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Band XXIV (2005) Spalten 50-53 Autor: Wilhelm Baum

ADOLF von Nassau, deutscher König (1291-1298). - Nach dem Tod Rudolfs I. von Habsburg wählten die deutschen Könige nach zehn Monaten auf Vorschlag Erzbischofs Siegfried von Köln am 5.5. 1292 in Frankfurt den um 1250 als Sohn Graf Walrams II. geborenen Adolf von Nassau, der hoch gebildet war, lesen und schreiben konnte, die französische und lateinische Sprache beherrschte und 1288 in der Schlacht bei Worringen an der Seite des Erzbischofs gestanden war. In einer Wahlkapitulation (Const. 3, Nr. 474) versprach er, dem Erzbischof die Reichsstädte Dortmund und Duisburg sowie die Vogtei Essen zu überlassen und 25000 Mark Silber für "Reichsdienste" zu zahlen; er versprach auch, ohne Zustimmung Kölns nicht über Österreich und das Herzogtum Limburg zu verfügen; wenn er seine Versprechungen nicht einhalte, habe er das Recht auf die Krone verwirkt. König Wenzel II. von Böhmen erhielt die Zusage, über Österreich, Steiermark und Kärnten einen Vergleich mit den Habsburgern und Herzog Meinhard II. herzustellen oder ein für Böhmen günstiges Urteil zu fällen. Diese Wahl war vor allem gegen Adolf von Nassau Sohn Albrecht I. gerichtet, der als Kandidat auftrat. Der schwache König Adolf von Nassau wurde am 1.7. 1292 in Aachen gekrönt. Albrecht I. vermied zunächst die Konfrontation, begab sich Ende 1292 nach Hagenau, lieferte die Reichskleinodien aus und erhielt zur Enttäuschung Wenzels die Belehnung. Der neue König, der als Hausmacht nur die Grafschaft Nassau südlich der Lahn und nicht einmal eine eigene Kanzlei besaß, verbündete sich mit dem Herzog Johann I. von Brabant, dem er als Reichspfleger die Landfriedenswahrung am Niederrhein übertrug und gewann die Kurpfalz, indem er seine Tochter Mechthild mit Ludwigs II. Sohn Rudolf vermählte. Seine Revindikationspolitik erstreckte sich auch auf Italien, wo Matteo Visconti zum Reichsvikar ernannt wurde. Hier machte Bonifaz VIII. jedoch alle diesbezüglichen Versuche zunichte. - Außenpolitisch knüpfte Adolf Kontakte mit England an und schloß im August 1294 ein Bündnis mit König Eduard I., der den Verlust des Festlandsbesitzes durch Frankreich befürchtete und Adolf 20000 Pfund Hilfsgelder zahlte. Als der Pfalzgraf Otto von Burgund, den Rudolf I. 1289 zur Lehenshuldigung genötigt hatte, die Freigrafschaft an Frankreich abtrat, erklärte Adolf am 31.8. 1294 Frankreich den Krieg und ließ Otto seine Reichslehen absprechen. Möglicherweise ließ Adolf sich jedoch vom französischen König bestechen; es kam zu keinen Kampfhandlungen, wodurch er in Deutschland an Ansehen verlor. Seine schwache Machtbasis suchte der König zu erweitern, indem er im Frühjahr 1294 von Landgraf Albrecht "dem Entarteten" die Landgrafschaft Thüringen kaufte und Meißen als erledigtes Reichslehen einzog. Die Söhne Albrechts wurden geächtet und vertrieben, was den Widerstand der Kurfürsten hervorrief, die sich von Adolf abwandten. Durch zwei Feldzüge (1294/95) gelang es Adolf, Thüringen und Meißen zu sichern; die dabei geschehenen Gräueltaten dienten den Kurfürsten später als Vorwand zur Absetzung. Auf einem Hoftag in Frankfurt erklärte er im April 1296, er habe die Fürstentümer Meissen und Thüringen im Triumph dem Reich zurück erworben. Damit hatte Adolf die Kurfürsten von Köln, Mainz und Böhmen verärgert, die sich in ihren Erwartungen geprellt fühlten. Bis zum Sommer 1297 blieb Adolfs Herrschaft jedoch unbehelligt. - Als König hatte Adolf an die Politik seines Vorgängers angeknüpft, den französischen Expansionsdrang in Richtung Arelat und Burgund mit englischer Hilfe zurückzudrängen. Er wurde daher oft kritisiert, daß er zunächst von England die Hilfsgelder annahm, dann aber keineswegs gegen König Philipp IV. von Frankreich vorging, das am Tag vor der Wahl Adolfs die Stadt Lyon annektierte. Papst Bonifaz VIII. hielt Adolf 1295 vor, er habe sich wie ein gemeiner Ritter zum Kriegsdienst verpflichtet. Auch Graf Heinrich von Luxemburg - der spätere Kaiser - trat für Geld in den Dienst Frankreichs. Während in Frankreich und England das Königtum seine Macht ausbauen konnte, geriet der römische König in den Ruf der Käuflichkeit. - Am 2.6. 1297 wurde Wenzel II. in Prag von Erzbischof Gerhard von Mainz in Anwesenheit Albrechts I. von Österreich zum König gekrönt. Zu dieser Zeit formierte sich unter der Leitung der drei Fürsten die Opposition gegen König Adolf. England und Frankreich schlossen Frieden, ohne Adolf dabei auch nur zu konsultieren. Gerhard von Mainz berief einen Fürstentag nach Frankfurt, auf dem die Absetzung Adolfs vorbereitet werden sollte. Nur Rudolf von der Pfalz stand noch auf Seiten Adolfs. - Auf dem Mainzer Fürstentag vom 23.6. 1298 wurde Adolf vom Mainzer Erzbischof, Herzog Albrecht von Sachsen und den Markgrafen von Brandenburg zitiert und schließlich abgesetzt, weil er die Wahlkapitulation gebrochen habe und ungeeignet sei, das Königtum weiter zu führen (Const. 3, Nr. 589). Giovanni Villani, der Geschichtsschreiber von Florenz, erwähnt auch den Vorwurf, der König habe sich von Frankreich bestechen lassen. Albrecht I. von Österreich, der schon 1297 gegen Adolf gerüstet hatte und im März 1298 von Österreich in den Westen aufgebrochen war, wurde zum König gewählt. Albrecht, der im Feldlager vor Alzey weilte, wurde von der Wahl benachrichtigt. Am 2.7. 1298 kam es bei Göllheim zur Entscheidungsschlacht, in der Adolf fiel. Papst Bonifaz VIII. brandmarkte die Tötung des Königs als ruchloses Verbrechen. Im Heer Albrechts waren auch sein Schwager Heinrich von Kärnten und der Erzbischof von Mainz. Am 27.7. 1298 wurde Albrecht noch einmal zum König gewählt. Adolf war gescheitert, als er begonnen hatte, eine von den Kurfürsten eigenständige Politik zu führen. Er war der erste deutsche König, der formell abgesetzt wurde, aber nicht durch den Papst, sondern durch das Urteil der Kurfürsten. - In der Geschichtsschreibung äußert sich besonders die Kolmarer Dominikanerchronik positiv zu Adolf, der das dortige Kloster privilegierte. Die Mainzer "Gesta Adolfi" rühmen die Tapferkeit des Königs, seine Unterwerfung Meißens und den Zug gegen Frankreich. Der König, dessen Tod bedauert wird, sei einer Intrige des Mainzer Erzbischofs erlegen. In einem Gedicht über die Schlacht bei Göllheim, das für Adolf Partei ergreift, wird die nassauische Ritterschaft verherrlicht. Seine Leiche wurde zunächst ins Kloster Rosenthal gebracht, 1309 jedoch auf Veranlassung Heinrichs VII. im Speyerer Dom beigesetzt. Aus seiner Ehe mit Imagina von Limburg stammten zehn Kinder.

