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Band XIII (1998) Spalten 379-382 Autor: Wilhelm Kohl

WARTENBERG, Franz Wilhelm Graf v., * 1.3. 1593 in München, + 1.12. 1661 in Regensburg, E: Ferdinand Herzog in Bayern u. Maria v. Pettenbeck. - Der einer morganatischen Ehe entstammende W. studierte in Ingolstadt und Rom, wurde 1604 Propst von Altötting, 1614 Präsident der bayerischen Ratskollegien, 1619 Dompropst von Regensburg, 1621 Obersthofmeister, Direktor in den Bistümern Lüttich, Paderborn, Hildesheim und Münster. Er nahm 1624 am Tag der Liga in Augsburg, 1627 am Kur- und Fürstentag in Mühlhausen (Thür.) teil. Seit 1625 besaß er auch das Bistum Osnabrück, wurde dort 1626 bestätigt und verschärfte die Rekatholisierung des Stiftes, förderte das Schulwesen und verbesserte die Bildung der Geistlichen. Am 22.6. 1629 übernahm er als kaiserlicher Kommissar die Durchsetzung des Restitutionsedikts in Niedersachsen. 1629 erhielt er auch noch das Bistum Minden und 1630 das Bistum Verden, verlor aber 1633 nach dem Siege Herzog Georgs v. Braunschweig-Lüneburg bei Hess.-Oldendorf alle drei Bistümer. Das Bistum Osnabrück fiel an Graf Gustaf Gustafsson, natürlichen Sohn König Gustav Adolfs v. Schweden, der es bis zum Friedensschluß nutzte. Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen (5./6.9.1634) besserte sich die Lage W.s. Er kehrte aus Brüssel nach Köln zurück. Auf dem Regensburger Reichstag von 1636 vertrat er energisch die katholischen Interessen und nahm dort die Priester- und Bischofsweihen. Im Anschluß an eine Reise nach Rom und Loreto wählte ihn das Domkapitel von Regensburg 1641 zum Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge. Der Papst ernannte ihn 1644 zum Apostolischen Vikar der Erzdiözese Bremen. Als kurkölnischer Gesandter auf dem Friedenstag führte er in Münster bis zu 20 Stimmen katholischer Reichsstände. Das Stift Osnabrück verblieb ihm bis zum Tode, sollte danach aber einem protestantischen Regenten zufallen und später alternieren. Am 9.4.1650 übernahm W. das vakante Bistum Regensburg. Am 18.12. d.J. zog er wieder in Osnabrück ein, wo er die Maßnahmen zur Rekatholisierung fortsetzte. 1659 wirkte er als kaiserlicher Prinzipalgesandter auf dem Regensburger Deputationstag. Papst Alexander VII., der W. aus seiner Zeit als Nuntius (Fabio Chigi) in Münster kannte, erhob ihn am 5.4. 1660 zum Kardinal, doch erlangte W. vor seinem Tode keinen Titel mehr. Er wurde in Altötting bestattet.

Werke: Synodus maior Osnabrugensis, id est decreta et constitutiones in synodo promulgatae praesidente... Francisco Guilelmo s. Osnabrugensis ecclesiae episcopo, Typographia episcopalis Osnabrugensis 1628/30; Agenda seu rituale Osnabrugense ad usum Romanum accomodatum auctore et iussu Francisci Guilelmi episcopi Osnabrugensis, Coloniae 1653; - Synodus Verdensis anno 1630, Mindensis anno 1632 unacum serie historica episcoporum et catalogo cleri utriusque dioeceseos, Coloniae 1653; - Synodi Bonnensis celebratae ab eodem ... W. qua praeposito et archidiacono subiectorum, Coloniae 1653; - Synodus Hildesimensis ab eodem qua commissario celebrata 1633 cum serie episcoporum Hildesimensium, Coloniae 1653; - Synodus Ratisponensis ab eodem episcopo celebrata anno 1650 cum historica serie episcoporum, praelatorum, collegiorum, monasteriorum, parochiarum eiusdem Ratisponensis dioecesis, Coloniae 1653; - Acta alia eiusdem domini episcopi circa synodos et reformationem cleri circa synodos episcopales suarum ecclesiarum, Coloniae 1653 (nach Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis 1747, 334-336).

