WERFER, Albert, Josef, Benedikt, Katechet und Pfarrer, * 27.9. 1815
in Neresheim, + 21.9. 1885 in Ellwangen/Jagst. - Seinen
Vater Dr. med. Franz Joseph Werfer (17.12.1778-1.6.1823), der Oberamtsarzt
in Ellwangen war, verlor er schon mit 8 Jahren. Seine Mutter Therese,
geb. Schmid (7.12.1773-12.8.1854), wird als eine herzensgute Frau
von einer tiefen Frömmigkeit geschildert, von deren 4 Kinder er allein
ihr geblieben war. Sie war eine Schwester des bekannten Schriftstellers
Christoph von Schmid, der als Domkapitular in Augsburg lebte. Von
ihrer Jugend an stand sie mit dessen großen Lehrer Johann Michael
Sailer in persönlichem Kontakt, den sie in seiner Dillinger Professorenzeit
(1784-1794) kennenlernte, als sie Kammerjungfer bei der gräflichen
Familie Fugger im nahen Glött war. Mit seiner Mutter, die als junge
Witwe gern in Augsburg weilte, verbrachte A.W. immer wieder seine
Ferien beim Onkel, dessen starke Persönlichkeit ihn frühzeitig geprägt
hat. Doch hatte auch der geistliche Bruder von Werfers Vater, der
erste Rektor des königlich württembergischen Gymnasiums in Ellwangen,
Albert Werfer, großen Einfluß auf den jungen A.W. Er entschloß sich,
Priester zu werden und studierte in Tübingen und München Theologie.
Die Primizpredigt am 24.9. 1840 auf dem Schönenberg bei Ellwangen hielt
ihm Christoph von Schmid. Er kam als Vikar für ein Jahr nach Kirchbierlingen
zu Prälat Friedrich von Walter, dem ehemaligen (und letzten) Abt der
Prämonstratenserabtei Obermarchtal. 1841 wurde er Repentent in Tübingen
unter dem Kirchenhistoriker und späteren Bischof Carl Joseph Hefele.
1842-1854 war A.W. zunächst Kaplan und dann von 1854-1886 Pfarrer
in Unteressendorf bei Biberach. 1853 wurde er Schulinspektor, eine
Aufgabe die in der damaligen Zeit an einen Geistlichen nicht immer
angenehme Anforderungen stellte und großes Geschick verlangte. Zuletzt
war er bis 1882 Pfarrer in Otterswang. Seinen Ruhestand verbrachte
er in Ellwangen, wo er 1885 gestorben ist. - Der Einfluß seines
Onkels Christoph von Schmid weckte in ihm die Liebe zur Dichtkunst.
Einen ersten Versuch dazu widmete er seinem Onkel Christoph 1843:
» Quintin Messis. Ein Gedicht in zwölf Gesängen«, das die Entwicklung
eines niederländischen Malers schilderte. Das mag nicht ohne persönlichen
Bezug sein. Denn er fühlte sich zur Malerei hingezogen und hat sich
in späteren Jahren selbst immer wieder darin versucht; im Pfarrhaus
zu Otterswang finden sich noch neun Wandgemälde im stark romantischen
Genre. Auf Anregung des Kardinal-Fürstbischofs von Breslau, Melchior
von Diepenbrock - ebenfalls ein Schüler J.M. Sailers - gab er 1847
»Die Verlobten« von Allessandro Manzoni »bearbeitet für die reifere
Jugend und die Gebildeten im Volk« heraus, »mit einer Vorrede von
Christoph Schmid, Verfasser der Ostereier«. Von einer Universitätslaufbahn
wurde er durch seine eindeutige Position in der damaligen kirchenpolitischen
Situation zurückgehalten. Als junger Repetent hatte er sich auf die
Seite der »Bischöflichen Motion« gestellt, in der sein damaliger Bischof
Keller 1842 die Rechte der Kirche gegen die stattlichen Eingriffe
verteidigte und die freie Ausübung der Leitung der Kirche forderte.
Seine zeitgebundene Bedeutung lag in seinen Schriften fürs Volk. Seine
Schriften fanden weite Verbreitung. Insbesondere für die religiöse
Bildung der Zeit war sein bibelkatechetisches Werk richtungsweisend.
»Die Biblische Geschichte des alten und neuen Testaments für die katholischen
Volksschulen« setzten die Biblische Geschichte von Christoph von Schmid
fort. Bischof C.J. Hefele empfahl das Buch durch ein eigenes Vorwort.
Zwar ein typisches Opus seiner Zeit, aber dennoch ein markanter Beitrag
zur Geschichte der Katechese ist »Die Poesie der Bibel« (1875). Für diese Werke verlieh ihm die Kath.-Theol. Fakultät der
Universität Tübingen am 2. Juli 1877 die Ehrendoktorwürde, wenngleich
man damit auch nicht unbedingt seine besondere theologische Bedeutung
herausstreichen wollte. Seine letzte schriftstellerische Arbeit war
die Übersetzung der »Nachfolge Christi« des Thomas von Kempen. »Durch
seine umfassende Katholizität, die nicht nur in den Wurzeln von Sailer
her bestimmt war, sondern der auch J.A. Möhler den geistigen Weg gewiesen
hat, war A.W. dann in einer konfessionell eng gewordenen Zeit nach
1870, wie sein bischöflicher Freund C.J. Hefele, weithin einsam«.
