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Verlag Traugott Bautz
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AMRHEIN, Andreas OSB, Gründer des Klosters St. Ottilien; * 4. Februar 1844 in Gunzwil bei Beromünster (Kanton Luzern), † 29. Dezember 1929 in St. Ottilien / Obb. - AA wurde als Sohn des Landwirts Johann Georg Amrhein (* 1806) und seiner Frau Anna Maria (1816-1859), geb. Bucher, geboren und auf den Namen Josef Georg getauft. Er war das schwächliche Kind kränklicher Eltern. Am 25. November 1845 erlitt der Vater einen Blutsturz und starb. 1847 heiratete die Mutter den Lehrer Alois Amrhein. Aus dieser Ehe gingen sechs weitere Kinder hervor. AA ging zunächst in Beromünster und Luzern auf die Schule, er war sehr begabt. Noch vor Abschluß des Gymnasiums wurde er jedoch 1862 sehr schwer krank. Nach der Besserung wurde ihm geraten, in Italien sich auszukurieren. AA ging nach Florenz, wo er Prof. Pollastrini von der dortigen Kunstakademie begegnete. Dieser lud ihn zum Studium an der Kunstakademie ein und AA folgte ab dem WS 1862/63 der Einladung. Im Herbst 1864 zog er weiter nach München, 1865 weiter nach Paris, im Herbst 1866 nach Karlsruhe. Zwei religiöse Erlebnisse und die Predigten des Schweizer Jesuiten Peter Roh bei einer Volksmission führten dazu, daß AA es ihn zu einem intensiveren religiösen Leben drängte. Nach kurzen Studienaufenthalten in Paris, Neuenburg und Luzern siedelte er im Herbst 1868 nach Tübingen über. Er begann das Studium der Theologie, verbunden mit dem Wunsch, Priester zu werden. In Tübingen begegnete er Prof. Karl Josef von Hefele, einem bedeutenden Kirchenhistoriker, der nur kurz darauf Bischof von Rottenburg wurde. Hefele vermittelte AA durch seine lebendige Art der Geschichtsbetrachtung die entscheidenden Impulse für die Verbindung von Benediktinertum und Mission. Als AA an Pfingsten 1870 im Kloster Beuron Exerzitien machte, entschloß er sich in das 1863 gegründete Benediktinerkloster Beuron einzutreten. Am 10. Juli 1870 wurde er als Kandidat aufgenommen und am 21. Dezember als Frater Andreas eingekleidet. Die ersten Gelübde legte er nach dem Noviziat an Weihnachten 1871 ab. Am 16. Juli 1872 wurde er in St. Peter / Schwarzwald zum Priester geweiht und feierte am 28. Juli Primiz in Beuron. Drei Monate später wurde er einer Gruppe von Mönchen zugeteilt, die zur Neugründung des Klosters Maredsous nach Belgien aufbrachen. Er war nicht lange dort, schon erkrankte er wieder und wurde 1873 nach Beuron zurückgerufen. In der Erzabtei fand er in der `Beuroner Malschule' einen Platz und widmete sich der Kunst. Am 2. Februar 1875 legte er die ewigen Gelübde ab. Als im Dezember 1875 die meisten Mönche Beuron infolge der `Maigesetze' verlassen mußten, gehörte AA zu den wenigen, die im Kloster verbleiben durften und betätigte sich als Hokaplan der Fürstin Katharina von Hohenzollern. 1876 wurde er erneut nach Maredsous gesandt. Dort übernahm er die Ämter des Kantors und des Infirmars und malte die provisorische Kapelle sowie die neue Abtskapelle aus. Doch sein schon lange gehegter Wunsch, das Mönchtum und eine apostolische Arbeit in der Mission zu verbinden, wurde in Maredsous immer stärker. Als Abt Maurus von Beuron Ende 1876 in Maredsous weilte, trug er ihm sein Anliegen vor, ohne jedoch die gewünschte Antwort zu bekommen. 1879 fragte er den Steyler Rektor Arnold Janssen um Rat, nachdem ihn schon der Rektor des Jesuitenkollegs in Gent, P. Küntgen SJ betärkt hatte, den Missionsberuf als Willen Gottes zu verstehen. Seine Vorstellungen über den missioniarischen Dienst schrieb er in Maredsous im November 1880 nieder. AA betrachtete die Mission nicht als Aufgabe eines einzelnen, sondern als Werk einer ganzen klösterlichen Gemeindschaft. Ende 1880 wurde er in die englische Gründung Beurons in Erdington bei Birmingham versetzt, wo er bis März 1882 an der Grammar School unterrichtete. Darauf ging AA in das 1866 gegründete Mill Hill, das in 40 bis 50 Priesterseminaren Kandidaten aus ganz Europa für die Mission ausbildete. AA blieb fast ein Jahr dort. Am 29. August 1882 erlaubte Abt Maurus von Beuron den Anschluß an eine Missionsgesellschaft, jedoch