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Band XXVII (2007) Spalten 1594-1597 Autor: Uwe Glüsenkamp

ZUMZIEL, Johann Bernhard SJ, Missionar in Mexiko, * 13. Februar 1707 (Taufe) in Westkirchen, Münsterland, † 25. Februar 1772 auf Haus Geist bei Oelde, Münsterland. Am 13. Februar 1707 wurde Johann Bernhard Zumziel laut Eintrag im Kirchenbuch der Pfarrei St. Laurentius in Westkirchen als Sohn von "Melchior Tomzile" und seiner Ehefrau Anna getauft. Er selbst gab 1768 beim Verhör durch die spanischen Behörden nach der Vertreibung aus Mexiko an, er sei von adeliger Herkunft und Sohn von Melchior Zumziel und Anna Suars (Schwarz?). Der im Kirchenbuch eingetragene Familienname "Tomzile" verweist auf den alten Haupthof von Westkirchen "tom Syle", der zur Grundherrschaft des Klosters Freckenhorst gehörte. Zumziel trat am 18. Oktober 1725 in die Gesellschaft Jesu ein und durchlief die im Orden üblichen Ausbildungsstufen. Nach Beendigung des Noviziats legte er am 11. Dezember 1727 die ersten Gelübde ab und begann mit den dreijährigen philosophischen Studien, worauf eine mehrjährige Lehrtätigkeit an verschiedenen Kollegien des Ordens folgte. Die Begeisterung für die Mission wurde möglicherweise durch die Missionsberichte von P. Bernhard Zurmühlen geweckt. Noch während des Theologiestudiums wurde er für die Missionen freigestellt und brach am 15. April 1735 von Büren nach Spanien auf. In Puerto de Santa María, dem Hafen von Cádiz, erhielt er noch im gleichen Jahr durch den Erzbischof von Sevilla die höheren Weihen, die mit der Priesterweihe am 25. Juli abgeschlossen wurden und reiste am 22. November 1735 in einer Gruppe von 39 Jesuiten aus Spanien ab. Am 18. Februar 1736 hatte er bereits Veracruz erreicht und gelangte schließlich in die Stadt Mexiko, wo er 1737 seine theologischen Studien abschloß. Nach kurzen Aufenthalten am Kolleg von San Andrés, das für die Verwaltung der Missionen von Bedeutung war, und in der Mission von Dolores in der Nähe der Golfküste erreichte er noch 1737 die Mission La Paz, sein künftiges Einsatzgebiet. Von dort aus hatte er auch die weiter südlich gelegene Mission Santa Rosa mitzubetreuen. Am 8. September 1743 legte er vor dem Rektor des Missionsbezirkes, P. Sigismund Taraval, das vierte Ordensgelübde ab. Die Lebensbedingungen in den Wüstengebieten der unwirtlichen Halbinsel (Nieder-) Kalifornien waren besonders hart. Über das Wirken von Zumziel berichten sein Studiengefährte P. Lambert Hostell sowie der Visitator und spätere Provinzial der mexikanischen Provinz, P. Hans Anton Balthasar. Dieser traf am 18. Dezember 1743 in La Paz ein und schildert die Situation. Demzufolge hatte Zumziel in La Paz und Santa Rosa etwa 300 Familien zu betreuen, wobei Santa Rosa aus neun verschiedenen Siedlungen bestand, von denen sechs an der Küste und drei in den Bergen lagen. Aufgrund des hohen Arbeitspensums und der geschwächten Gesundheit von P. Zumziel forderte Balthasar in seinem Bericht Verstärkung an. Durch Erkrankung und Tode des Missionars von Santiago de los Coras vergrößerte sich das Einsatzgebiet für P. Zumziel zwar weiter, doch traf 1745 mit dem gebürtigen Schlesier P. Karl Neumayer endlich die ersehnte Verstärkung ein. Zur Jahreswende 1746/47 geriet Zumziel gemeinsam mit seinen Ordensbrüdern Neumayer und Taraval in den Verdacht des Schmuggels und des Landesverrats, da sie mit einem Niederländischen Schiff, das an der Küste Mexikos vor Anker gegangen war, Handel getrieben hatten. Obwohl die Jesuiten die Niederländer darüber aufklärten, daß hierfür eine Lizenz des Vizekönigs eingeholt werden müsse und entsprechende Schreiben auf den Weg gebracht wurden, gerieten sie in Verdacht, da die Briefe durch den Präsidenten der "Audiencia" von Guadalajara abgefangen wurden. Das Provinzialat der Jesuiten in Mexiko konnte jedoch in einer Denkschrift die Vorwürfe entkräften. 1748 wurden die Missionen, in denen Zumziel tätig war von einer starken Epidemie heimgesucht, der Tausende zum Opfer fielen, so daß es zu Umstrukturierungen kam. In dieser Zeit wurde auch Zumziel aus der Mission abgezogen und an das Kolleg der Kolonialstadt Léon versetzt, wobei die Hintergründe der Versetzung nicht näher bekannt sind. Von Léon aus kam er am 26. Januar 1754 an das Kolleg von San Luis Potosí, wo er als Beichtvater, Prediger und Seelsorger in den umliegenden indianischen Gemeinden wirkte. Dort erfuhr er von den Bestimmungen der Pragmatischen Sanktion Karls III. vom 27. Februar 1767, welche die Ausweisung der Jesuiten aus den Ländern der spanischen Krone anordnete. Als die Jesuiten aus dem Kolleg von San Luis Potosí am 25. Juni 1767 abgeführt werden sollten, kam es zu heftigen Protesten der Bevölkerung, so daß die Durchführung des Vorhabens unmöglich wurde. Erst in einem dritten Versuch am 24. Juli 1767 gelang es durch verstärkte militärische Präsenz, die Jesuiten aus der Stadt hinaus zu führen. Am 19. November 1767 wurde Zumziel in Veracruz an Bord der Brigg "Nuestra Señora de Guadalupe" gebracht und nach Spanien gebracht. Während der Überfahrt ereignete sich eine Begebenheit, die sein Ordensbruder P. Joseph Och in seinem Reisebericht überlieferte. An Bord des Schiffes schoß ein Blitz so dicht an Zumziel vorbei, daß er ihm einen Schuh vom Fuß riß, der von diesem Augenblick an taub war. Nach seiner Ankunft in Puerto de Santa María gab Zumziel am 12. April 1768 seine Personalien zu Protokoll. Da Spanien die aus Übersee eintreffenden Missionare in den Kirchenstaat oder die Heimatprovinzen abschob, brachte man Zumziel erneut auf ein Schiff, mit dem er am 4. August 1768 in La Spezia in Italien ankam. Von dort aus gelangte er, wie dem Reisebericht von Joseph Och zu entnehmen ist, über Reggio und Mantua nach Trient, wo er mit P. Rochus Hundertpfund zusammentraf, der in Maranhão/Brasilien gewirkt hatte. Die Reise führte ihn weiter über Innsbruck, Füssen und Kaufbeuren nach Augsburg, wo er am 27. August 1768 eintraf. Schließlich gelangte er wieder in seine Heimat, wo er auf Haus Geist, einem Landsitz der Jesuiten bei Oelde eine Bleibe fand und dort am 25. Februar 1772 verstarb.

