Verlag Traugott Bautz |
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
ALEXANDER VII., Papst, * 13.2. 1599 in Siena als Fabio Chigi, † 22.5. 1667. - Fabio Chigi war 1639-51 Nuntius in Köln. Er nahm an den Verhandlungen des Westfälischen Friedens von 1648 teil und erhob nach der Unterzeichnung der Verträge von Münster und Osnabrück gegen sie Protest, dem die päpstliche Bulle folgte, die die in jenen Verträgen den Protestanten gemachten Zugeständnisse nicht bestätigte. Innozenz X. erhob ihn zum Kardinal und betraute ihn schließlich mit der Leitung der Staatsgeschäfte. Er setzte es durch, daß der Papst 1.6. 1653 fünf Sätze aus dem »Augustinus« des Cornelius Jansen als ketzerisch verdammte. Als A. VII. wurde er 7.4. 1655 zum Papst gewählt, weil man seine Abneigung gegen den Nepotismus schätzte. Er blieb aber dieser seiner Gesinnung nicht treu, sondern berief 1656 seine Verwandten nach Rom und versorgte sie mit den einträglichsten Staats- und Kirchenämtern und mit fürstlichen Besitzungen. A. VII. bereitete der Königin Christine von Schweden, Tochter Gustav Adolfs, die nach ihrem Thronverzicht 1654 heimlich in Brüssel, 1655 offen in Innsbruck zur kath. Kirche übergetreten war, einen prunkvollen Empfang. Ihr Aufenthalt in Rom wurde ihm aber auf die Dauer sehr kostspielig. In dem Streit mit den Jansenisten erließ A. VII. mehrfach Konstitutionen gegen sie. Bei einem Streit zwischen der päpstlichen Leibwache und dem Gefolge des französischen Botschafters, des Herzogs von Créqui, wurden einige Leute des Botschafters getötet. Da dieser mit der ihm von der Kurie angetragenen Genugtuung nicht zufrieden war, verließ er Rom. Ludwig XIV. wies den päpstlichen Nuntius aus Frankreich aus, besetzte Avignon und Venaissin und drohte mit dem Einmarsch seiner Truppen in den Kirchenstaat. Wie Innozenz X. stand auch A. VII. mit Spanien im engsten Bündnis und weigerte sich darum, die seit 1640 von Spanien unabhängige portugiesische Monarchie der Braganzas anzuerkennen und die von Johannes IV. ernannten Bischöfe zu bestätigen. - A. VII. war ein Freund der Künste und Wissenschaften und selbst Dichter. Den Umgang mit Gelehrten, unter denen Sforza Pallavicino, der Geschichtschreiber des Tridentinums, hervorragte, liebte er mehr als die Geschäfte, die er meist seinem Staatssekretär Rospigliosi und der congregatione di stato überließ. Den Streit mit Portugal legte erst Clemens IX. 1669 bei.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1993
Pierre Blet, Louis XIV et les papes aux prises avec le jansénisme, in: AHP 31.1993, S. 109-192; -
2002
Pierre Blet, Le nonce Piccolomini et le cardinal Mazarin, in: AHP 40.2002, S. 235-268; -
2007
Peter Stephan, Der Griff nach den Sternen. Die gentilizische Kodierung des römischen Stadtraums durch Grabmäler unter Sixtus V. und Alexander VII., in: Carolin Behrmann, Arne Karsten, Philipp Zitzlsperger (Hgg.), Grab – Kult – Memoria. Studien zur gesellschaftlichen Funktion von Erinnerung, Köln/Weimar 2007, 75-103.
Letzte Änderung: 06.11.2011