|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
ALEXANDER VI., Papst, * 1.1. 1430 in Jativa bei Valencia, † 18.8. 1503 an Malaria, nicht durch Vergiftung. - Rodrigo Lanzol gelangte dadurch rasch zu hohen kirchlichen Stellungen, daß ihn sein Oheim, Calixt III., adoptierte und in die Familie der Borgia aufnahm. Er wurde 1455 apostolischer Notar, 1456 Kardinaldiakon und 1457 Vizekanzler der römischen Kurie und erhielt nach und nach die Bistümer Valencia, Porto und Carragena und eine ganze Reihe von Benefizien in Spanien und Italien. Rodrigo Lanzol kam 11.8. 1492 durch Simonie auf den Stuhl Petri als ein sittenloser Papst der Renaissancezeit, dessen Denken und Trachten darauf gerichtet war, seine sinnlichen Leidenschaften zu befriedigen und seine Kinder glänzend zu verheiraten und mit Fürstentümern auszustatten. Durch seine Familienpolitik und in seinem Bestreben, sein Haus zu einer mächtigen Dynastie zu erheben, wurde er in zahlreiche Kämpfe verwickelt. A. VI. hatte mindestens sieben, möglicherweise neun Kinder, von denen er besonders die vier liebte, die ihm seine anerkannte Konkubine Vanozza Catanei geboren hatte: Juan, Cesare, Jofré und Lucrezia. Als Kardinal verlieh er seinem ältesten Sohn Pedro Luis das spanische Herzogtum Gandia, das Juan erbte. 1497 belehnte er Juan mit dem Herzogtum Benevent, das er vom Kirchenstaat trennte. 1492 machte er Cesare zum Erzbischof von Valencia und 1493 zum Kardinal. A. VI. verbündete sich 1493 mit Lodovico, dem Gouverneur Mailands, und Venedig gegen den König Ferrante von Neapel, um Lucrezia mit dem mächtigen Johann Sforza von Pesaro, einem Verwandten Lodovicos, zu vermählen. 1494 gab er dieses Bündnis auf und trat auf die Seite Ferrantes, dessen Sohn Alfonso darum Schwiegervater Jofrés wurde. A. VI. geriet dadurch in eine bedrängte Lage, daß Lodovico in Gemeinschaft mit einigen Kardinälen Karl VIII. von Frankreich nach Italien rief, damit er Neapel erobere und den simonistischen Papst vor ein Konzil stelle. Er rettete dadurch seine Stellung, daß er Januar 1495 Karl VIII. den Durchzug seines Heeres gegen Neapel gestattete und die abgefallenen Kardinäle amnestierte. März 1495 schloß sich A. VI. dem gewaltigen Waffenbund gegen Karl VIII. an, der nach seiner Krönung zum König von Neapel zum Rückzug gezwungen wurde. Für die dem Haus Aragon geleisteten Dienste verlangte er die Hand der neapolitanischen Königstochter Carlotta für Cesare und beschloß, um sein Ziel zu erreichen, die Scheidung der Lucrezia, die er 1498 mit einem neapolitanischen Prinzen, dem Herzog Alfonso von Biseglia, vermählte. Als Federigo seine Tochter Carlotta Cesare nicht gab, wandte sich A. VI. von Neapel ab. Cesare vermählte sich 1499 nach Verzicht auf die Kardinalswürde mit der französischen Prinzessin Charlotte d'Albret, der Schwester des Königs von Navarra, nachdem ihn Ludwig XII., der dafür vom Papst die Erlaubnis zur Scheidung von seiner Gattin erhielt, zum Herzog von Valence ernannt hatte. A. VI. entzog den Dynasten der Romagna und der Marken ihre päpstlichen Lehen und übertrug sie Cesare, der, von Frankreich unterstützt, als Herzog der Romagna mit Waffengewalt und List durch Gift, Dolch und Strang die kleineren mittelitalienischen Machthaber bekriegte und beseitigte im Einverständnis seines Vaters, der die machtpolitischen Pläne und Verbrechen seines Sohnes guthieß und durch Ablaßgelder des Jubiläumsjahres 1500 und die Türkensteuer förderte. A. VI. vermählte 1502 Lucrezia mit Alfonso von Este, Erbprinzen von Ferrara, nachdem ihr zweiter Gatte 1500 durch Meuchelmörder, die wahrscheinlich Gesare gedungen hatte, beseitigt worden war. An der Verwirklichung seines Planes, aus Umbrien, den Marken und der Romagna ein mittelitalienisches Königreich für Gesare zu schaffen, hinderte ihn der Tod. - Gegen Girolamo Savonarola, der sich mit leidenschaftlichem Eifer und hinreißender Beredsamkeit gegen die Zuchtlosigkeit in Kirche und Staat wandte, eröffnete A. VI. den Prozeß und sprach 12.5. 1497 über ihn die Exkommunikation aus. Der heilige Mönch unterlag dem unheiligsten der Päpste, A. VI.: Savonarola wurde 23.5. 1498 auf dem Markt in Florenz gehenkt und verbrannt. - In den spanisch-portugiesischen Kolonialstreitigkeiten wurde A. VI. als Schiedsrichter angerufen. Durch Bulle vom 4.5. 1493 teilte er den Atlantik zwischen Spanien und Portugal durch eine Demarkationslinie.