nur in Zugehörigkeit zu Beuron. Im Januar 1883 zog er seine Erlaubnis zurück. Ende Februar 1883 reiste AA nach Rom und stellte sich bei der Propagandakongregation vor. Im Sekretär der Kongregation, Erzbischof Jacobini fand er einen Förderer seiner Pläne. Er riet AA, für einige Zeit nach Steyl zu gehen, um dort Nützliches für die Mission zu lernen. Rektor Arnold Janssen gab seine Zustimmung. AA verließ Rom am 15. März 1883 und traf in Steyl drei Tage später ein, wo er ein halbes Jahr verweilte. Janssen schätzte AA sehr und schrieb Erzabt Maurus von Beuron am 21. August 1883 einen energischen Brief, in dem er die missionarische Berufung AAs auf den Willen Gottes zurückführte. Am 30. August gab Erzabt Maurus sein Einverständnis, daß AA sich der Propagandakongregation unterstellt. Am 22. November 1883 reiste AA von Steyl ab in Richtung Reichenbach, einem ehemaligen Benediktinerkloster in der Diözese Regensburg. Dieses Kloster wurde ihm zur Gründung eines Missionsseminars angeboten, am 19. Dezember 1883 ging es in seinen Besitz über. Nach den erforderlichen Genehmigungen des Papstes Leo XIII. vom 29. Juni 1884 und des bayerischen Kultusministers vom 15. März 1885 war AAs erstes Ziel, die Gründung eines neuen Missionsseminars, erreicht. Mit einigen Vorbehalten, weil die ministerielle Genehmigung noch ausstand, nahm AA bereits 1884 fünf Kandidaten auf, denen weitere folgten. Da sich AA von Mill Hill und Steyl her bewußt war, daß er auch Schwestern in seine Gründung miteinbeziehen müsse, versuchte er einen weiblichen Zweig zu gründen. Ein erster Gründungsversuch 1884 scheiterte, ein zweiter glückte als am 24. September 1885 vier Kandidatinnen nach Reichenbach kamen. Schwierigkeiten hatte AA über Jahre mit dem Regensburger Bischof Ignaz v. Senestrey. Da Senestrey nicht bereit war, Reichenbacher Kandidaten die Priesterweihe zu erteilen, war die neue Gründung emfindlich getroffen und gefährdet. Dagegen fand AA im Augsburger Bischof Pankratius v. Dinkel einen wohlwollenden Förderer. AA entschloß sich, 1886/87 das Missionsseminar von Reichenbach nach Emming (heute St. Ottilien) bei Geltendorf zu verlegen. Am 25. Januar 1887 las AA zum erstenmal in der Ottilienkapelle in Emming die hl. Messe. Der Ausbau der St.-Benedictus-Missionsgesellschaft in einem männlichen (heute Benediktinerkongregation von St. Ottilien) und einem weiblichen (heute Missionsbenediktinerinnen von Tutzing) Zweig sowie der Aufbau eines Klostergebäudes begann. Ständig kamen neue Kandidaten und Kandidatinnen. Die erste Aussendung eines Priester, dazu neun Laienbrüdern und vier Schwestern nach Afrika erfolgte am 11. November 1887. Seit 1887 nannte sich AA Generalsuperior. Schwere Jahre folgten. Die Afrikamission war durch mehrere Gefangennahmen und den krankheitsbedingten Tod einiger ausgesandter Mitbrüder und Schwestern gefährdet. Erst 1894 konnten die Anfangsschwierigkeiten überwunden werden. Wegen der jahrelangen psychischen Anspannung AAs wurde P. Subprior Maurus Hartmann am 31. Juli 1895 sein Stellvertreter in der Männerkongregation. Am 24. Oktober 1895 reiste AA nach Rom. Er war einem Nervenzusammenbruch nahe. Am 28. Dezember 1895 schickte er von Rom ein Telegramm, in dem er seinen Rücktritt vom Amt des Generalsuperiors bekanntgab. Beim Rücktritt AAs zählten die beiden Gemeinschaften 16 Patres, 13 studierende Kleriker, 46 Brüder und 71 Schwestern. Zur Klärung der Situation in St. Ottilien wurde eine Visitation anberaumt, die der Seckauer Abt Ildefons Schober ab dem 11. Juli 1896 durchführte. Er war 1871 neun Monate Noviziatsgefährte von AA in Beuron. Ergebnis der Visitation war, daß Ildefons Schober am 29. November 1896 vom Abtprimas in Rom für drei Jahre zum Generalsuperior von St. Ottilien eingesetzt wurde. Am 13. Dezember 1896 wurde St. Ottilien von der Propagandakongregation als selbständiges Priorat errichtet, mit der Aussicht auf die Gründung einer Kongregation, sobald der Verband auf drei selbständige Klöster angewachsen sei. Ildefons Schober kam am 4. Januar 1897 nach St. Ottilien und die durch AAs Rücktritt ausgelöste Krise war überwunden. AA starb am 29. Dezember 1927 in St. Ottilien.
