WARTENBERG, Franz Wilhelm Graf v., * 1.3. 1593 in München, + 1.12.
1661 in Regensburg, E: Ferdinand Herzog in Bayern u. Maria v. Pettenbeck.
- Der einer morganatischen Ehe entstammende W. studierte in Ingolstadt
und Rom, wurde 1604 Propst von Altötting, 1614 Präsident der bayerischen
Ratskollegien, 1619 Dompropst von Regensburg, 1621 Obersthofmeister,
Direktor in den Bistümern Lüttich, Paderborn, Hildesheim und Münster.
Er nahm 1624 am Tag der Liga in Augsburg, 1627 am Kur- und Fürstentag
in Mühlhausen (Thür.) teil. Seit 1625 besaß er auch das Bistum Osnabrück,
wurde dort 1626 bestätigt und verschärfte die Rekatholisierung des
Stiftes, förderte das Schulwesen und verbesserte die Bildung der Geistlichen.
Am 22.6. 1629 übernahm er als kaiserlicher Kommissar die Durchsetzung
des Restitutionsedikts in Niedersachsen. 1629 erhielt er auch noch
das Bistum Minden und 1630 das Bistum Verden, verlor aber 1633 nach
dem Siege Herzog Georgs v. Braunschweig-Lüneburg bei Hess.-Oldendorf
alle drei Bistümer. Das Bistum Osnabrück fiel an Graf Gustaf Gustafsson,
natürlichen Sohn König Gustav Adolfs v. Schweden, der es bis zum Friedensschluß
nutzte. Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen (5./6.9.1634)
besserte sich die Lage W.s. Er kehrte aus Brüssel nach Köln zurück.
Auf dem Regensburger Reichstag von 1636 vertrat er energisch die katholischen
Interessen und nahm dort die Priester- und Bischofsweihen. Im Anschluß
an eine Reise nach Rom und Loreto wählte ihn das Domkapitel von Regensburg
1641 zum Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge. Der Papst ernannte
ihn 1644 zum Apostolischen Vikar der Erzdiözese Bremen. Als kurkölnischer
Gesandter auf dem Friedenstag führte er in Münster bis zu 20 Stimmen
katholischer Reichsstände. Das Stift Osnabrück verblieb ihm bis zum
Tode, sollte danach aber einem protestantischen Regenten zufallen
und später alternieren. Am 9.4.1650 übernahm W. das vakante Bistum
Regensburg. Am 18.12. d.J. zog er wieder in Osnabrück ein, wo er die
Maßnahmen zur Rekatholisierung fortsetzte. 1659 wirkte er als kaiserlicher
Prinzipalgesandter auf dem Regensburger Deputationstag. Papst Alexander
VII., der W. aus seiner Zeit als Nuntius (Fabio Chigi) in Münster
kannte, erhob ihn am 5.4. 1660 zum Kardinal, doch erlangte W. vor
seinem Tode keinen Titel mehr. Er wurde in Altötting bestattet.
Werke: Synodus maior Osnabrugensis, id est decreta et
constitutiones in synodo promulgatae praesidente... Francisco Guilelmo
s. Osnabrugensis ecclesiae episcopo, Typographia episcopalis Osnabrugensis
1628/30; Agenda seu rituale Osnabrugense ad usum Romanum accomodatum
auctore et iussu Francisci Guilelmi episcopi Osnabrugensis, Coloniae
1653; - Synodus Verdensis anno 1630, Mindensis anno 1632 unacum
serie historica episcoporum et catalogo cleri utriusque dioeceseos,
Coloniae 1653; - Synodi Bonnensis celebratae ab eodem ... W. qua
praeposito et archidiacono subiectorum, Coloniae 1653; - Synodus
Hildesimensis ab eodem qua commissario celebrata 1633 cum serie episcoporum
Hildesimensium, Coloniae 1653; - Synodus Ratisponensis ab eodem
episcopo celebrata anno 1650 cum historica serie episcoporum, praelatorum,
collegiorum, monasteriorum, parochiarum eiusdem Ratisponensis dioecesis,
Coloniae 1653; - Acta alia eiusdem domini episcopi circa synodos
et reformationem cleri circa synodos episcopales suarum ecclesiarum,
Coloniae 1653 (nach Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis 1747, 334-336).
Lit.: Johann Ludolph Walther, Universal-Register über
die sechs Theile der Westphälischen Friedens-Handlungen und Geschichte
..., Göttingen 1740, Neudr. Osnabrück 1969, 33-37; - Bernhard
Anton Goldschmidt, Lebens-Geschichte des Kardinal-Priesters F.W.,
Grafen v. W., Fürstbischofs von Osnabrück und Regensburg, Minden und
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(In: Mitt. d. Histor. Vereins in Osnabrück 10, 1875, 245-270; 11,
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des Bischofs F.W. von Osnabrück 1633 (ebd. 13, 1886, 217-218); -
H(ermann) Forst, Der türkische Gesandte in Prag 1620 und der Briefwechsel
des Winterkönigs mit Sultan Osman II. (zur Geschichte des Bischofs
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F.W.v.W., Bischofs von Osnabrück, aus den Jahren 1621-1631 (Publicat.
aus d. K.Preuß.Staatsarchiven 68), Leipzig 1897; - Ders., Fürst
Johann I. von Hohenzollern-Sigmaringen und Bischof F.W. von Osnabrück
(In: Mitt. d. Vereins f. Gesch. in Hohenzollern 32, 1898/99, 1-12);
- Carl Spannagel, Zur Geschichte des Bistums Minden im Zeitalter
der Gegenreformation (In: Zeitschr. f. Vaterländ. Gesch. u. Altertumskunde
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Die landesherrlichen Verwaltungsbehörden im Bistum Osnabrück vom Regierungsantritte
Johanns IV. von Hoya bis zum Tode F.W.s 1553-1661 (In: Mitt. d. Histor.
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