Lit.: Jakob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance, 18997; - M. Brosch, Machiavelli, Cäsar Borgia u. A. VI., in: ZKG 23, 1908, 525 ff.; - Orestes Ferrara, El papa Borgia, Madrid 1913 (19564); - Ders., A. VI. Borgis. Dt. Übers. v. Anna Kathar, 1957; - A. VI. u. sein Hof. Nach dem Tagebuch seines Zeremonienmeisters Burcardus hrsg. v. Ludwig Geiger, 192010; - Guiseppe Portigliotti, Die Familie Borgis. A. VI. Cäsar. Lukrezia, übers. v. Nina Knoblich, 1923; - v. Pastor III, 329 ff.; - Joseph Schnitzer, Peter Delfin, General des Camaldulenserordens (1444-1525). Ein Btr. z. Gesch. der Kirchenreform A.s VI. u. Savonarolas, 1926, 106 ff. (Wahl A.s VI.); 286 ff. (Zum Leben u. Sterben A.s VI.); - Ders., Der Tod A.s VI. Eine qu.krit. Unters., 1929; - J. dall' Oro, Papa A. VI., Mailand 1939; - Michael Seidlmayer, Gesch. des italien. Volkes u. Staates, 1940, 302 ff.; - Ferdinand Gregorovios, Papst A. VI. u. seine Zeit, 1942; - G. Pepe, La politica dei Borgia, Neapel 1945; - Friedrich Georg Frhr. v. Rechenberg, A. Borgia u. der Mönch. Savonarolas Kampf mit dem Papsttum (Roman), 1948; - G. Soranzo, Studi int. a papa A. VI., Mailand 1950; - Willy Tharann, Savonarola (Ein Mönch lehnt sich auf). Tragödie in 5 Akten, 1967; - Lex. d. Päpste 160 ff.; - EC I, 795 ff.; - LThK I, 317f.; - RE I, 347ff.; - EKL I, 67f.; - RGG I, 207.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1978
Ricardo García-Villoslada, Sentido de la conquista y evangelización de América según las bulas de A. VI (1493), in: AnAn 24./25.1977/78, S. 381-452; -
1982
Katherine Walsh, Päpstl. Kurie u. Reformideologie am Beisp. von Santa Maria del Popolo in Rom. Die Augustiner-Observanten im Spannungsfeld zwischen Borgia u. Della Rovere, in: AHP 20.1982, S. 129-161; -
2004
Álvaro Fernández de Córdova, Relaciones político-eclesiásticas de Alejandro VI y los Reyes Católicos (1492-1503). Diss. Rom 2004; - Alessandro VI dal Mediterraneo all'Atlantico. Atti del convegno (Cagliari, 17-19 maggio 2001). A cura di M. Chiabò. Roma 2004; -
2005
Volker Reinhardt, Der unheimliche Papst. München 2005; - Álvaro Fernández de Córdova Miralles, Relaciones político-eclesiásticas de A. VI y los Reyes Católicos (1492-1503), in: AHI 14.2005, S. 447-453; -
2006
Adalbert Roth, D. Weihnachtsmissale d. Päpste. Stuttgart 2006; - De València a Roma a través dels Borja. Congrés Conmemoratiu del 500 Aniversari de l'Any Jubilar d'Alexandre VI. Paulino Iradiel ... (Coords.). València 2006; -
2007
Claudia LaMalfa, Alessandro VI, Pinturicchio e il gusto antiquariale negli affreschi dell'Appartamento Borgia, in: La papauté à la Renaissance. Paris 2007, S. 367-382.
Letzte Änderung: 24.04.2009