Quellen: Regesta Imperii VI/2/1, bearb. v. Vincenz Samanek, Innsbruck1933/48; Urkundenregesten zur Tätigkeit des deutschen Königs- und Hofgerichts bis 1415, hrsg. von Bernhard Diestelkamp, Bd. 4: Die Zeit Adolfs von Nassau, Albrechts I. von Habsburg, Heinrichs von Luxemburg 1292-1313, bearb. von Ute Rödel, Köln/Weimar/Wien 1992.

Lit.: Vincenz Samanek: Studien zur Geschichte König Adolfs, in: Sitzungsberichte Wien, phil.-histor. Kl. 207, 2, 1930; - Vincenz Samanek: Neue Beiträge zu den Regesten König Adolfs, in: Sitzungsgerichte Wien, phil.-histor. Kl. 214,2, 1932; - Fritz Bock: Englands Beziehungen zum Reich unter Adolf von Nassau, in: MIÖG, Erg.-Bd. 12, 1933, 199-252; - Eduard Ziehen: König Adolf von Nassau, Mittelrhein und das Reich, in: Nassauische Annalen, 59, 1939, 1-30; - Adolf Gauert: Adolf von Nassau, in: NDB I (1953), ND Berlin 1971, 74f; - Friedrich Baethgen: Zur Geschichte der Wahl Adolfs von Nassau, in: DA, 12, 1956, 536-543; - Fritz Trautz: Studien zur Geschichte und Würdigung König Adolfs von Nassau, in: Geschichtliche Landeskunde 2, Mainz 1965, 1-45; - Katharina Colberg: Reichsreform und Reichsgut im späten Mittelalter, phil. Diss., Göttingen 1966; - Jörg Jarnut: Zwischen Bündnistreue und Vertragsbruch, König Adolfs Außenpolitik im Jahre 1297, in: Nassauische Annalen 87, 1976, 26-41; - Heinz Thomas: Die Kirche von Toul und das Reich unter Rudolf von Habsburg und Adolf von Nassau, in: JbWLG, 3, 1977, 145-174; - Kurt Jäschke: Zu den Gesta Adolfi regis von 1299/1316, in: Historiographia medievalis, FS F. J. Schmale, Darmstadt 1988, 221-245; - Alfred Ritscher: Literatur und Politik im Umkreis der ersten Habsburger, Frankfurt-Bern-New York 1992; - Wilhelm Baum: Reichs- u. Territorialgewalt (1273-1437). Königtum, Haus Österreich und Schweizer Eidgenossen im späten Mittelalter, Wien 1994; - Alois Gerlich: Adolf von Nassau (1292-1298). Aufstieg und Sturz eines Königs, Herrscheramt und Kurfürstenfronde, in: Nassauische Annalen, 105, 1994, 17-78; - Beate Modritz: Die Rolle der Juden in der Politik Adolfs von Nassau und Albrechts I., phil. Diss., Wien 2000.

Wilhelm Baum

Letzte Änderung: 11.01.2005