Werke: Die VII Grundgedanken der Eingabe zur Gründung der Congregatio OSB pro missione exteriore (als Manuskript gedruckt), Stuttgart 1921.
Lit.: Cyrill L. Wehrmeister, Die Benediktinermissionäre von St. Ottillien, St. Ottilien 1916 [19393]; - Alfred Klein, Die Kulturtätigkeit der Benediktiner von St. Ottilien auf ihrem Landgut zu St. Ottilien in Oberbayern. Ein Beitrag zur Frage der Landgewinnung aus Moor- und Ödländereien sowie durch Trockenlegung von stehenden Gewässern, Leipzig-Erlangen 1923 (Wirtschafts- und Verwaltungsstudien; 59), 17, 27; - Laurenz Kilger, Die Missionsgedanken bei der Benediktinergründung von St. Ottilien und der Übernahme der Afrikamission, in: ZM 24 (1934), 213-228; - Irmengard Bachem, Mutter Birgitta Korff OSB. 1. Generaloberin der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing. Ein Bild ihres Lebens, Wirkens und Wesens, München 1938, 28-32; - Leander Bopp, Pater Maurus Hartmann OSB, in: Götz Freiherr von Pölnitz (Hrsg.), Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben V, München 1956, 399-415 (403, 406); - Ders., Pater Andreas Amrhein OSB, der Gründer der Benediktinerkongregation von St. Ottilien, St. Ottilien o.J. (unveröffentlichtes Manuskript im Archiv St. Ottilien); - Suso H. Brechter, Beurons Beitrag zur Gründung von St. Ottilien, in: Virgil Fiala (Hrsg.), Beuron. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Erzabtei Sankt Martin, Beuron 1963, 231-261; - Paulus Weissenberger, Abt Plazidus Vogel von Münsterschwarzach und die Anfänge der Benediktinerkongregation von St. Ottilien, in: Studia Suarzacensia (= Würzburger Diözesangeschichtsblätter 25) 1963, 253-308 (270); - Ders., Unveröffentlichte Aktenstücke zur Frühgeschichte der Erzabtei von St. Ottilien, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 1 (1967), 87-102; - Fritz Bornemann, Ein Briefwechsel zur Vorgeschichte von St. Ottilien, in: Studia Instituti missiologici Societatis Verbi Divini 6 (1965), 42-56; - Ders., Arnold Janssen, der Gründer des Steyler Missionswerkes 1837-1909. Ein Lebensbild nach zeitgenössischen Quellen, Steyl 19702, 148, 258, 260, 276, 278; - Frumentius Renner, Vom Missionshaus Reichenbach zur Benediktinerkongregation von St. Ottilien, in: Ders., (Hrsg.), Der fünfarmige Leuchter. Beiträge zum Werden und Wirken der Benediktinerkongregation von St. Ottilien I. Gründung und Grundlegung der Kongregation von St. Ottilien, St. Ottilien 1971, 1-336 (5-165, 173-256, 329-335); - Viktor Dammertz, Die staatskirchenrechtliche Grundlegung der Kongregation von St. Ottilien, in: Frumentius Renner (Hrsg.), Der fünfarmige Leuchter. Beiträge zum Werden und Wirken der Benediktinerkongregation von St. Ottilien I. Gründung und Grundlegung der Kongregation von St. Ottilien, St. Ottilien 1971, 337-352 (337-346); - Ders., Die Leitgedanken bei der Redaktion der Konstitutionen unserer Kongregation, in: Frumentius Renner (Hrsg.), Der fünfarmige Leuchter. Beiträge zum Werden und Wirken der Benediktinerkongregation von St. Ottilien I. Gründung und Grundlegung der Kongregation von St. Ottilien, St. Ottilien 1971, 353-369 (353-358); - Bernita Walter, Von Gottes Treue getragen. Die Missionsbenediktinerinnen von Tutzing I: Gründung und erste Entwicklung der Kongregation, St. Ottilien 1985; - Dies., Von Gottes Treue getragen. Die Missionsbenediktinerinnen von Tutzing II: Gottes Treue verkünden. Wegbereitung für die Kirche in Ostafrika, St. Ottilien 1992; - EncCatt I (1949), 1119; - NDB I (1953), 260-261; - DIP I (1974), 537-538; - Artikel `Tutzing', in: LThK X (19652), 416; - LThK I (19933), 542.
Johannes Schaber
Werkeergänzung:
2006
Der Gründer. P.A.A. OSB (1844-1927). Schriften. Hg. von Cyrill Schäfer. St. Ottilien 2006;
2010
Der Gründer. P. A.A. (1844-1927). Hrsg.: Matilda Handl ; Cyrill Schäfer. Briefe: Teilbde 1 - 2. Sankt Ottilien 2010.
Letzte Änderung: 15.07.2010