AGLIARDI, Antonio: Kardinal und Nuntius in Österreich, * 4.9. 1832 in Cologno al Serio (Bergamo), † 1.5. 1915 in Rom. - A. wurde am 22.12. 1855 in Rom zum Priester geweiht. Darauf erlangte er auch das Doktorat in beiden Rechten. Nach verschiedenen Posten beauftragte ihn Pius IX. mit der Zurückweisung des Werkes des Philosophen Guglielmo Audisio, das den Titel trug: »Über die politische und religiöse Gesellschaft im Hinblick auf das 19. Jahrhundert«. 1877 holte ihn Pius IX. nach Rom zurück und machte ihn zum Moraltheologen am Collegio Urbano der Propaganda Fide. Auch wurde er Minutant bei der Propaganda. Am 23. September 1884 erfolgte seine Ernennung zum Titularerzbischof und zum ersten Apostolischen Delegaten in Ostindiem. Nach seiner Rückkehr nach Italien wurde er Sekretär der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, und zwar am 8. Oktober 1888. Am 9. April 1889 wurde er zum Apostolischen Nuntius in München ernannt. Dort bemühte er sich in besonderer Weise um die Wiederannäherung Döllingers zur katholischem Kirche. Am 16. Mai 1893 wurde er Nuntius in Wien - bis 1896. Er förderte sehr die Partei der Christlich-Sozialen unter Dr. Karl Lueger. Lueger jedoch wurde sehr angefeindet von den Erzbischöfen von Wien und Prag wie von der kaiserlichen Diplomatie. Da A. für Lueger und die Christlich-Sozialen eintrat, erwuchsen dieser Partei keine negativen Konsequenzen aus solcher Gegnerschaft. Sogar Kardinal Rampolla anerkannte diese Partei und Lueger ausdrücklich. So wurde A. zu einer »sehr volkstümlichen. Gestalt« (D. Squicciarini). Am 23. Juni 1896 wurde er Kardinal. Bei der Wahl des Nachfolgers Leos XIII. wurde sogar sein Name genannt. A. unterstützte auch das erste Auftreten der Democrazia cristiana, wie er dies auch bei den Christlich-Sozialen Parteien in Österreich und Deutschland getan hatte. Er unterstützte den Gründer der Democrazia Cristiana Don Romolo Murri bei Leo XIII.
Lit.: D. Squicciarini, Die Apostolischen Nuntien in Wien; - Città dell Vaticano, 1999, 231-254.