Lit.: Johann Ludolph Walther, Universal-Register über die sechs Theile der Westphälischen Friedens-Handlungen und Geschichte ..., Göttingen 1740, Neudr. Osnabrück 1969, 33-37; - Bernhard Anton Goldschmidt, Lebens-Geschichte des Kardinal-Priesters F.W., Grafen v. W., Fürstbischofs von Osnabrück und Regensburg, Minden und Verden, Osnabrück 1866; - H. Meurer, F.W., Bischof von Osnabrück (In: Mitt. d. Histor. Vereins in Osnabrück 10, 1875, 245-270; 11, 1878, 372-406; 21, 1896, 1-39); - Johann Karl Bertram Stüve, Belagerungsmünze des Bischofs F.W. von Osnabrück 1633 (ebd. 13, 1886, 217-218); - H(ermann) Forst, Der türkische Gesandte in Prag 1620 und der Briefwechsel des Winterkönigs mit Sultan Osman II. (zur Geschichte des Bischofs F.W.v.W.) (In: Mitt. d. Instituts f. Österreich. Geschichtsforschung 16, 1895, 566-581); - Ders., Politische Correspondenz des Grafen F.W.v.W., Bischofs von Osnabrück, aus den Jahren 1621-1631 (Publicat. aus d. K.Preuß.Staatsarchiven 68), Leipzig 1897; - Ders., Fürst Johann I. von Hohenzollern-Sigmaringen und Bischof F.W. von Osnabrück (In: Mitt. d. Vereins f. Gesch. in Hohenzollern 32, 1898/99, 1-12); - Carl Spannagel, Zur Geschichte des Bistums Minden im Zeitalter der Gegenreformation (In: Zeitschr. f. Vaterländ. Gesch. u. Altertumskunde 55, Münster 1897, T. 1, 194-217, hier 216-217); - Heinrich Rehker, Die landesherrlichen Verwaltungsbehörden im Bistum Osnabrück vom Regierungsantritte Johanns IV. von Hoya bis zum Tode F.W.s 1553-1661 (In: Mitt. d. Histor. Vereins in Osnabrück 30, 1905, 1-93); - Edward Schröder, Zu den Scheidemünzen des Osnabrücker Bischofs F.W.v.W. (In: Blätter f. Münzfreunde 44, 1909, 4329-4330, 4381); - F. Behr, F.W. Graf v.W., Bischof von Osnabrück, Regensburg, Minden und Verden (In: Ex Libris 21, Magdeburg 1911, 91-95); - (Erich) Fink, Ein Tagebuch des Bischofs F.W. über seine italienische Reise 1641 (In: Mitt. d. Hist. Vereins in Osnabrück 38, 1913, 84-131); - Reinhold Schwarz, Personal- und Amtsdaten der Bischöfe der Kölner Kirchenprovinz von 1500-1800, Köln 1914, 77-80; - (A.) Brunk, Sprachliches aus dem Tagebuch des Bischofs F.W. von Osnabrück (In: Mitteil. d. Hist. Vereins in Osnabrück 39, 1916, 345-348); - Wilhelm Berning, Die relatio status des Osnabrücker Bischofs F.W.v.W. aus dem Jahre 1641 (ebd. 60, 1940, 133-152); - Heinrich Hoberg, Das Konzil von Trient und die Osnabrücker Synodaldekrete (In: Das Weltkonzil von Trient hrsg. von Georg Schreiber 2, Freiburg 1951, 371-386); - Franz Flaskamp, Nikolaus Schatens Bericht über Krankheit und Tod des Osnabrücker Fürstbischofs F.W.v.W. (In: Quellen u. Forsch. z. westfäl. Geschichte 79, Wiedenbrück 1954, 16-22); - Georg Schwaiger, Kardinal F.W.v.W. als Bischof von Regensburg 1649-1661 (Münchener Theol. Studien 1,6), München 1954; - Fritz Dickmann, Der Westfälische Friede5, Münster 1985 (11959), 190-455 passim; - Wilhelm Kohl, Christoph Bernhard von Galen. Politische Geschichte des Fürstbistums Münster 1650-1678 (Veröff. d. Histor. Kommission f. Westfalen 18,3), Münster 1964, Reg. - Stadtmünsterische Akten und Vermischtes bearb. v. Helmut Lahrkamp (Acta Pacis Westphalicae III D 1), Münster 1964, Reg. - Annegret Knoch, Die Politik des Bischofs F.W.v.W. während der westfälischen Friedensverhandlungen 1644-1648, Diss. Bonn 1966; - Manfred Weitlauff, Die Reichskirchenpolitik des Hauses Bayern im Zeichen gegenreformatorischen Engagements und österreichisch-bayerischen Gegensatzes (In: Wittelsbach und Bayern hrsg. von Hubert Glaser 2: Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I., Köln (1980), 48-76); - Manfred Wolf, Das 17. Jahrhundert (In: Westfälische Geschichte in drei Bänden hrsg. von Wilhelm Kohl 1, Düsseldorf 1983, 537-604, Reg.); - Diarium Wartenberg 1644-1648 bearb. v. Joachim Foerster (Acta Pacis Westphalicae III C 3), Münster 1987/88; - Alois Schröer, Die Kirche in Westfalen im Zeichen der Erneuerung 1585-1648 2: Die Gegenreformation in den geistlichen Landesherrschaften, Münster 1987, 54-107; - Die schwedischen Korrespondenzen 4: 1647-1649 bearb. von Wilhelm Kohl unter Mitarbeit v. Paul Nachtsheim (Acta Pacis Westphalicae II C 4), Münster 1994, Reg. - Zedler's Großes Universallexikon 52, 1747, Neudr. Graz 1965, 2342, 2354-2356; - Joseph Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, Köln 1747, 334-336; - ADB 41, 1896, 185-192 (Friedrich Philippi); - Wetzer und Welte's Kirchenlexikon2 12, 1901, 1222-1229 (H. Meurer); - LThK2 10, 1938, 757 (Heinrich Lünenborg); - ebd., 1965, 959-960 (Georg Schwaiger); - Dictionnaire de Théologie Catholique 15, 2, 1950, 2988-2992 (P. Godefroy); - Enciclopedia Cattolica 12, 1954, 1652 (Silvio Furlani); - NDB 5, 1961, 365 (Georg Schwaiger); - New Catholic Encyclopedia 14, 1967, 817 (T.T. Helde); - Biographisches Wörterbuch zur Deutschen Geschichte 3, München 1975, 3041-3042 (Hanns Hubert Hofmann); - Europäische Stammtafeln bearb. v. Wilhelm Karl Prinz von Isenburg 1: Die deutschen Staaten2, verbess. Aufl. hrsg. v. Frank Baron Freytag von Loringhoven, Marburg 1975, Taf. 27: Die Herzöge von Bayern; 4, Marburg 1957, Taf. 134 b: Die Grafen v.W.; - Lexikon der Deutschen Geschichte hrsg. von Gerhard Taddey, Stuttgart 1977, 365-366 (Alfred Bruns);2 ebd. 1983, 376-377 (Ders.).

Wilhelm Kohl

Letzte Änderung: 15.06.1998