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Band XIX (2001)Spalten 1508-1510 Eric Steinhauer

WANGER, Willibald: katholischer Priester, Missionar und Afrikanist, zeitweilig Trappist (OCR) und Mitglied der Mariannhiller Missionare (CMM) in Mariannhill/Südafrika. - * 1.1. 1872 in Lellenfeld, † 14.10. 1943 in München. Nach Abitur und ersten Studien in Eichstätt, wo er am 8.12. 1890 die Tonsur erhalten hatte, trat Wanger am 9.1. 1892 in das damalige Trappistenkloster Mariannhill ein. Er legte am 2.2. 1894 seine Erste Profeß ab. Zum weiteren Theologiestudium wurde er nach Rom geschickt. Seine Studien konnte er aber nicht vollenden, da er wegen "charakterlicher Mängel" wieder nach Mariannhill zurück mußte. Gleichwohl wurde Wanger gegen die Bedenken des Generalabtes der Trappisten im Februar 1897 zum Priester geweiht. Zuvor hatte er am 2.2. 1897 die Feierliche Profeß abgelegt. Nach seiner Priesterweihe wirkte er in der Missionsstation "Lourdes". Schon 1894 begann Wanger, sich für Sprache und Kultur der Zulu zu interessieren. So sammelte er Zulu-Lieder für ein Kirchengesangbuch. Sein großes Hauptwerk aber war ein Katechismus in der Zulu-Sprache, der 1912 erschienen ist. Im Zusammenhang mit der Herausgabe dieses Katechismus kam es zu heftigen Kontroversen über die Angemessenheit und Rechtgläuigkeit der verwendeten Terminologie, so daß 1915 eine gereinigte Ausgabe des Katechismus erscheinen mußte, die aber nur in wenigen Exemplaren Verbeitung fand und weitere Kontroversen nach sich zog. Als Folge dieser Auseinandersetzungen mußte Wanger 1920 die Mission in Mariannhill verlassen. Er wirkte nunmehr als Benefiziat in Gaimersheim bei Ingolstadt, wo er sich weiterhin mit linguistischen und ethnologischen Studien befaßte. Wegen nicht mehr genau aufzuhellender Umstände wurde Wanger verhaftet und am 14.10. 1943 in München hingerichtet. Vermutlich hatte er die staatlichen Behörden durch einen unguten Mystizismus auf sich aufmerksam gemacht, da er einen konkreten Fall von menschlicher Parthenogenese behauptet hatte. Der konkrete Grund seiner Hinrichtung könnte darin liegen, daß Wanger im Gefängnis zuviel über die Röhm-Affäre erfahren hatte. Er gilt aber nicht als Märtyrer und findet daher im neuen deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts auch keine Erwähnung. Wanger hatte mit seiner Katechismusarbeit ein wichtiges missiologisches Problem aufgeworfen, nämlich den angemessenen Ausdruck des katholischen Glaubens in einer fremden, nicht-europäischen Kultur. Sein Ansatz, möglichst von der Sprach- und Vorstellungswelt der einheimischen Bevölkerung auszugehen, verdient unter dem Gesichtspunkt der Inkulturartion Zustimmung. Leider fehlte Wanger die nötige Sensibilität und Geduld, seinem Anliegen gegen Widerstände zum Durchbruch zu verhelfen.

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Werke: Ikatekisi elikatolike okung'ukuti Incwadi epete (Großer Zulu-Katechismus), Mariannhill 1912; Catholic Zulu Terminology. An explanatory supplement to the Zulu-Catechism by the same author, Mariannhill 1913; Henry Callaway, Willibald Wanger (Hrsg.), The religious system of Amazulu, Mariannhill 1913; Ikatekisi labantwana abang'amaKolike ababatshatizwa besey'izingane (Kleiner Zulu-Katechismus), Mariannhill 1914; Imfundiso yeBandhla elikatolike (Großer Zulu-Katechismus), Mariannhill 1915 (Teile davon finden sich übersetzt bei Lukas Anton Mettler, Christliche Terminologie (s.u.), 181-270); Konversations-Grammatik der Zulu-Sprache, Mariannhill 1917; Scientific Zulu Grammer, Stuttgart 1927 (= Opera Africana Bd. 1); The Zulu notion of God according to the traditional Zulu Godnames, in: Anthropos 18/19 (1923/1924), 656-687; 20 (1925), 558-578; 21 (1926), 351-385; Wittig-Akten usw., und: Gibts auch heute noch Teufel?, Reimlingen 1928; Sumerisches Sprachgut im Zulu und Ntu, in: Anthropos 24 (1929), 551-563; Comparative lexical study of Sumerian and NTU, Bantu -Sumerian the "sanscrit" of the African NTU languages, Stuttgart 1935.

Lit.: Walbert Bühlmann, Die christliche Terminologie als missionsmethodisches Problem, dargestellt am Swahili und an anderen Bantusprachen, Schöneck-Beckenried 1950 (= Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft - Supplementa I); - C. M. Doke, The Southern Bantu Languages, London 1967 (Handbook of African Languages; 5), 18; - M. Kalus, The Truth about Rev. Wanger's "Reform", o.O. 1919; - ders., Answer to the Rev. Wanger's Mita-Pamphlet, o.O, ca. 1925; - Lukas Anton Mettler, Katholische Bibelübersetzungsarbeit in der Zulumission, in: NZM 18 (1962), 22-31; - ders., Christliche Terminologie und Katechismus-Gestaltung in der Mariannhiller Mission 1910-1920 - Der grosse Wanger-Katechismus von 1912 in Zulu und der um ihn entstandene Terminologie- und Katechismus-Streit, Schöneck-Beckenried 1967 (= Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft - Supplementa XV); - Johann Baptist Sauter, The Catholic Zulu Terminology Dispute. A refutation of some innovations introduced into Catholic Zulu terminology by Fr. Willibald Wanger, Mariannhill 1958; - P. Schöbitz, Gibts auch heute noch Teufel?, Reimlingen 1923.

Lex.: AfBA, F. 398, 148-150; - AfBI, Bd. III, 1089; - Dictionary of South African Biography, Bd. II, Cape Town 1977, 830-831; - Kürschners Gelehrtenkalender, 1931, 376; - MarLex., Bd. IV, 305.

Eric Steinhauer

Letzte Änderung: 09.04.2011