Verlag Traugott Bautz |
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WENDEL, Joseph, Erzbischof von München und Freising (1952-60), Kardinal (1953), * 27.5. 1901 in Blieskastel (Saarland), † 31.12. 1960 in München. - Nach dem Abitur am Staatlichen Gymnasium in Speyer (1921) studierte W. bis 1928 als Alumne des Collegium Germanicum et Hungaricum an der Gregoriana in Rom, wo er zum Dr. phil. et Dr. theol. promoviert wurde. Am 30. Oktober 1927 empfing er in Rom die Priesterweihe. Nach einer kurzen Kaplanszeit in der Pfarrei St. Martin in Kaiserslautern (1928/29) wirkte W. von 1929 bis 1943 als Direktor des Bischöflichen Studentenheims St. Joseph in Speyer, von 1938 bis 1943 zudem als Direktor des Diözesan-Caritasverbandes seiner pfälzischen Heimat, die nach dem Ersten Weltkrieg zum umstrittenen Grenzland geworden, dann der Bedrängnis durch die NS-Diktatur und den Schrecken des Zweiten Weltkrieges mit allen seinen Folgen ausgesetzt war. Eine besondere Belastung kam auf das Bistum Speyer zu, als die Nationalsozialisten in ihrem Versuch, Elsaß und Lothringen wieder an das Deutsche Reich anzugliedern, die Bistümer Straßburg und Metz auf das schwerste bedrückten, so daß das benachbarte Bistum Metz von 1940 bis zum Kriegsende von Speyer aus mitbetreut werden mußte. In diese Zeit, 1941, fällt die Ernennung W.s zum Bischof-Coadjutor von Speyer (Bischofsweihe im Dom zu Speyer am 29.6.1941), nach dem Tod Bischof Ludwig Sebastians am 20. Mai 1943 die Übernahme des Bistums. In dieser Zeit schwerster Erschütterungen kamen der unermüdliche Einsatz des Priesters und Bischofs, der ein bemerkenswertes Organisationstalent und hohe technische Begabung mit tiefer Frömmigkeit verband, zur vollen Entfaltung. Nach dem Tod Kardinal Michael von Faulhabers wurde W. 1952 als Erzbischof nach München und Freising berufen, 1953 zum Kardinal erhoben. Die wichtigsten Aufgaben in München waren hier wie überall der (auch geistliche) Wiederaufbau und die Neuorganisation nach den verheerenden Zerstörungen und Verlusten durch den Krieg. 1956 wurde W. zudem zum ersten Katholischen Militärbischof für die neugegründete Deutsche Bundeswehr berufen. Eine ganz besondere Leistung stellt die Gründung der Katholischen Akademie in Bayern im Jahr 1957 als Stätte der geistigen Auseinandersetzungen mit allen Zeitaufgaben dar, einer der bedeutendsten Bildungseinrichtungen dieser Art in Deutschland. Als Höhepunkt seines erzbischöflichen Wirkens in München kann die Vorbereitung und höchst erfolgreiche Durchführung des Eucharistischen Weltkongresses im Jahr 1960 bezeichnet werden; er bedeutete ein Wegzeichen zum II. Vatikanischen Konzil. W. starb ganz plötzlich nach der eindringlichen Silvesterpredigt des nämlichen Jahres, wenige Minuten nur, nachdem er in einem Zustand tiefer Erschöpfung den Münchener Liebfrauendom verlassen hatte. - W. gehört zu den markantesten deutschen Bischöfen zwischen Zweitem Weltkrieg und Vaticanum II.
Manfred Heim
Werkeergänzung:
1986
Opus Justitiae Pax - Gerechtigkeit schafft Frieden. Predigt d. Erzbischofs von München und Freising, Joseph Kardinal W., zum 10. Krönungstag Papst Pius XII. im Liebfrauendom zu München am 13. März 1955, in: Katholische Militärseelsorge in der Bundeswehr. Köln 1986, S. 155-158;- Ders., "Der Dienst des Soldaten, ein Dienst vor Gott", in: ebd. S. 161f.
Literaturergänzung:
1986
Sicherheit auch nach Außen notwendig. Kardinal W. gegen Angriffe auf d. Weihnachtsbotschaft Papst Pius XII., in: Katholische Militärseelsorge in der Bundeswehr. Köln 1986, S. 163f.;- Josef Frings, Predigt im Gedächtnisgottesdienst für Militärbischof Kardinal W. im Bonner Münster (16. Januar 1961), in: ebd. S. 167f.; -
2000
Susanne Kornacker, Pro mundi vita - für das Leben der Welt. Kardinal J.W. u.d. 37. Eucharist. Weltkongress 1960 in München, in: BAK 45.2000, S. 405-431;-
2001
Manfred Weitlauff, J. Kardinal W. (1901-1960), Koadjutor-Bischof u. Bischof von Speyer (1941-1952), Erzbischof von München und Freising (1952-1960). Leben u. Wirken e. Bischofs d. Ära Pius' XII. Aus Anlaß seines 100. Geb., d. 60. Jahrestags seiner Bischofsweihe u.d. 50. Jahrestags seiner Erhebung zum Erzbischof von München und Freising, in: BAK 46.2001, S. 9-207;- Karl-Ulrich Gelberg, Kardinal W. u.d. bayer. Politik 1952-1960, in: ebd. S. 209-233
2002
Manfred Weitlauff, Dr. J.W. (1901-1960). Koadjutor-Bischof u. Bischof von Speyer (1941-1952). Mit e. Quellenanhang, in: AmrhKG 54.2002, S. 351-432.
Letzte Änderung: 09.04.2011