Verlag Traugott Bautz |
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ZIMMER, Patriz Benedikt, Theologe, * 22.2. 1752 in Abtsgmünd, † 16.10. 1820 in Steinheim. - 1767 kam er an die Universität in Dillingen. 1775 zum Priester geweiht. 1777 Repetitor in Dillingen. 1783 Professor für Dogmatik. 1795 abgesetzt, 1799 nach Ingolstadt und Landshut berufen. Dort zwischenzeitlich abgesetzt. Ab 1807 Professor für Biblische Archäologie, Geschichte der alten Welt und die Interpretationsgesetze der religiösen Bücher. Z. sucht in Begegnung mit der zeitgenössischen Philosophie die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses der Offenbarung und des Glaubens, wie er in der katholischen Kirche überliefert wird, zu erweisen. Die christliche Religion erschließt sich der Vernunft in der Auslegung des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch. Sie zeigt sich als ein zusammenhängendes sinnvolles Ganzes, das den Menschen in seiner Freiheit anspricht. In dieser Begründung der christlichen Religion kommt Z. zu einer Kritik des zeitgenössischen Vernunftverständnisses und erschließt einen Zusammenhang von Vernunft, Geschichte und Freiheit. In der Begegnung mit der Philosophie Kants übernimmt er die Unterscheidung von theoretischer und praktischer Vernunft und fügt Ansätze Kants in sein Denken ein. Freilich sieht er Vernunft nach wie vor auf Geschichte und Überlieferung verwiesen. In der Begegnung mit der Philosophie Fichtes unterscheidet er drei Denkformen und sucht der Theologie eine wissenschaftliche Denkform zu sichern, die neben der transzendentalphilosophischen Denkform Bestand hat. Sehr begeistert übernimmt er die Identitätsphilosophie von Schelling. Ab 1807 gewinnt er etwas Abstand und findet schließlich wieder stärker zurück zu seinen Anfängen. Er unterscheidet eine innere und eine äußere Offenbarung und erkennt, daß der Mensch ohne die geschichtliche Offenbarung nur schwer zur Reflexion der inneren Offenbarung gelangt. Die Theologie muß als Wissenschaft die Bedingungen des Erkennens der Geschichte und der Geschichte selbst ergründen. - Weitergewirkt hat seine Sicht der Kirche als der Vergegenwärtigung der Versöhnung in Christus und des menschgewordenen Sohnes Gottes in der Geschichte.
Lit.: J.M. Sailer, Patritius Benedictus Zimmers kurzgefaßte Biographie, Landshut 1822; - J. Widmer, Nachtrag zu Patritius Benedictus Zimmers kurzgefaßter Biographie, 1823; - Ph. Schäfer, Philosophie und Theologie im Übergang von der Aufklärung zur Romantik dargestellt an Patriz Benedikt Zimmer, Göttingen 1971 (Lit.); - Katholische Theologen Deutschlands im 19. Jahrhundert, hrsg. von H.Fries und G. Schwaiger, Bd. I, München 1975, 94-113; - E. Klinger, Ekklesiologie der Neuzeit, Freiburg 1978, 202f.; - E. Coreth u.a., Christliche Philosophie I, Graz 1987, 74-78; - G. Heinz, Divinam christianae religionis originem probare, Mainz 1984.
Philipp Schäfer
Textanmerkungen:
Zimmer bildete mit Sailer und Weber das sogenannte "Dillinger Kleeblatt".
Literaturergänzung:
1994
Gabriele Schwarzweller-Madl, Jesus Christus, der "Gott mit uns". Gottsein und Menschsein Jesu Christi in der katholischen Dogmatik des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum (Regensburger Studien zur Theologie Bd. 45). Frankfurt a. M. 1994; -
2007
Peter H. Görg, Sagt an wer ist doch diese - Inhalt, Rang und Entwicklung der Mariologie in dogmatischen Lehrbüchern und Publikationen deutschsprachiger Dogmatiker des 19. und 20. Jahrhunderts, Bonn 2007, 31-36.
Webseitenergänzung:
Philosophische
Untersuchung über den allgemeinen Verfall des menschlichen
Geschlechtes. Landshut 1809.
Untersuchung
über den Begriff und die Gesetze der Geschichte. München
1817.
Artikel
von Friedrich Lauchert in der ADB
Letzte Änderung: 09.04.2011