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Verlag Traugott Bautz
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ALEXIOS I. KOMNENOS, Kaiser von Byzanz, * 1048 in Konstantinopel, † 15.8. 1118. - A., Neffe des Kaisers Isaak I. Komnenos (1057-59), war ein tüchtiger General und gelangte durch Verschwörung auf den Thron: Karfreitag 1081 drangen seine Soldaten in die Hauptstadt ein, und er stürzte Nikephoros III. Gegen den in das Reich eingefallenen Normannenherzog Robert Guiscard verbündete sich A. mit Venedig und dem deutschen Kaiser Heinrich IV. Er wurde bei Durazzo geschlagen, und Robert drang bis Mazedonien siegreich vor. Heinrichs IV. Erfolge in Italien und ein in Apulien drohender Aufstand zwangen ihn zur Rückkehr nach Italien. Robert erneuerte 1084 den Angriff und schlug die vereinigte venezianisch-byzantinische Flotte bei Korfu. Da er 1085 starb, kehrte sein Heer heim. 1088-91 kämpfte A. gegen die über die Donau vorgedrungenen Petschenegen, die ihn bei Silistria besiegten. Mit Hilfe der Kumanen überwand A. die Petschenegen in der Schlacht bei Enos unweit der Maritzamündung. Gegen die Seldschuken erbat er 1094 von Urban II. die Hilfe des Abendlandes. Der Papst erweckte auf der Synode zu Clermont im November 1095 den begeisternden Beschluß des 1. Kreuzzugs. Als das Kreuzzugsheer Konstantinopel erreichte, verpflichtete A. die Führer, ihm den Lehnseid für die zu erobernden Gebiete zu leisten, wofür er Verpflegung und militärische Hilfe versprach. Durch den Sieg bei Doryläum 1097 gewann A. das westliche Kleinasien und eröffnete von hieraus den Krieg gegen das neue normannische Fürstentum in Syrien, dessen Inhaber Bohemund, der Sohn des Robert Guiscard, war. Bohemund mußte sich 1108 dem Vertrag von Deabolis unterwerfen und Antiochien von A. zu Lehen nehmen ohne das Recht, es zu vererben. Im Innern des Reiches, das A. 1081 in ganz zerrüttetem Zustand vorfand, war er um die Wiederherstellung der Ordnung und die Verbesserung des Heerwesens und der Finanzen erfolgreich bemüht. Auch hatte A. mit den Sekten der Paulizianer und der Bogumilen zu kämpfen. Er ließ Basilios, das Haupt der Bogumilen, mit 12 seiner einflußreichsten Anhänger öffentlich verbrennen. Auf Veranlassung des Kaisers schrieb der Mönch Euthymius Zigabenus, der wegen seiner theologischen Kenntnisse bei ihm in hoher Gunst stand, die »Dogmatische Rüstkammer«, ein Handbuch sämtlicher Ketzereien, von dem uns besonders die Abschnitte interessieren, die der Bekämpfung der damaligen Häretiker gewidmet sind. A. war auch als theologischer Schriftsteller tätig. Sein Leben beschrieb seine Tochter Anna Komnena.
Lit.: Annae Comnenae Alexiadis libri XIV, hrsg. v. A. Reifferscheid, 2 Bde., 1884; - Gustav Friedrich Hertzberg, Gesch. der Byzantiner u. des Osman. Reiches, 1884; - Karl Krumbacher, Gesch. der byzantin. Lit., 18972, 274 ff.; - Ferdinand Chalandon, Les Comnènes. Etude sur l'Empire byzantin aux XIe et XIIe siècles. I. Alexios Comnène, 1900; - Karl Roth, Gesch. des byzantin. Reiches, 1904 (19192); - Regesten der Kaiserurkunden des oström. Reiches v. 565-1453, bearb. v. Franz Dölger, 2. Tl., Regesten v. 1025-1204, 1925, 1063 ff.; - V. Grumel, Les Regestes des actes du patriarcat de Constantinople, Kadiköl-Bukarest I/1, 1932; I/2, 1936; I/3, 1947; - P. Charanis, Byzantium, the West and the Origin of the First Crusade, in: Byzantion 19, Brüssel 1949, 17 ff.; - St. Runciman, A History of the Crusades, Cambridge 1951; - Georg Ostrogorski, Gesch. des byzantin. Staates, 19522, 282 II.; - RE I, 361 ff.; - LThK I, 328.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2007
Bernard S. Bachrach, Papal war aims in 1096. The option not chosen, in: In laudem Hierosolymitani. Aldershot 2007, S. 319-343;- Margaret Mullett, The imperial vocabulary of Alexios I. K., in: Letters, literacy and literature in Byzantium. Aldershot 2007, S. 359-397.
Letzte Änderung: 11.05.2010