WEINGARTNER, Josef, Propst von Innsbruck, * 10.2. 1885 in Dölsach
in Osttirol, + 11.5. 1957 in Meran in Südtirol. Studium der
Theologie in Brixen. Dort 1907 zum Priester geweiht. Unmittelbar darauf
Student am »Institut für Österr. Geschichtsforschung« in Wien bei
Prof. Max Dvorak. 1912 Sekretär des Innsbrucker Landeskonservators.
1915-1921 Prof. für Kirchenrecht am Priesterseminar zu Brixen. 1921
Generalkonservator des Denkmalamtes in Wien. 1922 Ernennung zum Propst
an der Propsteipfarrkirche St. Jakob zu Innsbruck. Die Gestalt von
Propst Weingartner gehört zu den profiliertesten Priestergestalten
Tirols bis zu seinem Tode. Einerseits in hohem Maße als Dichter und
Kunsthistoriker begabt und bekannt, war er »fast« ebenso ein rühriger,
aufgeschlossener Priester und Seelsorger. Er galt für seine Zeit weit
über die Grenzen Tirols und Österreichs hinaus als ein Humanist im
Priesterrock. Diese seine Art setzte er bewußt-unbewußt immer wieder
ein in seinem Umgang mit Gelehrten und Gläubigen, mit Katholiken und
sog. »Fernen«. Er war aber auch kirchenpolitisch interessiert und
aktiv. So war er in der Zeit, da Nordtirol nicht mehr zum Bistum Brixen
gehörte und vor Errichtung der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch
bemüht, diese mißliche Lage möglichst bald zu beenden. Er wurde so
z.B. mit Provikar Urban Draxl beim Bundeskanzler Kurt Schuschnigg
vorstellig und forderte für Innsbruck einen Bischof, während der damalige
Erzbischof von Salzburg Dr. Sigismund Waitz »diplomatische Zurückhaltung
übte.« (J. Gelmi). Diese Situation fand erst ihr Ende mit der Ernennung
von Dr. Paulus Rusch am 15.X.1938 zum Bischof und Apostolischen Administrator.
- Diesem Bischof stand Weingartner dann sehr bei in der Zeit der
Naziherrschaft 1938-1945. Immer wieder begleitete er den jungen Kirchenfürsten,
der vom Nationalsozialismus als Bischof nicht anerkannt wurde, zu
Verhören bei den Behörden. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges versuchte
W. neue Seelsorgsmethoden in Innsbruck anzuwenden. Er legte, wie schon
vor dem Krieg, größten Wert auf Hausbesuche und wurde so für die Kirche
von Österreich und Tirol zu einem wahren Vorkämpfer von Individualseelsorge.
Seine Forschungen auf dem Gebiete der Kunstgeschichte bezogen sich
seit vielen Jahrzehnten vorab auf Süd- und Osttirol, wofür er als
internationaler Fachmann galt, vor allem durch sein Standardwerk:
»Die Kunstdenkmäler Südtirols«, das von 1923-1930 erstmalig erschien.
J. Gelmi umreißt in seiner »Kirchengeschichte Tirols« das Wesen W.
mit den Worten: »Weingartners pastorale Tätigkeit wurde bald bahnbrechend.
Er machte systematisch Hausbesuche, die sich einerseits als überaus
zeitraubend, aber anderseits als sehr bereichernd erwiesen. Als erster
in Österreich hat er mit der Einführung von Pfarrschwestern begonnen.
Besondere Mühe gab er sich um eine lebendige Gestaltung des Gottesdienstes.
Sehr viel tat W. auch für das gesellige Zusammensein des Klerus. Ja,
die Innsbrucker Propstei wurde damals zu einem Treppunkt für die Priester
der Stadt.« (S. 236).
Werke: (in Auswahl): Kirchliche Kunstfragen, Innsbruck
1911; Die alten Kirchen Innsbrucks. Jahrbuch der Kunsthistor. Sammlungen
in Wien, 35. Bd., 1920; Die Kirchen Innsbrucks. Sammlung »Die Kunst
in Tirol«, Sonderband 1, Augsburg-Wien 1921, 2. Aufl. Innsbruck 1950;
Die Kunstdenkmäler Osttirols, Innsbruck 1958; Die Kunstdenkmäler Südtirols,
2 Bde, 6. Auflage Innsbruck 1977; Der Geist des Barock, Augsburg 1925;
Das kirchliche Kunstgewerbe der Neuzeit, Innsbruck 1926; Römische
Barockkirchen, München 1930; Gotische Wandmalerei in Südtirol, Wien
1948; Tiroler Bildstöcke, Wien 1949; Südtiroler Bilderbuch, München
1953; Heimat des Herzens-Landschaften und Kulturstätten, Innsbruck
1947; Unterwegs. Lebenserinnerungen, Innsbruck 1951, Originale im
Priesterrock, Innsbruck 1962; Die Apostelgeschichte. Kurze Bibelpredigten,
Innsbruck 1928; Kurze Katechismuspredigten. 3 Bde, Innsbruck 1935-1936;
Der Christ im Alltag, Innsbruck 1936; Festtagspredigten, Innsbruck
1937; Christliche Sittenlehre, Kurzpredigten, Innsbruck 1949; Im Glanze
der Heiligen. Charakterbilder der Kirchengeschichte, Innsbruck 1949;
Über die Brücke, 5. Aufl., Innsbruck 1958; Die Nonne von Sonnenburg,
3. Aufl. Innsbruck 1960; Abälard und Bernhard, 2. Aufl. Innsbruck
1948; Der Kardinal, Innsbruck 1946; Im Hochstift, Innsbruck 1952;
Der lateinische Bauer, Innsbruck-Wien-München 1954.
Lit.: I. Weingartner, Autobiographie, Schlernschriften
68, 1950, 119-132; - I. Weingartner, Autobiographie, im Aufsatz
»Kunstgeschichte« in der FS für H. Hammer, Veröffentlichungen des
Museums Ferdinandeum, Bd. 20/25, für 1940/45, Innsbruck 1948, 1-15;
- J. Weingartner, Autobiographie (»Confiteor«) in »Schöpferisches
Tirol« 1. Folge, 177-188, Innsbruck 1953; - H. Hammer, H. Weingartner,
in »Schlern«, Jg. 13, 1935, H. 2, 50-56; - J. Weingartner, Im
Dienste der Musen-Briefwechsel mit Josef Garber mit einer einleitenden
Biographie, Schlernschriften 267, Innsbruck, 1978; - J. Gelmi,
Kirchengeschichte Tirols, Innsbruck-Wien-Bozen 1986, 138, 198, 203,
211, 233, 234, 236, 238, 256, 289.
Ekkart Sauser
Letzte Änderung: 09.04.2011