Verlag Traugott Bautz |
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ABGAR V., mit dem Beinamen Ukkâmâ (»der Schwarze«), 9-46 König von Edessa. - Bischof Eusebius von Caesarea in Palästina († 339/40) berichtet in seiner »Historia ecclesiastica« (I, 13), A. V. habe in schwerer Krankheit Jesus brieflich um Heilung gebeten und ihm seine Residenz als Wohnort angeboten; Jesus habe ihm brieflich erwidert, er könne der Einladung nach Edessa nicht folgen, werde aber nach seiner Himmelfahrt ihm einen seiner Jünger senden, der ihn heilen solle. Diesen Briefwechsel bietet Eusebius in wörtlicher Übersetzung nach einer syrischen Urkunde, die er dem Archiv von Edessa entnommen habe und von der er behauptet, sie sei dort von A.s Zeit her aufbewahrt. Nach der Himmelfahrt Jesu - so erzählt Eusebius weiter - habe der Apostel Thomas den Thaddäus, einen der 70, nach Edessa entsandt, der A. V. heilte und ihm und den Seinen das Evangelium verkündigte. Die A.-Legende ist später noch weiter ausgeschmückt und in verschiedenen Sprachen bearbeitet worden. Sie will die Christianisierung des Reiches auf apostolischen Ursprung zurückführen, erweist sich aber als völlig ungeschichtlich. Selbst die Überlieferung, daß unter A. IX., der 176-213 regierte, die edessenische Königsfamilie christlich und das Christentum in Edessa um 200 Staatsreligion geworden sei, ist sehr fragwürdig. Vermutlich war Kûnê um 300 der erste rechtgläubige Bischof von Edessa.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2005
Jakob Lorber, Briefwechsel Jesu mit Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa. Sprecher: Reiner Bellinghausen. Bietigheim-Bissingen 2005. 1 CD; -
2007
Doctrina Addai - de imagine Edessena. Die A.legende - das Christusbild von Edessa. Griech,-lat.-dt. Übers. u. eingel. von Martin Illert. Turnhout 2007; -
2009
Béatrice Chevallier-Caseau, La lettre de Jésus à Abgar d'Édesse, in: Les Apocryphes chrétiens des premiers siècles. Paris 2009, S. 15-45.
Letzte Änderung: 06.11.2011