblichen Konflikten. Zum einen stand es im Wiederspruch mit dem katholischen Kirchenrecht, zum anderen brachte es die protestantischen Bauern gegen ihn auf, die ihm mit zunehmender Feindseligkeit begegneten. - Als 1631 die Armee des Schwedenkönigs Gustav Adolf nach Franken einrückte, flüchtete Wagner in das fünf Kilometer entferne Reichmannshausen. Aber er wurde von protestantischen Soldaten aufgespürt, gefangen genommen und nach Burg Mainberg bei Schonungen verschleppt. Dort war man ihm vor allem vor, dem protestantischen Glauben abtrünnig geworden zu sein und versuchte ihn, zur Abkehr vom katholischen Glauben zu zwingen. Standhaft weigerte er sich. Auf die höhnische Frage, ob er noch katholisch sei antwortete wer jedoch immer wieder: "Ich lebe, leide und sterbe päpstlich-katholisch". Nach fünf Tagen grausamer Folter starb er am 9. Dezember 1631 als Märtyrer. Sein Leichnam wurde nackt in den Main geworfen und erst nach mehreren Monaten von Fischern geborgen. Heute ruhen seine Gebeine in der Pfarrkirche zu Heidenfeld im Landkreis Schweinfurt. - Als nach der schwedischen Niederlage 1634 der Katholizismus in Franken wieder erstarkte, verbreitete sich rasch der Ruf von Wagners heiligmäßigem Märtyrertod. Am 24. März 1974 wurde Liborius Wagner von Papst Paul VI. selig gesprochen. Sein Gedenktag wird am 9. Dezember begangen. "Er, der selige Liborius, ist ein Beispiel, ist ein Märtyrer, den wir freilich nicht feiern wollen als eine "gezielte Glaubenskundgebung", nämlich um aus seinem Martyrium einen Grund zur Polemik und zur Anklage zu machen, wohl aber als ein Zeugnis des Beispiels für alle und der Einladung zur Versöhnung und zum Geiste der Brüderlichkeit." (Papst Paul VI. bei der Seligsprechung).
Wiebke Buchholz
Literaturergänzung:
1986
Karl Böck, Menschen und Heilige. 2. Aufl. Donauwörth 1986, S. 248-251; -
2008
Johannes Strauß, L.W. aus evang. Sicht, in: ZBKG 77.2008, S. 162-196;- Erik Soder von Güldenstubbe, Zur Seligsprechung von L.W. Anmerkungen e. kath. Kirchenhistorikers, in: ebd. S. 197-221.
Letzte Änderung: 09.04.2011