Werke: Brief an den P. Procurator Salvador de la Gándara, San Luis Potosí, 4. Juli 1766. Archivo General de la Nacion México, Jes. II-14 (span.).

Lit.: Och, Joseph: P. Joseph Och´s, Glaubenspredigers der G.J. in Neumexico, Nachrichten von seinen Reisen nach dem spanischen Amerika, seinem dortigen Aufenthalte vom Jahr 1754 bis 1767, und Rückkehr nach Europa 1768. Aus dessen eigenhändigen Aufzeichnungen. In drey Abschnitten. In: Christoph Gottlieb von Murr (Hrsg.), Nachrichten von verschiedenen Ländern des spanischen Amerikas. Aus eigenhändigen Aufsätzen einiger Missionare der Gesellschaft Jesu, 2 Bde. (Halle 1808-1811), hier Bd. 1, 1-292; - Neufeld, Karl A.: P. Bernhard Zurmühlen SJ, 1686-1740. In: Neue Warendorfer Blätter für Orts- und Heimatkunde. Beilage zur "Glocke"; Nr. 51/1966 vom 16./17. Juli 1966, 201-202; - Hausberger, Bernd: Jesuiten aus Mitteleuropa im kolonialen Mexiko. Eine Bio-Bibliographie (Studien zur Geschichte und Kultur der iberischen und iberoamerikanischen Länder, Bd. 2), München-Wien 1995, 344f.; - Meier, Johannes: Ein langer Weg von Westkirchen zum Haus Geist. Das Leben des Münsterländers P. Bernhard Zumziel SJ (1707-1772) als Missionar in Mexiko. In: Westfälische Zeitschrift. Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 148, Paderborn 1998, 153-169.

Uwe Glüsenkamp

Letzte Änderung: 25.02.2007