Im »Deutschen Volksblatt« hat der protestantische Schriftsteller Julius
Ernst von Günthert A.W. einen freundlichen Nachruf geschrieben.
Werke: »Quintin Messis«, Ein Gedicht in zwölf Gesängen.
1843; »Die Verlobten« von Allessandro Manzoni. Bearbeitet für die
reifere Jugend und die Gebildeten im Volke. Mit einer Vorrede von
Chr. v. Schmid, Verf. d. Ostereier. 1847; Lebensbilder aus dem Volk
für das Volk, 1848; Die barmherzige Schwester, 1850; Gedichte, 1851;
Heinrich das Findelkind, 1852; Ubald der Landsknecht des Truchseß
Georg von Waldburg, 1855; Leben ausgezeichneter Katholiken der drei
letzten Jahrhunderte (17 Bändchen), hrsg. v. A. Werfer, 1852-1866.
von A. Werfer: Bd. 2 Leben des heiligen Ignatius von Loyola und des
seligen Peter Canisius, 1853, (2. Aufl. 1861). Bd. 8 Leben der Kaiserin
Maria Theresia. Papst Pius VI, 1854. Bd. 10 Leben des Pater Matthäus
Ricci, Missionärs in China, aus der Gesellschaft Jesu, 1854. Bd. 11
Pater Johann Adam Schall und sein Wirken in China. Pater Ferdinand
Verbiest und sein Werk. Die Blüthe des Christentums in China unter
seinem großen Schüler dem Kaiser Khangani, 1854. Bd. 12 Leben des
Bernhard Overberg. Vorstehers der Normalschule in Münster und Regens
am bischöfl. Priesterseminar daselbst. - Fürstin Amalie von Gallitzin.
- Graf Friedrich Leopold von Stolberg, 1855. Bd. 16 Leben des Dr.
Johann Adam Möhler und des Clemens Brentano, 1861. »Erinnerungen aus
meinem Leben« von Christoph v. Schmid. 3. und 4. Bändchen. Ergänzungen
von A. Werfer, 1855; Große illustrierte Haus-Legende von den Heiligen
Gottes auf alle Tage des Jahres. Mit 1000 Holzschnitten, 1858, (10.
Auflage bearbeitet von Fr. X. Steck, 1861); Erzählungen o.J.; Gottes
Herrlichkeit in seinen Werken: I. Gottes Herrlichkeit in der Natur.
II. Gottes Herrlichkeit im Menschen, 1861, (2. Aufl. 1884; 5. Aufl.
1921); Briefe und Tagebücher von Christoph v. Schmid. Zur Feier des
hundertjährigen Geburtstages des Verfassers der Ostereier, 1868; Die
Biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments für katholische
Volksschulen (In Fortsetzung der Biblischen Geschichte von Chr. v.
Schmid. Mit einem Vorwort von Bischof Carl Joseph Hefele), 1873; Die
Poesie der Bibel, 1875; Emma, oder Die kindliche Liebe. Eine Erzählung
für Kinder und Kinderfreunde nach dem Schauspiel gleichen Namens von
Christoph v. Schmid, 1875; Übersetzung der »Nachfolge Christi« des
Thomas von Kempen, 1877 (posthum erschienen 1884).
Lit.: J.E. Günthert, Albert Werfer, der Neffe Christoph
Schmids. Ein Nachruf. In: Deutsches Volksblatt 1885; - A. Neher,
A. Werfer. In: Die Geistlichkeit Württembergs (1904) 79 f. ADB 42,
8/10; - J.B. Buck, Albert Werfer. Geschichts- und Altertumsverein
Ellwangen, 1915; - A. König, Oberschwäbische Dichter XIX., Albert
Werfer. In: »Einkehr«, Sonntagsblatt zu des Wissens Erweiterung, Nr.
33, 1923; - A. Nägele, Werfer Albert. In: LThK X (Freiburg 11938)
826; - J. Zinkl, Magnus Jocham - Johannes Clericus (1808-1893
(Freiburg 1950) 220-223; - Fr. Werfer, Albert Werfer zum Gedächtnis
(70. Todestag). In: Kath. Sonntagsblatt, Ostfildern, Nr. 50 ff.
(1955) und Nr. 1 (1956); - Fr. Werfer, Schulinspektor Dr. Albert
Werfer. In: Christoph von Schmid und seine Beziehungen zu Ellwangen.
Ellwanger Jahrbuch XXIII, 1969/70; - Fr. Werfer, Die Familie Werfer
in der Geschichte der Stadt Ellwangen. In: Ellwanger Jahrbuch XXV,
1973/74; - Fr. Werfer, Zwei Bilderbibeln im Vergleich. In: Heilige
Kunst (1982/83) 46 ff. und 54; - O. Beck, Pfarrer Dr. theol.
Albert Werfer. In: 200 Jahre Pfarrkirche St. Oswald zu Otterswang
(mit 3 Abbildungen von Bildern, die A. Werfer gemalt hat und die dort
im Pfarrhaus aufbewahrt werden); - M. Glaser-Fürst, Zum 100. Geburtstag
von Dr. theol. Albert Werfer. In: Ellwanger Jahrbuch XXXI, 1985/86.
Karl-Heinz Kleber
Letzte Änderung: 09.04.2011